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Bonität von Staatsanleihen Es droht eine Welle von Abstufungen

 ·  Staatsanleihen werden immer unsicherer: Analysten rechnen künftig nur noch für Kanada, die Schweiz und die skandinavischen Ländern mit Bestnoten. Auch die EFSF dürfte bald abgestuft werden.

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© F.A.Z. Interaktiv: Das Rating der wichtigsten Länder

Nach der Herabstufung von Frankreich durch die Ratingagentur Moody’s warten Investoren an den Kapitalmärkten darauf, ob in Kürze nun auch die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) von Moody’s abgestuft werden. Eine Emission der EFSF im Volumen von 3 Milliarden Euro musste am Dienstag verzögert werden, da hinter einer EFSF-Anleihe zum Zeitpunkt der Emission die Haftung von Ländern stehen muss, deren Bonität mindestens dem Rating der EFSF entspricht. Jetzt aber hat Frankreich mit „Aa1“ bei Moody’s eine schlechtere Bonität als die EFSF mit „Aaa“.

Derzeit noch halten die EFSF und der ESM die Spitzennote „Aaa“, aber meist mit negativem Ausblick. Im Januar hatte Standard & Poor’s die Bonität der EFSF abgestuft, nachdem es drei Tage zuvor die Kreditwürdigkeit von Frankreich von „AAA“ auf „AA+“ herabgesetzt hatte. Die EFSF hält noch ihre Höchstnote bei Moody’s und Fitch, nicht aber bei Standard & Poor’s. Auch der ESM blickt auf ein „Aaa“ von Moody’s und Fitch. Der ESM hat nach Einschätzung der Analysten der japanischen Bank Nomura ein stabileres Rating als die EFSF, da der Fonds letztlich durch 80 Milliarden Euro eingezahltes Kapital und 620 Milliarden Euro abrufbares Kapital gedeckt ist und der Fonds vorrangigen Status unter Gläubigern genießt.

Die Krise könnte im neuen Jahr eskalieren

Investoren sollten nach einem Rat der Analysten der französischen Bank Société Générale die Begründungen lesen, warum die Ratingagenturen Länder herabstufen. Moody’s und Fitch legen zum Beispiel ein größeres Gewicht auf den Kapitalmarktzugang der Länder als Standard & Poor’s. Dies hat unweigerlich dazu geführt, dass Moody’s in diesem Jahr rigoroser mit Abstufungen und negativen Ausblicken umgegangen ist als Standard & Poor’s oder gar Fitch. Es erklärt auch, warum Spanien im Oktober von Moody’s nicht abgewertet wurde, nachdem sich das Land nach der Ankündigung des OMT-Programms durch die Europäische Zentralbank (EZB) günstiger am Kapitalmarkt finanzieren konnte.

Doch wie geht es weiter? Nach einer Umfrage der Ratingagentur Fitch meinen zwar 86 Prozent der europäischen Investoren, die insgesamt 7,4 Billionen Dollar festverzinsliches Vermögen verwalten, dass das OMT-Programm der EZB ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Lösung der Krise sei. Aber 14 Prozent der Investoren fürchten, dass der Optimismus übertrieben ist und der Druck der Märkte auf Spanien und Italien bald steigen werde.

Auch Société Générale, Nomura und die Citigroup warnen, dass es mit den Abwertungen der Ratingagenturen weitergehen wird und die Krise im neuen Jahr eskalieren könnte. „Weltweit wird die Welle von Abwertungen staatlicher Emittenten fortschreiten, es sei denn, Regierungen nehmen es mit ihrer Haushaltssanierung und ihren Reformen ernst“, heißt es bei der Société Générale. Das schwache Wachstum, die prozyklische Fiskalpolitik, die Bankenregulierung und die immer wieder verfehlte Senkung von Schuldenquoten würden zur Abstufung staatlicher Emittenten führen. Es werde aber nicht so weit gehen, dass Spanien und Italien ihren Zugang zum Kapitalmarkt verlören.

Der Club der Länder mit Spitzenbonität wird klein

Die Abwertungen haben Konsequenzen für Investoren. So legt die Schweizerische Notenbank 86 Prozent ihrer Anleihe-Fremdwährungsbestände in AAA-Staatsanleihen an, wird nun aber wohl aufhören, französische Staatsanleihen zu kaufen. Der Kreis der Staaten mit Spitzenbonität wird immer kleiner. Nach Einschätzung der Citigroup wird auch Deutschland mittelfristig sein Spitzenrating von „Aaa“ verlieren.

Die Analysten der Bank erwarten, dass Portugal in den nächsten zwei bis drei Quartalen abgewertet wird, weil das Troika-Programm wegen der Rezession möglicherweise doch verlängert werden müsse. Auch werde Standard & Poor’s das Rating von Großbritannien mit einem negativen Ausblick versehen. In den kommenden zwei bis drei Jahren werde die Situation sogar noch ernster: Griechenland werde letztlich doch aus der Währungsunion austreten mit entsprechenden Abwertungen der Ratingagenturen.

Um letztlich den Euro zu retten und Rahmenbedingungen für Wachstum zu schaffen, würde aber wohl die Schuldenlast von Portugal, Irland, Zypern und möglicherweise gar von Spanien, Italien und Slowenien umstrukturiert werden müssen. In den kommenden zwei bis drei Jahren werde wenigstens eine Ratingagentur Spanien unter die Schwelle des Investmentgrade abwerten. Auch würde die Kreditwürdigkeit von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan in den nächsten zwei bis drei Jahren von mindestens einer Ratingagentur abgestuft. Der Club der Länder, die über eine Spitzenbonität verfügen, wird mit Kanada, der Schweiz und den skandinavischen Ländern extrem klein.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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