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Bonität Standard & Poor’s lobt Frankreich

 ·  Nachdem Frankreich sein Spitzenrating im Januar 2012 verloren hatte, würdigt die Ratingagentur Standard & Poor’s nun die Reformen des Landes. Eine Rückkehr zu „AAA“ ist aber nicht in Sicht.

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© AP Vergrößern Der New Yorker Sitz der Ratingagentur Standard & Poor’s

Die amerikanische Ratingagentur hat in einem Bericht eine Reihe der jüngsten Maßnahmen der französischen Regierung gewürdigt. „Substantielle Strukturreformen, die zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und zum Wirtschaftswachstum beitragen, können auch zur Stabilisierung des Ratings beitragen“, heißt es in einem Bericht der Agentur. Standard & Poor’s hatte im November 2012 das Rating Frankreichs mit der zweitbesten Note „AA+“ bestätigt. Allerdings ist das Rating mit einem sogenannten negativen Ausblick versehen. Damit wird ausgedrückt, dass die Agentur auf mittlere Sicht eine Verschlechterung des Ratings für denkbar hält.

Strukturreformen und Maßnahmen zur Stabilisierung des Schuldenstands in den kommenden zwei oder drei Jahren können dazu beitragen, das aktuelle Rating zu stabilisieren. „Es ist eine beispiellose Anstrengung, wenn eine Regierung ankündigt, bis 2017 die Staatsausgaben um 60 Milliarden Euro zu kürzen“, sagte der Chefökonom Europa der Agentur, Jean-Michel Six, in einem Gespräch mit dem Radiosender Europe 1. „Keine Regierung hat so etwas zuvor versucht. Ich sage nicht, dass dies gelingt. Aber es handelt sich in jedem Falle um eine Absicht, die wir würdigen.“

Standard & Poor’s erwähnt auch Reformen der Regierung: „Wir haben zum ersten Mal seit vielen Jahren den Eindruck, dass die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Unternehmen für die Politik eine Priorität darstellt.“ Weiter heißt es: „Der Vorschlag zur Reform des Arbeitsmarktes, der noch in Gesetzesform gegossen werden muss, dürfte den Arbeitgebern helfen, die Arbeitskosten besser an die internationale Konjunktur anzupassen.“

Standard & Poor’s hatte im Januar 2012 Frankreich das Spitzenrating „AAA“ entzogen. Von den drei führenden Agenturen bewertet nur noch Fitch das Land mit der Bestnote. Frankreich dürfte allerdings in diesem Jahr die geplante Reduzierung der Neuverschuldung auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht gelingen. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission ist bei einem Wirtschaftswachstum von lediglich 0,1 Prozent eine Neuverschuldung von 3,6 Prozent des BIP zu erwarten.

An den Märkten für Staatsanleihen und Kreditausfallderivaten für Staatsanleihen (CDS) wird Frankreich schon lange nicht mehr wie ein Land mit einem AAA-Rating bewertet. Andererseits ist aber auch kein „Hollande-Malus“ seit der Präsidentenwahl im vergangenen Mai erkennbar. Der Abstand der Anleiherenditen und der CDS-Preise zwischen Frankreich und Deutschland hat sich seitdem sogar deutlich verringert.

Fondsmanager berichten, französische Anleihen stießen auf Interesse bei Anlegern, die nicht in einem Nischenmarkt investieren wollten und etwas höhere Renditen als mit deutschen Bundesanleihen vereinnahmen wollten. In Analyseabteilungen deutscher Banken ist aber auch die Ansicht verbreitet, die französischen Renditen könnten spürbar steigen, weil die Reformpolitik allenfalls halbherzig sei.

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