25.01.2010 · Der Medienkonzern Bertelsmann wird 2009 nun wohl doch keinen Verlust verbuchen. Das geht aus einer Mitteilung hervor, dass die Inhaber des Genussscheins 2001 die volle Ausschüttung von 15 Prozent erhalten werden.
Von Martin HockEine dürre Meldung von Bertelsmann dürften Inhaber der Genussscheine des Konzerns am Montag mit Erleichterung aufgenommen haben. Man erwarte, so der Medienkonzern nach vorläufigen Berechnungen eine Ausschüttung für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009 von 15 Prozent auf den Grundbetrag, was darauf schließen lässt, dass Bertelsmann 2009 anders als bislang befürchtet, doch einen Gewinn erzielen wird.
Ausschüttungen auf Genussscheine werden nur dann geleistet, wenn ein ausreichender Unternehmensgewinn zur Verfügung steht. Im Verlustfall kann sogar der Rückzahlungswert der Scheine reduziert werden, der allerdings bei einer späteren Besserung der Ertragslage wieder aufgefüllt werden muss.
Schlechte Erfahrungen mit Genussscheinen von Banken
Im vergangenen Jahres hatte es Spekulationen darüber gegeben, dass die Ausschüttung erstmals seit Plazierung des Papiers ganz oder teilweise ausfallen könnte, nachdem Bertelsmann im Gefolge der Finanzkrise im ersten Halbjahr einen Verlust von 333 Millionen Euro verbucht hatte und der Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski einen Verlust für das Gesamtjahr nicht ausschloss.
Dass Verzicht auf Ausschüttungen oder gar eine Verlustbeteiligung nicht nur reine Theorie ist, erfahren die Inhaber von Genussscheinen von mit Staatsgeld gestützten Banken derzeit leidvoll. Nicht nur, dass die Commerzbank und ihre Tochtergesellschaften Eurohypo und Deutsche Schiffsbank voraussichtlich keine Zinsen zahlen werden - dem Vernehmen nach besteht die EU-Kommission darauf, dass insbesondere Landesbanken wie LBBW, Bayern LB, HSH Nordbank und West LB Genussschein-Inhaber zur Deckung ihrer Jahresverluste heranziehen (vgl. ).
Ein Ausfall der Ausschüttung auf den beliebten Bertelsmann-Schein, der zu Glanzzeiten mit Kursen von mehr als 250 Prozent gehandelt wurde, hätte den Imageschaden für die Anlageform erheblich vergrößern können.
Vom Bangen zum Hoffen
Bertelsmann hatte sich daher stets bemüht gezeigt, die Ausschüttung zu wahren. Parallel zur Vorlage des Halbjahresergebnisses wies der Konzern daraufhin, dass bei der Berechnung der Ausschüttungsgrundlage Ergebnisbelastungen durch Firmenwertabschreibungen herausgerechnet würden und sich so die Bemessungsgrundlage für die Bestimmung des Gewinnanteils zugunsten der Genussscheininhaber erhöhen könne.
Das konnte einen weiteren Kursabsturz wie 2008 verhindern. Seinerzeit war der Preis für den Schein von 225 bis auf 136 Prozent gefallen. Dennoch blieb dieser auch im zweiten Halbjahr 2009 unter Druck, woran auch die Tatsache nichts änderte, dass Bertelsmann für das dritte Quartal dank dem größten Sparprogramm in fast 175 Jahren Unternehmensgeschichte einen Gewinn von 87 Millionen Euro auswies.
Erst als der Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski kurz vor Weihnachten in einem Zeitungsinterview einen Jahresgewinn nicht mehr ausschließen wollte, begann sich der Kurs wieder zu erholen und stieg dank der Vorankündigung der Ausschüttung am Montag auf den höchsten Stand seit Anfang August 2009.
Rendite von 9 bis 10 Prozent
Der Genussschein hat eine unbegrenzte Laufzeit, seine ewige Rendite liegt derzeit bei mehr als 10 Prozent, regelmäßige Ausschüttungen von 15 Prozent vorausgesetzt.
Anleger können den Schein allerdings 2017 erstmals kündigen. Nach aktuellem Stand würde er zu rund 136 Prozent zurückgenommen, fast also zum aktuellen Börsenkurs. Bezogen auf diesen Zeitpunkt liegt die Rendite derzeit bei rund 9,3 Prozent.
Dass die Ertragsbäume derzeit nicht in den Himmel wachsen zeigt die Tatsache, dass die variable Ausschüttung auf den Genussschein von 1992, von dem es nur noch wenige Stücke gibt, bei voraussichtlich bei 3 bis 5 Prozent liegen soll und damit so niedrig wie noch nie.