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Bericht vom internationalen Finanzmarkt Starke Marktauftritte von Abu Dhabi

05.04.2009 ·  Das Emirat verhilft Daimler mit seinem Einstieg zu einem Kurszuwachs von 12 Prozent. Anders als das Emirat agiert Russland aus der Defensive, wird dabei aber mit wenig Beifall empfangen. Und die Bärenmarktrally am Aktienmarkt geht in die fünfte Woche.

Von Hanno Mußler
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Von seinen Tiefstpreisen im Dezember hat sich Rohöl um immerhin 60 Prozent erholt. Der Preis für 159 Liter der amerikanischen Sorte WTI kostet derzeit wieder mehr als 52 Dollar, nachdem er von 145 Dollar im Sommer 2008 bis auf 32 Dollar gefallen war. Als ein Grund für den jüngsten Preisanstieg gilt, dass die Produktionskürzungen, die von den im Opec-Kartell zusammengefassten Ländern schon im November vereinbart worden sind, offenbar greifen. Das Angebot scheint stärker zu sinken als die durch die Rezession in weiten Teilen der Welt sinkende Nachfrage von Unternehmen und Haushalten nach Öl. Darauf deuten zumindest die abnehmenden, gleichwohl noch hohen Lagerbestände vor allem in Amerika hin.

Der Ölpreis gilt als Konjunkturindikator insbesondere für die asiatischen Volkswirtschaften wie China, die vermutlich als Erste aus dem Konjunkturtal herausfinden werden. Von der weiteren Entwicklung des Ölpreises wird wohl auch abhängen, ob Russland bald den internationalen Anleihemarkt in Anspruch nehmen muss. Es wäre nach Jahren der Haushaltsüberschüsse dank hoher Einnahmen aus dem Ölverkauf ein Zeichen der Schwäche. Um die Abwertung des Rubel in Grenzen zu halten, hat Russland in diesem Jahr schon 30 Prozent seiner Währungsreserven für Rubel-Käufe aufgewendet. Das Nachbarland Ukraine musste sogar 60 Prozent seiner Währungsreserven einsetzen; sonst hätte die Landeswährung wohl noch mehr abgewertet. Die Griwna hat seit Sommer fast die Hälfte ihres Wertes zum Dollar verloren.

Gasprom benötigt Anleihe über 400 Millionen Schweizer Franken

Während für die Ukraine der Anleihemarkt überhaupt nicht zugänglich ist - zumindest deutet darauf der Rückgriff auf einen 20 Milliarden Dollar großen Notkredit des Internationalen Währungsfonds hin -, hat der erste russische Schuldner seit August jetzt immerhin einen Versuch gestartet. Der Energieversorger Gasprom will sich mit einer zwei Jahre laufenden Anleihe 400 Millionen Schweizer Franken leihen. Gasprom ist mit diesem Vorhaben dem Vernehmen nach aber auf dem internationalen Kapitalmarkt nicht mit großem Beifall empfangen worden und wird um die Konditionen hart kämpfen müssen.

Ganz anders Abu Dhabi. Das auch dank seiner Ölreserven wohlhabendste der Vereinigten Arabischen Emirate hat am Freitag zwei Anleihen über je 1,5 Milliarden Dollar plaziert und dabei wegen des hohen Interesses bessere Konditionen aushandeln können als zuvor gedacht. Für die fünf Jahre laufende Anleihe muss Abu Dhabi einen Aufschlag von genau 4 Prozentpunkten auf den Swap-Satz zahlen. Die zehn Jahre laufende, mit einem Kupon von 6,75 Prozent ausgestattete Anleihe ging mit einem Aufschlag von 4,20 Prozentpunkten auf den für diese Laufzeit bei 2,98 Prozent liegenden Swap-Satz weg. Im ersten Quartal des Jahres 2009 standen Emissionen aus dem Nahen Osten für immerhin 30 Prozent des gesamten Emissionsvolumens von Schwellenländeranleihen. Zwar gab es auch hier nicht immer Zeichen von Stärke. Dubai konnte eine 20-Milliarden- Dollar-Anleihe nur unterbringen, weil Abu Dhabi die Hälfte übernahm.

Daimler-Kurs legt nach Einstieg Abu Dhabis kräftig zu

Doch immerhin war der Anleihemarkt für diese Schuldner auch nach dem starken Preisverfall des Öls jederzeit zugänglich, und er ist es nach dem jüngsten Ölpreisanstieg erst recht. Die Anleiheplazierungen erleichtern die Refinanzierung der Beteiligungen, die Staatsfonds aus dem Nahen und Mittleren Osten zuletzt in großer Zahl getätigt haben. Abu Dhabi zum Beispiel hat mit einer Holding namens Aaber für 2 Milliarden Euro rund 9 Prozent am deutschen Autokonzern Daimler erworben und wird jetzt auch als Investor für Opel genannt. Auf der Hauptversammlung von Daimler am Mittwoch wird der neue Ankeraktionär gefeiert werden. Seitdem Aaber vor zwei Wochen eingestiegen ist, legte der Daimler-Kurs um 12 Prozent zu.

Viele Aktienkurse sind, ausgelöst durch Eindeckungen von Baissespekulanten vor dem großen Verfalltermin auf den Terminmärkten am 20. März, noch stärker geklettert. Der amerikanische Index Standard & Poor's 500 (S&P 500) hat erstmals seit 2007 wieder vier Wochen am Stück zugelegt. Sein Pendant Dow Jones steht erstmals seit Januar auf mehr als 8000 Punkten. Wie der Dow Jones ist auch der Euro Stoxx 50, wichtigster Aktienindex im Euro-Raum, seit den Tiefständen von Mitte März um 24 Prozent gestiegen. Die asiatischen Indizes wie der Nikkei in Tokio und der Hang Seng in Hongkong haben ihre Tiefs von Oktober 2008 nicht mehr unterschritten. Zur Stabilisierung der Aktienkurse trug zuletzt am Freitag die Lockerung der Bilanzregeln für Banken bei. Da die amerikanischen Aktienindizes am Freitag auf Tageshoch schlossen, geht die Bärenmarktrally mit Schwung in die fünfte Woche.

Für 2009 Gewinnrückgänge um bis zu 9 Prozent erwartet

Allerdings steht mit der Berichterstattung der Unternehmen für das erste Quartal ein echter Härtetest für die Aktienkurse an. Analysten erwarten für das Jahr 2009 einen Rückgang der Gewinne der 500 größten amerikanischen Unternehmen um 9 Prozent. Dies erscheint angesichts der Wirtschaftslage zu optimistisch, auch wenn der mit 18 Prozent den S&P 500 dominierende Technologiesektor vergleichsweise gut dasteht. Der Aluminiumkonzern Alcoa berichtet am Dienstag wie immer als Erster über seine Geschäfte im ersten Quartal 2009.

Darüber hinaus ist Unsicherheit spürbar. Der Europäischen Zentralbank wird wegen des nur kleinen Zinsschrittes am vergangenen Donnerstag Zaghaftigkeit vorgeworfen. Das zusätzliche Geld, das der Weltfinanzgipfel in London zur Konjunkturstimulierung beschlossen hat, verschärft Inflationssorgen. Der Preis für Gold zeigte sich dennoch mit derzeit 905 Dollar je Feinunze zuletzt rückläufig, obwohl das Edelmetall als Inflationsschutz gefragt ist. Die Preisschwäche liegt wohl daran, dass die Nachfrage nach Goldschmuck, die normalerweise für zwei Drittel der Goldnachfrage steht, eingebrochen ist. In Indien, dem üblicherweise größten Nachfragerland, ist das Angebot an Altgold so riesig, dass Indien in diesem Jahr zum Nettoexporteur von Gold geworden sein soll. Im Gegensatz zu den Schmuckliebhabern sind die Käufe der Anleger auf Rekordniveau. Für Goldbarren gibt es Wartelisten, und Fonds halten so viel Gold wie nie.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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