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Bericht vom internationalen Finanzmarkt Märkte im Krisenmodus

 ·  Der Bankrott und das drohende Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum dominieren die Märkte. Noch immer fürchten viele Anleger Ansteckung auf den gesamten Euroraum. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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© F.A.Z.

Die Kapitalmärkte befinden sich wieder im Krisenmodus. Seitdem der Staatsbankrott Griechenlands und ein folgendes Ausscheiden aus dem Euroraum in greifbare Nähe gerückt sind, fürchten viele Investoren weitere Verluste auf den Finanzmärkten. Umso gefragter sind Anlagen, die Sicherheit verheißen. So sind die Kurse für Bundesanleihen so stark gestiegen, dass zehnjährige Titel nur noch eine jährliche Rendite von 1,4 Prozent versprechen. Für so wenig Zins hätten sich Anleger vor wenigen Monaten nicht einmal für zwei Jahre binden wollen. Auch auf den Aktienmärkten ist die Sorge mit Händen zu greifen. Der deutsche Leitindex Dax hat in der vergangenen Woche 4,7 Prozent auf 6271 Punkte verloren, der breiter gefasste F.A.Z.-Index gut 5 Prozent. Beides sind die größten Wochenverluste in diesem Jahr. Insbesondere von Bankenaktien wollten sich viele Anleger trennen. Der entsprechende europäische Branchenindex sank im Wochenvergleich um mehr als 8 Prozent.

Auf den Märkten schreckt der drohende „Grexit“ - dieses Modewort ist für das Ausscheiden Griechenlands schon gefunden -, zugleich nehmen jedoch die relativierenden Stimmen zu. „Euro-Austritt oder weiter so“, fragt zum Beispiel die Commerzbank und verweist darauf, dass Griechenlands Trümpfe nicht mehr stechen. Manche griechischen Politiker spekulierten zwar auf die Furcht, Griechenlands zweiter Bankrott binnen eines halben Jahres kombiniert mit dem Verlust des Euro könne die Finanzierungskosten für andere Länder in die Höhe treiben. Doch die Risiken seien inzwischen beherrschbar. Portugal und Irland seien durch die Hilfsprogramme bis zum Jahr 2013 finanziert. Zudem seien die Stabilisierungsfonds inzwischen so groß, dass sie selbst für Italien und Spanien Defizite und fällige Tilgungen bis Ende 2014 mit Krediten finanzieren könnten.

Neue Nachrichten von der Schuldenkrise

Gleichwohl wächst auf den Finanzmärkten die Verunsicherung insbesondere darüber, ob das Bankensystem die Verwerfungen verkraften kann. Ein Indikator für die Verunsicherung ist der Index Itraxx-Senior-Financial, der die durchschnittlichen Risikoprämien für die Absicherung von Forderungen gegen europäische Großbanken abbildet und auch in der Europäischen Zentralbank große Beachtung findet. Seit März ist der Index von 180 auf zuletzt 308 Punkte gestiegen und nähert sich damit dem im November erreichten Rekordwert von 350 an. Damals zahlten Käufer von Kreditabsicherungen (Credit Default Swaps, CDS) für Forderungen gegen Euro-Großbanken durchschnittlich 3,5 Prozent an jährlicher Prämie. In dieser Zeit fürchtete die Europäische Zentralbank eine Zuspitzung der Krise und eine beginnende Kreditklemme, verursacht durch Banken, die aus Furcht vor dem Versiegen ihrer Finanzierungsquellen die Kreditvergabe einstellen könnten. Die Zentralbank reagierte mit großangelegten Nothilfen und verlieh in zwei Schritten gut 1000 Milliarden Euro für die ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren.

Neue Nachrichten von der Schuldenkrise könnte der Sondergipfel der EU-Regierungen am Mittwoch bringen. Dort könnte eine Kapitalerhöhung der Europäischen Investitionsbank auf den Weg gebracht werden. Außerdem hoffen insbesondere die Defizitländer darauf, dass die Regierungschefs die Voraussetzungen für sogenannte Projektbonds und die Umwidmung von Regionalfonds schaffen.

Was wollen die Griechen?

An der Unsicherheit auf den Märkten wird das jedoch wenig ändern. Denn die alles beherrschende Frage bleibt: Was wollen die Griechen? Die Antwort darauf wird es aber frühestens am 17. Juni geben, wenn die Griechen abermals wählen werden. Die radikalen Parteien, die sich nicht mehr an die mit den internationalen Kreditgebern vereinbarten Zusagen über die Konsolidierung des Staatshaushalts und die zugesagten Strukturreformen halten wollen, liegen in der Gunst der Wähler vorn. Sollte es dabei bleiben, könnte das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum die Konsequenz sein.

Angesichts derartiger Risiken dürften die wenigen in der kommenden Woche bevorstehenden Konjunkturdaten nur mäßige Aufmerksamkeit erregen. Die jüngsten Wachstumsdaten aus dem Euroraum waren für das erste Quartal ermutigend. Zwar lag es vor allem am kräftigen Wachstum in Deutschland, dass es für den gesamten Euroraum keine Rezession gab. Aber auch in einigen Peripherieländern mehren sich Anzeichen einer Stabilisierung. Aus Deutschland werden am Donnerstag der Ifo-Index und der Stimmungsindex aus dem verarbeitenden Gewerbe erwartet. Der Info-Index dürfte auf hohem Niveau leicht sinken, von zuletzt 109,9 auf 109,5 Punkte. So erwarten es die Fachleute der Banken im Durchschnitt. Der PMI-Stimmungsindex dürfte dagegen auf deutlich niedrigerem Niveau etwas ansteigen.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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