Der Markt für Mittelstandsanleihen wird derzeit offenkundig für Technologieunternehmen interessanter. Neben Online-Anbietern wie Getgoods und Travel24 sucht derzeit auch das Computerunternehmen BDT aus Rottweil Zeichner für eine Anleihe, in diesem Fall im Volumen von 30 Millionen Euro.
BDT ist ein Nischenanbieter, der im Grunde zwei Geschäftsfelder hat: Papierzuführungen für Drucker sowie automatisierte Datenspeicherlösungen für Magnetbänder und Festplatten. Auf letzteren Bereich entfallen rund 80 Prozent des Umsatzes von 125 Millionen Euro im vergangenen Jahr, wobei dieser faktisch nur rund 88 Millionen betrug, da knapp 38 Millionen Euro auf Handelswaren wie Schreib-Lese-Köpfe entfallen, die BDT von den Großkunden wie Hewlett-Packard (HP) ankauft und in deren Auftrag in die Speicherautomaten einbaut.
Stabiles Geschäft mit Datenarchivierung
Großes Wachstumspotential hat das Geschäftsfeld nicht mehr, der Umsatz blieb 2011 gegenüber dem Vorjahr praktisch konstant. Die Geschäftsführer Rolf Ritter und Holger Rath erwarten weiter eine stabile Entwicklung. In der Langzeitarchivierung sei das Magnetband immer noch unschlagbar. Es biete eine Datensicherheit von 35 Jahren, etwas das Dreifache einer Festplatte und rund das 30fache eines optischen Datenträgers. In der Anschaffung sei das Band dreimal billiger als die Platte, rechne man Energiekosten ein fünfzehn Mal. Flash-Speicher seien noch teurer.
Eine Neubelebung der Umsätze sei durchaus möglich. So hofft man in der Archivierung von der Tendenz zu Datenspeicherungen via Cloud-Computing zu profitieren. Auch im Mittelstand bestehe Bedarf, da die Speicherungen zunehmend modernen Erfordernissen nicht entsprächen.
Bescheidene Planungen
Schon heute etwas wachstumsträchtiger ist das Geschäft mit Papierzuführungen, mit dem BDT zuletzt knapp 18 Millionen Euro und damit etwas mehr als 5 Prozent mehr umsetzte als im Vorjahr. BDT sieht hier Chancen im Bereich Digitaldruck. Sinkende Druckauflagen bis hin zu Einzelstücken machten den Druckmaschinenherstellern und dem klassischen Offset-Druck zu schaffen. So hat BDT für die Indigo-Serie von HP eine Zuführung entwickelt, die 2013 in Serie gehen soll. Indigo ist gleichzeitig BDTs größter Kunde in diesem Geschäftsbereich.
Dennoch ist die Umsatzplanung bescheiden: Bis 2015 ist keine Erlössteigerung vorgesehen, auch das Vorsteuerergebnis soll im Bereich von 2 Millionen Euro verharren. Man plane sehr konservativ und habe mögliche Umsatzpotentiale, etwa aus dem Digitaldruck nicht eingeplant, weil dies schwer abzuschätzen sei. Es gebe verschiedene Projekte, die aber noch nicht spruchreif seien, so die BDT-Geschäftsführung.
Fehlgeschlagene Expansionsversuche
Mit Expansionsvorhaben hat BDT in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht. Ein Kommissionierungssystem für Apotheken scheiterten in der Vermarktung, ebenso wie eine Archivierungssoftware für mittelständische Unternehmen. Aus dem Großkundengeschäft kommend habe das Know-how gefehlt, die Produkte zum Erfolg zu führen.
Diese Versuche hätten sich als letztlich sehr kostspielig erwiesen, was sich auch in der Bilanz niederschlage. Angaben dazu sind nur eingeschränkt verfügbar, da die jetzige Emittentin als BDT GmbH erst 2010 gegründet wurde und das verbliebene operative Geschäft aus der früheren BDT AG eingebracht wurde.
Eigenkapitalschwächen
Zum 30. Juni wies BDT jedenfalls eine Eigenkapitalquote von 17 Prozent aus, nach etwas mehr als 14 Prozent zum Jahresanfang. Allerdings sahen die Analysten der Rating-Agentur Creditreform umfangreichen Korrekturbedarf. Nach Berücksichtigung von bis zum Sommer 2013 fälligen Mezzanine-Mitteln, aktivierten Firmenwerten und Entwicklungskosten sowie stillen Reserven kamen sie zu Jahresbeginn nur auf eine Eigenkapitalquote von rund 5 Prozent.
Im vergangenen Jahr lag die Nettofinanzverschuldung etwas unter dem operativen Gewinn, was ein durchaus guter Wert ist. Auch ein Betriebsergebnis von mehr als dem Fünffachen liest sich gut. Indes sind 15 Millionen Euro Mezzanine-Mittel bald fällig, davon 5 Millionen schon Anfang Dezember. 17 Millionen Euro aus dem geplanten Anleiheerlös von 29,1 Millionen Euro sollen daher auch zur Refinanzierung eingesetzt werden, vor allem der Mezzanine-Kredite, möglicherweise aber auch von Gesellschafterdarlehen.
Durchwachsenes erstes Halbjahr
Insgesamt versucht die neue BDT GmbH damit den Weg der Sanierung der angeschlagenen Vorgängergesellschaft mit der Anleiheplazierung fortzusetzen. Die Kontokorrentlinien wurden verlängert, Gesellschafterdarlehen sind auf Abruf zugesagt und in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Emission hat man auch die Gespräche mit einem Finanzinvestor abgebrochen, weil man sich die Unabhängigkeit bewahren will.
Verkauft hat man auch den Produktionsstandort in China. Dieser sei nicht mehr strategisch gewesen, sagen Rath und Ritter. Vor sieben Jahren sei der Kostenvorteil noch enorm gewesen, mittlerweile sei die Produktion in Mexiko (wieder) die bessere Wahl. Geblieben ist noch ein Team von Einkäufern, produziert wird aber mittlerweile von einem Lohnfertiger.
Im ersten Halbjahr ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahr leicht gefallen, weil es Verschiebungen von Aufträgen durch Hewlett-Packard. Diese sollen aber im zweiten Halbjahr hereinkommen. Der Überschuss lag zwar mit 1,5 Millionen Euro über dem Gesamtjahresüberschuss von 2011, doch ist das auf den Sondereffekt des Verkaufs der Produktion in China zurückzuführen.
Aktueller Kuponrekord
Die BDT-Anleihe bietet einen Kupon von 8,125 Prozent bei einem Unternehmens-Rating von „BB+“ durch Creditreform. Hier muss man allerdings Abstriche machen, stammt das Gutachten doch aus dem April als das Unternehmen erstmals Emissionspläne hegte, die Marktverfassung die Verwirklichung aber nicht zuließ.
Der Kupon ist der höchste, den derzeit ein Unternehmen für eine Neuemission an einer Mittelstandsbörse bietet. Mithin hat BDT aber auch das zweitschwächste Rating nach dem Hemdenhersteller Eterna, dem aber wohl der Marken-Nimbus zugute kommt. KTG Energie bietet trotz eines nur um eine Stufe bessern Ratings einen vollen Prozentpunkt weniger, profitiert aber vom Nimbus des sicheren Agrar-Investments über den Mutterkonzern KTG Agrar. Mit der Energie-Anleihe ist dies aber nunmehr die dritte Anleiheplazierung innerhalb von zwei Jahren. Jenseits dieser Sonderfaktoren scheint vor allem das Verhältnis zur Anleihe von Getgoods zu stimmen, die bei gleichem Rating 7,75 Prozent bietet.
Sanierung noch nicht abgeschlossen
Letztlich hat BDT die Sanierung nach den fehlgeschlagenen Expansionsversuchen noch nicht ab geschlossen. Die Plazierung der Anleihe ist dazu ein weitere Schritt. Als Nischenanbieter scheint BDT gut etabliert. Die Anleihenbegebung wird die Verschuldung indes zunächst weiter erhöhen und es steht zu hoffen, dass die Investitionen in die Entwicklung größerer Datenspeichersysteme, die Weiterentwicklung der „Tornado-Technologie“ im Druckerbereich, vor allem aber die geplante Entwicklung neuer Produkte und Produktgruppen von Erfolg gekrönt ist und sich auf den Mittelzufluss so weit positiv auswirkt, dass die Anleihe aus diesem wie geplant zurückgeführt werden kann.
Die Risiken der Anleihe liegen auf der Hand. BDT ist von einigen namhaften Großkunden abhängig, die technische Entwicklung in der Informationstechnologie verläuft sehr rasch und könnte zu Rückschlägen führen. Darüber hinaus ist schon aufgrund der derzeitigen Planung kaum Wachstum in Sicht, Ergebnis- und Bilanzverbesserungen sind wenn, dann vor allem durch eine verbesserte Effizienz zu erreichen.
BDTs bisherige Sanierungsanstrengungen sind zwar ermutigend, doch fehlt es dem Unternehmen augenscheinlich an Reserven, um größere Rückschläge einfach verkraften zu können. Die bisherige Planung bietet allerdings auch Potential für positive Überraschungen.