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Niedrige Zinsen : Die Bausparkassen kämpfen ums Überleben

Laut Zeb-Studie sind die Bausparkassen nicht nachhaltig stabil aufgestellt. Bild: dpa

Die niedrigen Zinsen sorgen bei den Bausparkassen für Verluste. Das Eigenkapital wird aufgezehrt. Laut einer Studie könnte das zu einer Existenzkrise führen.

          Die niedrigen Zinsen können zu einer Existenzkrise der Bausparkassen führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der auf Finanzdienstleistungen spezialisierten Beratungsgesellschaft Zeb, die dieser Zeitung vorliegt. Demnach entstünden den 20 Bausparkassen im Jahr 2022 Verluste von 1,1 Milliarden Euro, sollten die Zinsen weiterhin niedrig bleiben und die Institute keine Gegenmaßnahmen ergreifen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die in den kommenden sechs Jahren auflaufenden Fehlbeträge würden rund 40 Prozent des gegenwärtigen Eigenkapitals der Branche aufzehren, warnen die Zeb-Berater. Sie haben die Studie auch aus Eigeninteresse verfasst, um mit Bausparkassen ins Gespräch und ins Geschäft zu kommen, worauf eine Sprecherin der öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen (LBS) hinweist. Doch besorgt über die Branche zeigt sich auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin. So hat sich zuletzt Bafin-Präsident Felix Hufeld geäußert. Auch die Bundesbank hat sich schon mit den Auswirkungen der Niedrigzinsen auf die Bausparkassen beschäftigt.

          Sie müssen gegensteuern, fordern die Zeb-Berater. Zwar schaffe das neue Bausparkassengesetz neue Ertragspotentiale. So können sie Einlagen für nicht an Bausparverträge gebundene Kredite verwenden. Darüber hinaus dürfen die Bausparkassen auch stärker in Aktien anlegen. Das Ertragspotential aus dem Bausparkassengesetz beziffern die Zeb-Berater auf 950 Millionen Euro. Das reicht nicht aus, um die drohenden Verluste auszugleichen. Deshalb müssten die Institute Kosten senken und auch ihr Geschäftsmodell dahingehend überprüfen, anstelle von festverzinslichen auch mehr variabel verzinsliche Produkte anzubieten.

          Denn auch ein Anstieg der Zinsen würde den Bausparkassen nicht helfen, sondern vielmehr die Schwächen des Geschäftsmodells aufzeigen. Die Bausparkassen seien nicht nachhaltig stabil aufgestellt, lautet ein Ergebnis der Zeb-Studie. Derzeit zahlen die Institute auf die Spareinlagen der Kunden sehr niedrige Zinsen. Damit refinanzieren sie sich günstig. Wenn die Zinsen aber wieder steigen, werden die Kunden ihre Bauspardarlehen, die noch auf Basis des gegenwärtigen Zinsniveaus abgeschlossen wurden, stärker abrufen, weil diese dann günstig sind. Das drückt aber die Marge, weil die Bausparkassen dann für die Einlagen der Kunden höhere Zinsen zahlen müssen. Deshalb müssen die Bausparkassen nach Ansicht der Zeb-Berater Elemente einer variablen Verzinsung einführen.

          Bausparvertrag als alternative zum Sparbuch

          Ganz grundsätzliche Schwierigkeiten für das Geschäftsmodell der Bausparkassen in der Niedrigzinsphase sieht der Darmstädter Bankenprofessor Dirk Schiereck: „Das Problem der Bausparkassen gerade in der Niedrigzinsphase ist zweierlei Natur.“ Bei den sehr niedrigen Zinsen für Immobilienfinanzierungen, die alle Banken gegenwärtig böten, sei es für Bausparkassen extrem schwierig, überhaupt Kredite zu vergeben: „Da kann ich schließlich als Kunde auch gleich alles bei einer Bank aus einer Hand machen, wenn es nicht signifikant Zinsen zu sparen gibt.“ Gleichzeitig sei aber jederzeit kündbares Geld als Anlage auf einem Bausparvertrag attraktiv für Kunden, auch wenn sie gar nicht bauen wollten, sondern nur eine Alternative zum Sparbuch suchten.

          Die Konsequenz sei: Das Kreditgeschäft der Bausparkassen werde schwierig, während die Bausparkassen passivseitig mit neuen Geldern vollliefen, die sie irgendwie anlegen müssten. Die Reaktion des Gesetzgebers sei das Aufweichen des Bauspargesetzes mit der Erlaubnis für deutlich riskantere Kreditgeschäfte: „Das Geschäftsmodell funktioniert im gegenwärtigen Zinsumfeld gar nicht, und wenn es noch länger anhält, knallt es“, meinte Schiereck.

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