20.06.2003 · Von Montag an will HeidelbergCement um Käufer für die neue Anleihe werben. Die Ratingagentur S&P erschwert den Start: Sie hat die Anleihe auf „Ramsch“-Status gestuft. Dies ist zweite Herabstufung binnen vier Wochen.
Zum Ende der Börsenwoche erreicht den Konzern Heidelberger Zement eine schlechte Nachricht. Die Ratingagentur Randard & Poor´s (S&P) hat die neue Hochzins-Anleihe, die der größte Zementherstellers von Europa im Juli auf den Markt bringen will, ebenso wie das Langfrist-Rating mit dem Grad „BB+“ versehen und die Altschulden von „BB+“ auf „BB-“ degradiert. Beide Einstufungen liegen unter der Schwelle des sogenannten „Investment Grade“, der risikoarme Finanzanlagen kennzeichnet.
Dies ist die zweite Hiobsbotschaft von S&P für HeidelCement innerhalb eines Monats. Vor knapp vier Wochen hatte die Agentur die Ratings für Unternehmenskredite und langfristige ungesicherte Verbindlichkeiten des Konzerns wegen der hohen Zinslast, die das Unternehmen drückt, auf „BB+“ von „BBB-“ gesenkt. Dies hatte zuvor schon die zweite führende Ratingagentur Moody´s getan. HeidelCement hat derzeit rund 4,5 Milliarden Euro Schulden.
Herabstufungen führen zu Kursverlusten
Seinerzeit verzeichneten die Anleihen von HeidelCement schon im Zuge der Diskussion um eine drohende Herabstufung recht deutliche Kursverluste: Die zehn Jahre laufende Euro-Anleihe von 1999 sackte im Mai von 39,40 auf 90 Prozent durch; zum Wochenschluß steht der Kurs bei 93 Prozent, 0,11 Prozent schechter als am Donnerstag. Die im Jahr 2000 begebene und 2007 fällige Anleihe fiel im Kurs zur gleichen Zeit von 100,1 auf 97 Prozent; sie notiert am Freitag mit 99,90 Prozent bei einem Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vortag.
Die neue Anleihe ist nach Angaben von HeidelCement-Vorstandschef Horst Wolf die größte Hochzins-Emission in Europa überhaupt und soll bis 2010 laufen. Federführend für die Ausgabe sind die Citibank, die Deutsche Bank, Dresdner Bank und Royal Bank of Scotland. Die Anleihe ist relativ besser eingestuft als die Altschulden es sind, da sie mit Garantien abgesichert ist. Gleichwohl: HeidelCement muß für diesen „High Yield Bond“ nach der Herabstufung den Anlegern höhere Renditen versprechen - und dem höheren Ausfallrisiko, das S&P und Moody´s sehen, gerecht zu werden.
Höhere Renditen als bei „Ramsch“-Anleihe von Thyssen
Die Anleihe von 1999 hat einen Nominalzinssatz von 4,750 Prozent, was eine Rendite von derzeit 6,221 Prozent bedeutet. Das 2000 begebene Papier einen von 6,375; es rentiert mit 6,393 Prozent. Damit weisen HeidelCement-Anleihen deutlich höhere Renditen auf als etwa Anleihen von ThyssenKrupp, die im Februar auf „Ramsch“-Status herabgesetzt worden waren: Die von 2002 bis 2009 laufende und mit sieben Prozent verzinste Thyssen-Anleihe zum Beispiel rentiert bei einem Kurs von 111,10 Prozent (nach 98 Prozent im Februar) mit 4,738 Prozent.
Anleger, die mit der neuen HeidelCement-Anleihe liebäugeln, müssen wissen, ob sie bei einer attraktiven Rendite ein höheres Ausfallrisiko zu tragen bereit sind. Die Höhe des Nominalzinses ist dabei noch offen. Zu bedenken ist dabei auch das Risiko von Kursverlusten, die etwa eintreten könnten, falls sich die Ratingagenturen nochmals negativ zu HeidelCement äußern sollten. Der Ausblick für das Unternehmenskredit-Rating bleibt jedenfalls negativ, so S&P.
Positiv auf die Kreditwürdigkeit von HeidelCement und die Kurse der Anleihen dürfte sich eine verbesserte der Ertragslage des Konzern im Zuge einer Erholung der Baubranche in Deutschland auswirken. Nur ist davon weiter nichts zu sehen.