Für den deutschen Einzelhandel werden Finanzierungsangebote für ihre Kunden immer wichtiger. Darauf weist eine Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) hin, die am Mittwoch auf der Pressekonferenz des Bankenfachverbandes vorgestellt wurde. Der Verband, in dem 59 in Deutschland tätige Verbraucherfinanzierer wie etwa Postbank oder Targobank, aber auch Autofinanzierer wie die VW Bank vertreten sind, vergab im vergangenen Jahr mit 100,6 Milliarden Euro um 13 Prozent mehr Kredite als im Jahr 2010.
Der Vorstandsvorsitzende des Bankenfachverbandes, Gerd Schumeckers, sagte: „Ohne Kredite könnte der Handel einen Großteil seiner Waren nicht absetzen.“ Kredite seien notwendig, um die Konjunktur in Schwung zu halten, sagte der Verbandschef, der zugleich Aufsichtratsvorsitzender der Santander Consumer Bank ist. Wie hoch die Bedeutung von Krediten ist, darauf verwies Markus Preißner, der als wissenschaftlicher Leiter des IFH Köln die Ergebnisse aus der Befragung von 600 Handelsbetrieben aus der Auto-, Möbel- und Elektrobranche vorstellte. Demnach setzen die Autohändler jeden zweiten Euro mit Fahrzeugen um, die finanziert werden. Im Möbel- und Elektrohandel sei immerhin noch jeder zehnte Euro auf Finanzierungsangebote zurückzuführen.
Wachsen mit dem Unternehmen
„Daran zeigt sich deutlich, dass Finanzierungen eine verlässliche Stütze der jeweiligen Branchenumsätze darstellen“, sagte Preißner. Ohne Kreditangebote müsste der Handel auf diese Umsatzanteile verzichten, fügte er hinzu. Nach Preißners Angaben bieten zwei Drittel aller Autohändler ihren Kunden Finanzierungen an. In der Möbel- und Elektrobranche sei es jeder vierte Händler. Dabei wachse das Angebot von Kreditfinanzierungen mit der Unternehmensgröße. Je größer das Handelsunternehmen sei, desto eher biete es auch Finanzierungen an, sagte Preißner. Inzwischen ist sich jeder zweite Händler sicher, dass viele Käufe ohne Finanzierungen schlichtweg ausblieben. Knapp drei Viertel der Autohändler mit Kreditangeboten sind der Studie zufolge davon überzeugt, dass sie von der Wirtschafts- und Finanzkrise ohne Finanzierungen viel härter getroffen worden wären.
Kreditangebote seien aus dem deutschen Handel nicht mehr wegzudenken, lautet Preißners Fazit. Sie würden von den Verbrauchern nachgefragt und stützten die Umsätze in den drei untersuchten Branchen in bedeutendem Maße. Preißner warnte aber vor einer zusätzlichen Bürokratisierung der Kreditvermittlung. Rund jeder dritte Handelsbetrieb und im Autohandel sogar jeder zweite würde seine Finanzierungsangebote in diesem Fall einschränken oder einstellen.
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Konsumfinanzierung
Davon profitieren auch die Mitgliedsinstitute des Bankenfachverbandes, die laut Schumeckers ihren Marktanteil an deutschen Ratenkrediten seit dem Jahr 2002 von 39 auf nun 53 Prozent ausgeweitet haben. Dem Verband gehören auch die Spezialfinanzierer der Sparkassen, der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Großbanken an. Für das laufende Jahr rechnet er mit einer konstanten Kreditnachfrage. Erfreulich stimmen Schumeckers die geringeren Ausfälle trotz des hohen Wachstums. Die Ausfallrate liege unterhalb von 2 Prozent. In den vergangenen Jahren kritisierten die Verbaucherschützer die Konsumentenfinanzierer wegen der Kopplung der Kredite an Restschuldversicherungen, durch die der Effektivzins deutlich steige. Schumeckers verwies darauf, dass ein Viertel der von den Verbandsmitgliedern vergebenen Kredite mit einer Restschuldversicherung abgeschlossen werde.
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