10.11.2009 · Die Banken sind nach einer Analyse der Ratingagentur Moody's so kurzfristig finanziert, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Refinanzierungskosten können unter Umständen deutlich ansteigen, vor allem wenn die staatlichen Garantien beendet würden.
Die Banken scheinen aus der Kreditkrise der vergangenen Monate nicht viel gelernt zu haben. Denn sie sind nach einer Analyse der Ratingagentur Moody's so kurzfristig refinanziert, wie schon lange nicht mehr. Dabei bestand ein wesentliches Merkmal der Krise in einem dramatischen Ungleichgewicht der Refinanzierungs- und Finanzierungsfristen.
Die Analyse von 25 Bankensystemen weltweit zeige, dass die durchschnittliche Laufzeit neu ausgegebener Bankanleihen, die von Moody's bewertet werden, in den vergangenen fünf Jahren von 7,2 Jahren auf 4,7 Jahre gefallen seien.
Kürzeste Refinanzierungsfrist seit 30 Jahren
Das sei die kürzeste Refinanzierungsfrist seit 30 Jahren. Banken, die von Moody's beobachtet werden, müssten bis im Jahr 2015 den Gegenwert von etwa zehn Billionen Dollar an neuen Mitteln aufnehmen, davon satte sieben Billionen Dollar bis im Jahr 2012.
Das ist riskant. Denn sollten die Zinsen steigen, so könnten steigende Zinskosten die Gewinne der Finanzunternehmen abschmelzen lassen, heißt es. Auch ein plötzlicher „Stimmungsumschwung bei den Investoren“ könnte die Kapitalkosten in die Höhe treiben, heißt es in der Studie. „Die Frage ist, inwieweit diese Banken höhere Finanzierungskosten an ihre Kunden weitergeben können, oder ob sie sich mit kleineren Margen zufriedengeben beziehungsweise ihre Bilanzen schrumpfen müssen“, erklären die Analysten.
Die Probleme könnten sich zeigen, sobald die Regierungen die Garantie- und Stabilisierungsmaßnahmen beendeten, die während der Krise unumgänglich geworden waren. Ein Beispiel: Zahle eine Bank mit Baa-Rating unter dem „Schirm“ eines staatlichen Garantieprogramms (AAA-Rating) einen Kupon von etwa 1,3 Prozent, so müsste sie für sich alleine gestellt bei der Ausgabe einer Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit einen Kupon von 7,75 Prozent bieten. Das heißt, die Zinskosten würden dramatisch ansteigen.
Deutsche Banken haben bis 2012 hohen Refinanzierungsbedarf
Im Vorfeld der Kreditkrise haben die Banken verstärkt kurzfristige Anleihen aufgelegt, um sich günstig zu refinanzieren und zu verhindern, dass sie hohe Zinsen auf längere Zeit festschreiben. Als die Kreditmärkte nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers einfroren, führten die staatlichen Stützungsprogramme, die Garantien für begrenzte Laufzeiten boten, zu einem erneuten Anstieg der kurzfristigen Emissionen, heißt es.
Besonders ausgeprägt sei der Trend zu kurzfristigen Finanzierungen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. In den Vereinigten Staaten ging die durchschnittliche Laufzeit neuer Bankanleihen in den vergangenen fünf Jahren von 7,8 Jahren auf 3,2 Jahre zurück, in Großbritannien fiel sie um 3,9 Jahre auf 4,3 Jahre. Weltweit ist die durchschnittliche Laufzeit um 2,5 Jahre zurückgegangen.
Der Blick die deutschen Banken zeigt jedoch, dass auch diese vergleichsweise kurzfristig refinanziert sind. Die Commerzbank muss nach Informationen von Bloomberg bis Ende des Jahres 2012 Papiere im Gegenwert von knapp 300 Milliarden Euro refinanzieren. Die Deutsche Bank kommt auf etwa 280 Milliarden Euro.
Die Banken müssen dort das Geld verdienen, ...
Gerhard Schraube (GehherGerd)
- 10.11.2009, 15:55 Uhr