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Veröffentlicht: 10.09.2009, 13:27 Uhr

Autovermieter Anleihen trotzen dem schwierigen Umfeld

Die Wirtschaftskrise hat den Autovermietern stark zugesetzt. Da sie zum Teil hoch verschuldet sind, hat es einige unter Druck gebracht. Doch die Anleihenkurse haben sich deutlich erholt.

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© dpa Das Leben für die zum Teil hoch verschuldeten Autovermieter ist nicht leicht

Nirgends zeigt sich die Risiko- und Investitionsfreude der Anleger deutlicher als an der Kursentwicklung von Hochzins-Anleihen. Als die Risikoaversion auf dem Höhepunkt war, wollte niemand mehr von ihnen etwas wissen. Seitdem haben die Investoren ausgesiebt und die Kurse der Renten, die dabei hängen blieben, haben sich wieder deutlich erholt.

Martin Hock Folgen:

Dieses Schicksal war auch den Anleihen des Autovermieters Europcar beschieden, deren Rendite im März auf ein Rekordhoch von 73 Prozent gestiegen war. Damals wollte niemand etwas wissen von Schuldverschreibungen, die von Emittenten ausgegeben waren, die damit ihre Übernahme durch einen Finanzinvestor finanziert hatten. Vor allem dann nicht, wenn die Bonitätsnote der Papiere, so wie die von Europcar, von ursprünglich schon schwachen Niveau „B2“ auf „Caa1“ heruntergestuft worden waren.

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Mittlerweile aber hat die hohe Rendite wieder Investoren angelockt und so ist sie auf 14,6 Prozent gefallen. Dazu trug nicht zuletzt bei, dass Europcar Anfang April vermeldete, vor 2011 keine Refinanzierung zu benötigen. Und dies ist in den vergangenen Monaten bei Unternehmen, die an der Automobilindustrie hängen, nicht unbedingt selbstverständlich gewesen.

Infografik / Tabelle Autovermieter 100909 © F.A.Z. Vergrößern

Nicht, dass Europcar die Krise nicht spüren würde. Im Gegenteil: nach den am Dienstag vorgelegten Halbjahresergebnissen ist der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 13,4 Prozent auf 854 Millionen Euro gefallen. Das bereinigte operative Ergebnis fiel um mehr als die Hälfte auf 42,6 Millionen Euro, unbereinigt rutschte man mit einem Minus von 11,4 Millionen Euro gar in die Verlustzone, so dass der Periodenverlust um das Dreieinhalbfache auf 89,1 Millionen Euro stieg. Dabei war das bereinigte operative Ergebnis schon 2008 um 18 Prozent auf 252,9 Millionen Euro gefallen.

Auf Sparkurs

Die durchschnittliche Nettoverschuldung des Unternehmens ist dagegen um rund 10 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr gesunken. Indes beträgt sie mehr als das Fünffache des Eigenkapitals und ist damit deutlich gegenüber 2008 gestiegen, als sie noch beim 4,3fachen lag.

Mit einer raschen Verkleinerung der Flotte und weiteren Sparmaßnahmen will Europcar noch im laufenden Jahr 35 Millionen und im kommenden Jahr 80 Millionen Euro einsparen, um sich an die deutlich niedriger nachfrage anzupassen.

Mit Europcar leiden auch andere Anbieter. Der Konkurrent Hertz, dessen Euro-Anleihen von den Rating-Agenturen ähnlich schwach mit „B2“ bzw. „CCC+“ bewertet werden, verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahr um 93 Prozent auf 3,9 Millionen Dollar, die Umsätze sanken um 23 Prozent auf 1,75 Milliarden Dollar.

Hohe Übernahmeschulden belasten auch Hertz

Auch Hertz drücken hohe Schulden: Wie Europcar nach dem Verkauf durch die einstige Mutter VW, so wurden auch Hertz hohe Schulden aufgebürdet, als der Autobauer Ford im Jahr 2005 Hertz an Finanzinvestoren abgab. Zuletzt betrugen diese nur noch 9,2 Milliarden Dollar nach 11,7 Milliarden zum Ende des Jahres 2005. Doch die schlechte Ertragslage konterkariert die Bemühungen: Gerechnet auf den jüngsten Schuldenstand übersteigt dieser das für 2009 prognostizierte operative Ergebnis um fast das Zehnfache. Selbst Ende 2005 lag dieses Verhältnis nur bei 4,1.

Die Rating-Agenturen haben die Bonitätsnoten der Euro-Anleihen in diesem Jahr deutlich gesenkt. Die Rating-Agenturen haben die Bonitätsnoten der Euro-Anleihen in diesem Jahr deutlich gesenkt.

Unterschiedlich sind die Einschätzungen: Fitch bewertet Hertz vergleichsweise optimistisch und vergibt ein Anleihen-Rating von „B+“, das drei Stufen über der eher pessimistischen Einschätzung von Standard&Poor's mit „CCC+“ liegt, was immerhin die drittschlechteste Note überhaupt ist.

Den größten Kummer macht allen Analysten, dass 2010 Schulden von 5 Milliarden Dollar fällig werden, die mit Verkaufserlösen aus der Fahrzeugflotte besichert sind, und die sich kaum auf dieselbe Weise werden refinanzieren lassen.

Hertz' Euro-Anleihe erreichte im Dezember 2008 ihre Renditehoch bei 55 Prozent. Mittlerweile rentiert die selten gehandelte Rente mit einer Mindeststückelung von 50.000 Euro nur noch mit 11,1 Prozent.

Avis unter dem Glasdach

Besser stellt sich die Lage für Avis Europe dar. Das liegt aber vor allem daran, dass das Unternehmen eine Tochter des belgischen Konzerns D'Ieteren ist, der den Mittelverzehr des Vermieters in den vergangenen beiden Jahren vor allem aus dem Autoglasgeschäft finanzieren konnte. Nichtsdestoweniger fielen auch die Umsätze von Avis im ersten Halbjahr um 14 Prozent und operative rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen.

Die Anleihen von D'Ieteren haben zwar auch einen Kursrutsch hinter sich, doch ging dieser glimpflich aus. Die 2012 fällige Anleihe mit einem Kupon von 5,25 Prozent hat ein Allzeithoch erreicht und rentiert zu 4,5 Prozent. Ein Rating haben die Anleihen nicht. Auf Basis der Analystenprognosen werden die Nettoschulden 2009 den operativen Gewinn um das 3,7fache übersteigen. In Zukunft aber soll Avis positive Mittelzuflüsse erwirtschaften.

Ein Rating hat auch die im Mai fällige Anleihe des deutschen Vermieters Sixt nicht, deren Kurs Ende des vergangenen Jahres einbrach, sich mittlerweile aber wieder vollkommen erholt hat. Sixt vermeldete im zweiten Quartal schon wieder eine Erholung von Umsatz und operativem Gewinn. Die Verschuldung des Unternehmens ist allerdings deutlich gestiegen. 2008 überstiegen die Nettoschulden den operativen Gewinn um das 2,4fache, nach Analystenprognosen wird diese Relation im laufenden Jahr etwas niedriger ausfallen.

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