22.04.2009 · Die Automobilindustrie ist nicht in der besten Verfassung. Das kommt auch in höheren Renditeaufschlägen besonders für Daimler- und BMW-Anleihen zum Ausdruck. das bietet Renditechancen.
Von Martin HockAutohersteller haben es derzeit nicht leicht. Weltweit befindet sich der Markt im Rückwärtsgang. Das macht sich auch am Anleihenmarkt bemerkbar. Wirft man einen Blick auf hinreichen liquide Industrieanleihen am deutschen Markt mit einer Restlaufzeit von weniger als 5 Jahren, die von der Rating-Agentur Moody's mit A3 beurteilt werden, so weisen die Anleihen deutscher Autohersteller auffällige Renditeaufschläge auf.
Rentieren Anleihen der Deutschen Post, von Bayer und des Darmstädter Merck-Konzerns mit einer Restlaufzeit zwischen 3 und 4 Jahren unter 4 Prozent, so werfen die Anleihen von Daimler North America bzw. BMW US Capital mehr als 6 bzw. 5 Prozent ab.
Amerikanische Krise
Dies zeigt das offenkundige Misstrauen gegenüber dem Automobilmarkt, der sich in einer konjunkturellen Krise befindet, der sich auch die deutschen Hersteller hochwertiger Kraftfahrzeuge nicht entziehen können.
Das gilt besonders für den amerikanischen Markt, auch wenn die deutschen Hersteller dort nicht unter denselben strukturellen Problemen leiden wie die amerikanischen. Doch sank der Absatz der Marke Mercedes-Benz im März in den Vereinigten Staaten um 22 der von BMW um 20 Prozent.
BMW verzeichnete im vierten Quartal des Jahres 2008 das schlechteste Ergebnis seit mindestens 2001. Nicht nur dass Verluste anfielen, sie fielen in Milliardenhöhe an. Daimler erwischte es nicht ganz so schwer - die Verluste waren im ersten Quartal 2001 höher gewesen.
Ergebnisse unter Druck
BMW rechnet auch in diesem Jahr mit einem Absatzrückgang und hat seine Produktion weiter zurückgefahren, zahlt seinen Führungskräften und Mitarbeitern weniger. Der Automobilabsatz wird 2009 niedriger ausfallen als 2008.
Daimler geht für die ersten drei Monate von einem weiteren Verlustquartal aus. Im laufenden Jahr habe sich weder Mercedes-Benz noch die Kleinwagenmarke Smart dem anhaltenden Abwärtstrend der Märkte entziehen können, so der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche auf der jüngsten Hauptversammlung, auch wenn sich im März eine leichte Verbesserung bei Absatz und Auftragseingang abzeichnete. Im gesamten ersten Quartal brach der Absatz der Marke Mercedes-Benz um ein Viertel ein.
Hoffnung auf Erholung
Doch es gibt Hoffnung: So schrumpfte der amerikanische Markt im März langsamer als noch im Februar. Jim O'Donnell, Präsident von BMW Nordamerika, äußerte sich hoffnungsvoll. Ab September werde es wieder ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr geben und die Vereinigten Staaten würden definitiv in absehbarer Zukunft der wichtigste Markt für die BMW-Gruppe bleiben.
Der pessimistischen Prognose einer Marktschrumpfung unter zehn Millionen verkaufte Wagen wollte O'Donnell genauso wenig folgen wie Daimler-Vertriebschef Klaus Maier. Hoffnungen weckte auch das Marktforschungsinstitut CNW Marketing Research. Die Zahl der abgelehnten Kreditanträge beginne sich zu verringern, die Zahl der Kundenbesuche bei Automobilhändlern sei gegenüber dem Tief von vergangenen Oktober um 57 Prozent gestiegen.
Spuren in den Bilanzen
Daimler hat nicht nur einen rigiden Sparkurs eingeleitet, sondern mit dem Emirat Abu Dhabi einen neuen, kapitalstarken Großaktionär. Die Bilanzkennziffern beider Unternehmen sind einigermaßen gut.
Daimlers Eigenkapitalquote ist zwar im vergangenen Jahr auf 24,7 Prozent gesunken, doch liegt sie damit deutlich über den Werten der Jahre 2004 bis 2006, in denn sie weniger als 20 Prozent betrug. Die Hebelung der Bilanz als Relation von Nettofinanzverschuldung und operativem Gewinn ist zwar von 3,1 auf 5,5 gestiegen, doch liegt sie damit immer noch unter den Werten von 2006 und 2004.
Was Daimler zum Nachteil gereicht, ist die nach wie vor vorhandene Verbindung mit Chrysler. Die Belastungen, die aus der Beteiligung an dem praktisch vor der Insolvenz stehenden Unternehmen noch erwachsen können, scheinen den Anleihegläubigern derzeit offenbar nur schwer kalkulierbar.
Weniger positiv hat sich BMW entwickelt. Die Eigenkapitalquote ist mit 20 Prozent auf den niedrigsten Wert der vergangen 5 Jahre gefallen, die Hebelung mit 4,7 auf den höchsten Wert in diesem Zeitraum gestiegen.
Renditechancen
Alarmierend sind diese Zahlen indes nicht. Sollte sich der Automobilmarkt in Amerika, a aber auch in anderen Regionen der Welt rascher erholen als derzeit befürchtet wird, so dürften sich auch die Renditen der Anleihenkurse wieder angleichen. Hinsichtlich Daimler kommt die Voraussetzung dazu, dass sich die verbliebene Chrysler-Beteiligung nicht als Milliardengrab erweist.
Weniger hoch rentieren übrigens die Anleihen des dritten großen deutschen Autobauers VW. Dem kommt zugute, dass einerseits das Bundesland Niedersachsen weiter beteiligt ist und er obendrein von der Abwrackprämie im Gegensatz zu Daimler und BMW zumindest in der kurzen Frist eindeutig profitiert.
Ganz unabhängig von einer Angleichung der Kurse bieten die hohen Renditeaufschläge derzeit auch interessante Anlagemöglichkeiten auch mit Blick auf die Endfälligkeit der Papiere.