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Ausstieg aus den Krisenmaßnahmen : Die EZB erwägt ein Ende der Pfandbriefkäufe

  • -Aktualisiert am

Die EZB in Frankfurt Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank könnte schon bald den Ankauf von Pfandbriefen einstellen. Der Markt hat sich stabilisiert und kommt ohne Intervention aus.

          Die Europäische Zentralbank tastet sich mit großer Vorsicht an die Rückführung ihrer Krisenmaßnahmen heran. Für den ersten Schritt in diese Richtung ist nun ein Programm im Gespräch, das in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird und dessen Streichung das Finanzsystem kaum berühren dürfte: Bei der nächsten Ratssitzung am 3. und 4. April steht turnusmäßig die Überprüfung des Programms für den Ankauf von Pfandbriefen und anderen mit Krediten besicherten Bankenanleihen auf der Tagesordnung.

          Eine sofortige Streichung ist nicht absehbar, aber immerhin wird eine Abschaffung auf mittlere Sicht im EZB-Rat diskutiert. Der erste Schritt zur Rückführung der außergewöhnlichen Krisenhilfen müsse sorgsam gewählt werden, heißt es im Umfeld der EZB-Spitze. Der Ankauf von Staatsanleihen sei nun schon seit mehreren Monaten eingestellt, aber die völlige Streichung des Programms wollten viele Mitglieder des EZB-Rats noch nicht, weil sie das Instrument für den Fall einer Zuspitzung der Staatsschuldenkrise in Portugal und Irland noch nicht aus der Hand geben wollen. Und die Verschärfung der gerade erst gelockerten Anforderungen an Pfänder, die Banken bei den Finanzierungsgeschäften der Notenbanken beleihen dürfen, komme zu früh. Deshalb biete sich das Pfandbriefprogramm an.

          Der EZB-Rat soll einmütig über einen Ausstieg entscheiden

          Seit November kauft die EZB - ein erstes Programm über 60 Milliarden Euro war im Sommer 2010 ausgelaufen - zum zweiten Mal Pfandbriefe und andere Covered Bonds, wie die mit Hypotheken und Staatskrediten besicherten Bankenanleihen im Fachjargon heißen. Für dieses zweite Programm sind 40 Milliarden Euro vorgesehen. Doch die EZB und die 17 nationalen Notenbanken des Eurosystem waren relativ zurückhaltend und haben bislang nur 8,7 Milliarden Euro ausgegeben.

          Bild: F.A.Z.

          Die Bundesbank äußert sich derzeit betont zurückhaltend zum Ausstiegsszenario und trat am Donnerstag Meldungen entgegen, sie fordere den Ausstieg aus den Pfandbriefkäufen noch in diesem Jahr. „Die Bundesbank dringt derzeit nicht auf einen Ausstieg aus den Käufen von Covered Bonds in diesem Jahr“, sagte ein Sprecher der Bundesbank. Der EZB-Rat solle zum gegebenen Zeitpunkt einmütig über einen Ausstieg entscheiden.

          Das klingt sehr viel vorsichtiger als noch vor einigen Wochen, als von der Bundesbank eine sofortige Einstellung der gerade eingeführten Beleihung von Einzelkreditforderungen geringerer Qualität gefordert wurde, was ein sehr viel schmerzhafterer Ausstiegsschritt als das Ende der Pfandbriefkäufe wäre.

          Sehr unterschiedliche Bedingungen in den einzelnen Ländern

          Auf dem Pfandbriefmarkt wird das Kaufprogramm offiziell als hilfreich beschrieben. Die EZB kaufe vornehmlich neue Titel. Das habe bei jeder zehnten der rund 40 Neuemissionen dieses Jahres geholfen. Inoffiziell aber sagen einige Händler und Analysten: „Das Programm braucht kein Mensch.“ Die Mehrzahl der Neuemission wäre auch ohne die Käufe erfolgreich gewesen.

          Entscheidend für die verbesserte Verfassung des Marktes seien vielmehr, die zwei Langfristtender der EZB gewesen, mit denen sich die Banken des Euroraums gut 1000 Milliarden Euro für die ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren von den Notenbanken verschafften. Das habe die Finanzierung auf sichere Beine gestellt und lade zu Arbitragegeschäften ein. Die Banken zahlen den Leitzins und können das Geld in deutlich höher verzinste Staatsanleihen oder eben in Pfandbriefe investieren. Das hat dazu beigetragen, dass sich das Neuemissionsgeschäft seit Jahresbeginn belebt hat. Seitdem wurden neue Pfandbriefe und andere Covered Bonds für 49 Milliarden Euro begeben. Das ist weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres und doch eine Verbesserung gegenüber den schwierigen Monaten zum Ende vergangenen Jahres.

          Auch die Spannen zwischen den von Banken gestellten Kursen für An- und Verkauf sowie die Risikoprämien zeugen von abnehmender Verunsicherung. Allerdings sind die Bedingungen in Ländern wie Deutschland und Spanien oder Italien sehr unterschiedlich. So zahlen sehr gute deutsche Pfandbriefemittenten für Titel mit einer fünfjährigen Laufzeit Risikoprämien von jährlich 0,1 bis 0,3 Prozentpunkten. Für spanische Banken mit guten Ratings liegt die Risikoprämie mehr als 1,5 Prozentpunkte höher. Aber immerhin funktioniert der Markt für Neuemissionen dort. In Italien hat es dagegen, obwohl dort die Finanzierungsbedingungen für die Banken inzwischen etwas besser sind als in Spanien, in diesem Jahr noch keine Neuemission gegeben.

          Quelle: F.A.Z.

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