20.04.2005 · Die Kurse kolumbianischer Staatsanleihen hängen eng an Amerikas Zinspolitik. Dieser Umstand hat einen Anstieg der Renditen bewirkt. Wie es nun weitergeht, hängt nicht zuletzt mit den Wahlchancen von Präsident Uribe zusammen.
Wie andere etwas exotischere Zinspapiere haben auch die kolumbianischen Staatsanleihen in den vergangenen beiden Monaten an Wert verloren. Für den, der jetzt Verkaufen will, ist das natürlich schlecht. Wobei auf Sicht von dreizehn Monaten noch immer deutliche Gewinne zu Buche stehen.
Gut ist die jüngste Kursschwäche aber für alle jene Anleger, die über einen Neueinstieg nachdenken. Denn dadurch wirft beispielsweise die bis 31. Mai 2011 laufende und einem Kupon von 11-1/2 Prozent ausgestattete Euro-Anleihe Kolumbiens inzwischen wieder eine Rendite von etwas mehr als sieben Prozent ab.
Kolumbianische Staatsanleihen hängen eng an Amerikas Zinspolitik
Für Sparer, die gewillt sind, die Anleihen bis zur Endfälligkeit zu halten, könnte dies ein lukratives Einstiegsniveau sein. Allerdings sollte man sich vor einer Entscheidung mit den Risiken vertrauen. Zuallererst haben diese mit der jeweiligen Ausrichtung der Zinspolitik in Amerika zu tun.
Die Wechselwirkung mit den kolumbianischen Staatsanleihen ist relativ eng, und auch dieses Mal wird von den Analysten der WGZ-Bank die Kursschwäche mit der strafferen Geldpolitik in Amerika begründet. Da der Trend hin zu höheren amerikanischen Leitzinsen anhalten dürfte, rät die WGZ-Bank aktuell sogar zum Verkauf von kolumbianischen Anleihen.
In der Tat sind kurzfristige weitere Turbulenzen nicht ausgeschlossen. Zumal Druck mittelfristig auch von politischer Seite ausgehen könnte. Denn im Mai 2006 stehen Präsidentschaftswahlen an und noch ist unklar, ob Präsident Uribe erneut kandidieren darf. Das Gesetz zur Wiederwahl des Staatspräsidenten wird momentan noch vom Verfassungsgericht geprüft. Sollte die Überprüfung positiv ausfallen, hätte Präsident Uribe gute Chancen, die Wahlen im Mai 2006 zu gewinnen, da er sich in der Bevölkerung einer großen Beliebtheit erfreut.
Finanzmärkte hoffen auf eine weitere Amtszeit von Präsident Uribe
Schließlich ist es seiner erfolgreichen Sicherheitspolitik zu verdanken, daß Kolumbien sowohl im Inland als auch im Ausland wieder mehr vertrauen genießt. Seine Errungenschaften zeigen sich vor allem in einem Anstieg des inländischen Konsums, der Investitions- und der Sparquote, wie auch der ausländischen Direktinvestitionen. Unter dem Strich darf dadurch in diesem Jahr erneut mit einem Wirtschaftswachstum von vier Prozent gerechnet werden.
Nach Lesart von Beobachtern wie den Experten bei der Dresdner Bank Lateinamerika erscheint es fraglich, ob ein neuer Präsident in der Lage wäre, den Kurs Uribes beizubehalten. Die Entscheidung über das Gesetz zur Wiederwahlmöglichkeit des Staatspräsidenten wird deshalb auch von den Akteuren an den Finanzmärkten mit Spannung verfolgt.
Weil das Vertrauen in die kolumbianische Wirtschaft und den Peso sowie die Hoffnung auf eine strukturelle Steuerreform und strikte Ausgabenkontrolle wie erwähnt sehr stark an Präsident Uribe gebunden ist, könnte eine abgelehnte Wiederwahl laut Volkswirtin Gabi Steck von der Dresdner Bank Lateinamerika das Vertrauen in den Peso erheblich schwächen und zu einer stärkeren Abwertung führen.
Ein solches Szenario würde sich mit Sicherheit auch auf die Kurse der kolumbianischen Staatsanleihen negativ niederschlagen. Ernsthaft gefährdet scheinen die Anleihen momentan aber nicht. Wegen höherer Pensionszahlungen wird das Haushaltsdefizit im öffentlichen Sektor gemessen am Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr zwar vermutlich auf 2,8 Prozent nach 1,2 Prozent im Vorjahr steigen. Mit einer sich am Jahresende vermutlich auf 55 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt belaufenden öffentlichen Gesamtverschuldung, liegt diese Kennziffer aber noch im akzeptablen Bereich.