Die Aussicht auf steigende Leitzinsen in Amerika haben den meisten Anleihen aus Lateinamerika gehörig die Suppe versalzen. Auch die Zinspapiere aus Mexiko gerieten zwischenzeitlich in Turbulenzen, haben sich mittlerweile aber wieder erholt und notieren im Gegensatz zu den allermeisten Anleihen lateinamerikanischer Emittenten auf ähnlichem Kursniveau wie zu Beginn des Jahres (siehe Grafik).
Wie die Analysten der WGZ Bank in einer Studie schreiben, erfahren die Titel vor allem Unterstützung durch die zuletzt positiven ökonomischen Daten. Auf Sicht von zwölf bis achtzehn Monaten geben sich die meisten Volkswirte optimistisch, daß sich die im ersten Quartal im Windschatten der robust expandierenden amerikanischen Konjunktur sowie der hohen Ölpreise verbuchte Wachstumsrate von 3,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt fortschreiben läßt. Auch die mexikanische Regierung hat unlängst ihre Wachstumsprognose von rund 3,5 Prozent auf vier Prozent angehoben.
Aufschwung in Amerika beflügelt auch Mexikos Wirtschaft
Erfreulich dabei ist, daß die Inflation im Zuge des Aufschwung zwar leicht über dem oberen Rand des Zielbandes von drei Prozent (inklusive einer Toleranzgrenze von plus/minus einem Prozent liegt, doch insgesamt nicht von einer wirklich kritischen Inflationsentwicklung gesprochen werden kann. Aus Sicht der WGZ Bank dürften die geldpolitischen Schrauben zwar weiter angehoben werden, aber dies dürfte den Aufschwung nicht maßgeblich beeinträchtigen. Zusammen solange nicht, wie die Wirtschaft in Amerika weiter gut läuft.
Aus Bonitätssicht scheint die Situation Mexikos laut WGZ Bank ebenfalls weiterhin zufriedenstellend zu sein. Die Reserveposition des Landes wird als nach wie vor angemessen bezeichnet und die externen Liquiditäts- und Verschuldungsindikatoren zeigen sich nicht auffällig, die Leistungsbilanzdefizite sind moderat und insgesamt hat das Land hier seine Anfälligkeit seit der Krise von 1994 stetig reduziert. Die Haushaltspolitik gestalte sich weiter solidet.
Fehlende Reformen trüben das Bild
Allerdings mischt sich in das kurz- bis mittelfristig positive Bild eine zum Teil skeptische Debatte über die mittelfristigen Perspektiven des Landes. Die Diskussion kreist dabei um fiskalpolitische und strukturelle Defiziten sowie politischen Problematiken. Es geht die Sorge um, daß das Land, das in diesem Jahr in einen gut zweijährigen Wahlkampf zieht, bis zur Ernennung eines neuen Präsidenten in 2006 keine maßgeblichen Reformen mehr einleitet und sich im negativsten Fall auch hiernach wenig Bewegung zeigt.
Das wiederum schürt die Angst, daß Mexiko Gefahr laufen könnte, seine Vorteile gegenüber anderen Niedriglohn-Mitbewerbern aus Zentralamerika und Asien (weiter) zu verlieren und zum anderen nicht entsprechend auf der Wertschöpfungsleiter nach oben zu klettern, um damit wegfallende Arbeitsplätze entsprechend ersetzen zu können. Insgesamt würde das Fehlen von Reformen dann das Wachstumspotenzial Mexikos auf ein unangemessenes Niveau drücken und die Wirtschaft weiterhin extrem abhängig von den ökonomischen Zyklen in Amerika machen.
Drei Anlagealternativen
Trotz aller berechtigter Kritik sehen die Analysten der WGZ Bank die strukturelle Ausgangslage Mexikos etwas gelassener. Im Segment der Emerging Markets stufen sie Mexiko als soliden Emittenten ein und bezeichnen die bis 10. Juni 2013 laufende und einem Kupon von 5-3/8 Prozent ausgestattete mexikanische Staatsanleihe (ISIN: XS0170239932, 97,6 Prozent) mit einer aktuellen Rendite von 5,7 Prozent für Anleger, die gewillt sind, den Titel bis zum Ende der Laufzeit zu halten, als interessante Investitionsalternative.
Außerdem gibt es noch eine mit einem Kupon von 7-3/8 ausgestattete und bis zum 13. März 2008 laufende Anleihe (ISIN: XS0126200988, 109,6 Prozent) sowie eine bis 8. März 2010 laufende und einen Kupon auf 7-1/2 Prozent aufweisende Anleihe (ISIN: XS0108907303, 111,4 Prozent). Diese Titel werfen aktuell Renditen von 4,5 und 5,1 Prozent ab und rentieren damit um 121 bzw. um 140 Basispunkte über dem Renditeniveau vergleichbarer Bundesanleihen.