21.04.2005 · Die Kurse der ecuadorianischen Anleihen reagieren mit deutlichen Verlusten auf die politische Krise des Landes. Wegen der politischen Wirren sind die hohen Renditen aber mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.
Mit der am Mittwoch erfolgten Amtsenthebung von Präsident Lucio Gutierrez, dem Korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen werden, hat die jüngste politische Krise in Ecuador ihre vorläufigen Höhepunkt erreicht. Ein Ende der Krise ist deswegen aber noch nicht garantiert. Auch nach der Absetzung von Gutierrez ist die Lage angespannt. Zwar wurde Vizepräsident Alfredo Palacio am Vorabend schon als Nachfolger vereidigt. Die teils gewaltsamen Demonstrationen der vergangenen Tage gehen aber weiter und tausende Menschen fordern die Auflösung des Kongresses.
Angesichts der chaotischen Zustände überrascht es nicht, daß die Staatsanleihen aus Ecuador mit Kursverlusten reagieren. So fällt der Kurs der bis 15. November 2012 laufenden und einem Kupon von zwölf Prozent ausgestatteten Euro-Anleihe bis zum Donnerstag mittag um 2,5 Prozentpunkte auf 97,50 Prozent. Die Rendite dieses Titels, der am 21. Januar noch bei 106 Prozent notierte, ist dadurch inzwischen auf 12,919 Prozent gestiegen. Die Risikoprämie der ecuadorianischen Anleihe gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen hat sich folglich weiter ausgeweitet.
Die hohen Renditen haben ihren Grund
Trotz der verlockend hohen Rendite sollten sich Privatanleger aber genau überlegen, ob sie ihr Geld in Ecuador, wo auch Naturkatastrophen wiederholt zu wirtschaftlichen Problemen beigetragen haben, anlegen wollen. Denn wirtschaftliche und politische Turbulenzen haben in dem lateinamerikanischen Land, in dem etwa jeder zweite Bewohner in Armut lebt, schon lange Tradition. So ist Gutierrez bereits der dritte Präsident seit 1997, der seinen Hut nehmen muß.
Und im Jahr 1999 ist es sogar schon einmal vorgekommen, daß das Land einen Teil seiner Anleihen nicht bedienen konnte. Nicht zuletzt wegen dieses Fehltritts wird die Bonität Ecuadors von der Ratingagentur Moody's Investors Service nur mit "Caa1" bewertet, und somit auf dem gleichen Niveau wie Argentinien, das sich bekanntlich erst unlängst weigerte, seine Schulden angemessen zu begleichen.
Große politische Unsicherheiten
Mit einem Zahlungsausfall Ecuadors ist zum jetzigen Zeitpunkt aber normalerweise nicht zu rechnen. Denn als Südamerikas fünfgrößter Ölproduzent befindet sich das Land angetrieben vom rekordhohen Ölpreis mitten im stärksten Konjunkturaufschwung seit zehn Jahren. Und da der Ölpreis weiterhin hoch ist und die Währung an den Dollar gebunden ist, dürfte ein Regierungswechsel der Wirtschaft kaum schaden, erwartet José Cerritelli, Analyst für die Anden-Region bei Bear Stearns & Co. in New York.
Palacio hat seinen Willen zur Bedienung der Schulden zwar bereits bekräftigt. Die Unsicherheit über die weitere Strategie in dem Andenland bleibt aber trotzdem groß. Darauf weist auch Boris Segura, Fondsmanager bei Standish Mellon Asset Management in Boston, hin: Die Anleihenkurse werden weiter fallen. Die Unsicherheit darüber, wer der nächste Präsident sein wird und welche Politik er betreiben wird, ist enorm. Heute ist zwar der Vizepräsident im Amt, aber wer weiß schon, wer Morgen am Ruder ist.“ Die in diesen Worten zum Ausdruck kommenden Unsicherheiten klingen nicht nach einer guten Grundlage für seriöse Geldanlagen.