19.12.2011 · Apassionatas Pferde-Shows sind in Europa seit zehn Jahren ein Begriff. Jetzt will das Unternehmen auch in Amerika Fuß fassen. Dafür braucht Unternehmer Peter Massine Geld.
Von Martin HockAls einer der entscheidenden Faktoren für Mittelstandsanleihen gilt ein hoher Bekanntheitsgrad des Unternehmens oder seiner Marken. Geht man nach diesem Kriterium so muss einem für die Plazierung der Anleihe von Apassionata, die noch bis zum Jahresende läuft, nicht bange sein.
Denn seit fast zehn Jahren veranstaltet Apassionata Unterhaltungs-Shows in Europa, die bislang nach Unternehmensangaben knapp fünf Millionen Besucher anzogen. Präsentiert wurden vornehmlich Shows mit Dressurpferden garniert mit Lichteffekten und Musik unter romantischen Namen wie „Gemeinsam bis ans Ende der Welt“ oder „Zauber der Freiheit“.
Hinter Apassionata steht der Unternehmer Peter Massine, der einst auch den chinesischen Staatszirkus vermarktete und Anfang der Neunziger Jahre für den Deutschland-Erfolg des Illusionisten David Copperfield verantwortlioch gewesen sein soll, weil er das seinerzeitige Top-Model Claudia Schiffer für eine Bühnen-Assistenz verpflichtete.
Etwas weniger erfolgreich war Massines privates Engagement als Anleger des gescheiterten Fonds Global View, der vor einigen Jahren Berlin, Peking und Orlando mit gigantischen Riesenrädern hatte beglücken wollen. Als dem Fonds die Luft ausging, hatte Massine den Anlegern sogar ein eigenes Abfindungsangebot gemacht, scheiterte damit allerdings.
Apassionata aber scheint gut zu laufen. Dem Wertpapierprospekt vermag man allerdings nicht viel mehr zu entnehmen. Denn die Emittentin Peter Massine Entertainment GmbH (PME) wurde erst am 19. Juli 2011 als Peter Massine Entertainment AG gegründet und am 15. September in eine GmbH umgewandelt.
Daher enthält der Prospekt nur Angaben für die Zeit vom 10. Mai bis zum 31. August 2011. Diese geben auch nur die AG in Gründung wieder mit einem Eigenkapital von knapp 2 Millionen Euro und keinen nennenswerten Verbindlichkeiten, aber auch keinem nennenswerten Geschäftsbetrieb angesichts eines Verlusts von 58.300,50 Euro zwischen Juli und August, wobei die Einnahmen 2.522,22 Euro an Zinsen betrugen.
Der Jahresabschluss der Vorgängergesellschaft Equi-Arte Gmbh & Co. KG, der der FAZ vorlag, weist für das zum 30. Juni 2011 zu Ende gegangene Geschäftsjahr bei Umsätzen von 21,1 Millionen Euro ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 3,48 Millionen Euro aus. Gegenüber dem Vorjahr ist der Umsatz damit um 30 Prozent gestiegen, das Ergebnis hat sich von 902.000 Euro ausgehend annähernd vervierfacht.
Ausschlaggebend für den überproportional starken Gewinnanstieg waren vor allem die höheren Umsätze, die nicht in gleichem Maß von höheren Kosten begleitet wurden. Im wesentlichen bestehen die Kosten der Show aus den für die Tourdauer in Anspruch genommenen Dienstleistungen. Pferde, Reiter und Artisten werden lediglich für die Dauer der Tourneen engagiert. Das ermögliche eine flexible Reaktion auf unvorhergesehene Entwicklungen. So konnte sich Apossionata vom aktuell wenig rentablen spanischen Markt sehr einfach zurückziehen.
Indes fiel der Jahresüberschuss gegenüber dem Vorjahr deutlich um zwei Drittel auf nur noch 288.063 Euro. Ursächlich dafür ist ein schwelender Rechtsstreit zwischen den ursprünglichen Eigentümern der Show, die einst von Massine gemeinsam mit Robert Wagner gegründet wurde. Beide streiten jetzt um den Kaufpreis der Wagner-Anteile. Um ein ungeschränktes Bilanztestat zu erhalten, schrieb Equi-Arte darum im vergangenen Geschäftsjahr die Streitsumme von 3 Millionen Euro ab, was zu einer Ergebnisbelastung in dieser Höhe führte.
Die Bilanzsumme der Equi-Arte betrug zum 30. Juni rund 3,2 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote betrug 4,6 Prozent. Zum größten Teil finanzierte sich Equi-Arte aus den Vorverkaufserlösen, die als Lieferverbindlichkeiten ausgewiesen werden. Hätte man diese als Umsatz verbucht, so hätte die Eigenkapitalquote rund 50 Prozent betragen. Die Finanzverschuldung war mit rund 4000 Euro kaum der Rede wert.
Grund für die Begebung der Anleihe ist ein auch für Apassionata mutiges Expansionsvorhaben, namentlich die erste Tournee in den Vereinigten Staaten, die im April 2012 mit 66 Shows und anderhalbjähriger Dauer starten soll. Dafür braucht das Unternehmen Geld, denn im Unterschied zu den Europa-Tourneen lässt sich die amerikanische Tour nicht durch Vorverkäufe finanzieren.
Das liegt daran, erklärt Christian Möller, wie Peter Massine und Jens Zimmermann Geschäftsführer von PME, dass das Geschäft anders funktioniert. In Amerika erfolgt die Vermarktung aber auch der Kartenvorverkauf durch das Management der Veranstaltungsorte. PME muss nicht nur eine Anzahlung auf die Hallenmiete von rund 100.000 Dollar pro Veranstaltungsort leisten, sondern erhält auch die Erlöse erst einige Wochen nach der Darbietung. Diese erheblichen Startinvestitionen müssen nun vorfinanziert werden.
Insofern ist die Amerika-Tournee auch mit einem deutlich höheren Risiko behaftet. So wird das Unternehmen auch erst nachdem ein Drittel der Tour absolviert ist, einschätzen können, ob diese erfolgreich verlaufen wird. Deswegen hat sich das Unternehmen gut vorbereitet. Der amerikanische Geschmack sei doch etwas anders, sagt Möller. Immerhin verbindet man landläufig Pferde in Amerika mit Western, Cowboys und Rodeo. Denkt man an Shows, so steht einem unwillkürlich die legendäre „Buffalo Bill’s Wild West Show“des 19. Jahrhunderts vor dem geistigen Auge, die als wesentlich verantwortlich für die gültigen Klischees über den Wilden Westen gilt und die auch in Deutschland große Erfolge feierte.
Daher habe man auch nicht etwa ein europäisches Show-Konzept direkt übertragen können, sagt Möller. Auf den Plakaten seien die Pferde kraftvoller und dynamischer dargestellt, weniger romantisch und weich wie dies bei den Europa-Tourneen der Fall ist. Die Show selbst sei kürzer, die Wechsel schneller und abrupter, die Farbkontraste stärker. Auf diese Weise hofft PME mit Apassionata auch die Amerikaner begeistern zu können.
Sechs Millionen Euro beträgt das Anleihevolumen und das ist auch etwa die Summe, die das Unternehmen riskiert, sollte die Show ein Flop werden. Die Anleger seien indes nicht unmittelbar an diesem Risiko beteiligt. Man habe die Laufzeit bewusst auf 5 Jahre ausgedehnt, um sich den Spielraum zu verschaffen, die Anleihe auch dann bedienen und tilgen zu können, wenn die Amerika-Show scheitere, sagt Möller. Etwa 2,5 Millionen Euro könne man mit einer Europa-Tournee verdienen, damit ließe sich die Anleihe im schlechtesten Fall auch tilgen.
Die enge Verquickung des Alleingesellschafters Peter Massine mit der Emittentin mag als ein Vorteil gelten. Denn zumindest solange Apassionata in Europa gut läuft, wird Massine darauf bedacht sein, seinen Ruf nicht zu beschädigen. Zudem spricht sein Agieren im Fall des Riesenrad-Fonds für ihn. Die wenigen Anleger, die sich mit ihm bei der Klage gegen die Initiatoren verbündet hätten, hätten mittlerweile ihre Investitionssumme in vollem Umfang zurück erhalten. Damit fuhren sie besser als diejenigen, die sich seinerzeit für ein Abfindungsangebot von rund 60 Prozent entschieden, ist zu hören.
Andererseits ist ein Schlüsselpersonenrisiko nicht zu bestreiten. Dies ist nur ein Faktor, wieso die Verzinsung der Anleihe mit 8,25 Prozent hoch ausfällt und die dank einer vierteljährlichen Zinszahlung derzeit eine Rendite von 8,52 Prozent bringt. Neben den unternehmerischen Risiken bestehen vor allem Liquiditätsrisiken.
Bei einem Anleihevolumen von lediglich 6 Millionen Euro und einer geplanten Notiz im Freiverkehr der Hanseatischen Wertpapierbörse sind nur geringe Umsätze zu erwarten. So wurden an der dortigen Mittelstandsbörse etwa von der Anleihe der Albis Finance mit einem geplanten Volumen von 50 Millionen Euro seit Anfang November lediglich 31.000 Euro umgesetzt, an 31 von 37 Tagen wurde das Wertpapier gar nicht gehandelt. Nur unwesentlich liquider war bisher die Anleihe der BKN Biostrom mit einem geplanten Volumen von
25 Millionen Euro.
Hinzu kommt, dass PME kein Rating hat, was der Tatsache geschuldet ist, dass die Emittentin keine vorzeigbare Unternehmensgeschichte hat. Indes hofft Möller, dass MPE nach Vorlage des nächsten Jahresabschlusses im dritten Quartal 2012 ein Creditreform-Rating erhalten kann.
An den Mittelstandsbörsen bieten derzeit vor allem Anleihen von Unternehmen aus dem bereich der Erneuerbaren Energien, vorwiegend der Solarbranche höhere Renditen. Das ist der großen Unsicherheit um die Zukunft der Branche geschuldet. Ähnliche Sorgen gibt es auch um Air Berlin. Deutlich gestiegen ist auch die Rendite der Anleihe des Werkzeugmaschinenherstellers MAG IAS, nachdem Hauptgesellschafter Mo Meidar seine Anteile verkaufen will. Vergleichbar hoch ist die Rendite der Anleihe des Zeitarbeit-Unternehmens HKW, die ähnlich wenig liquide ist, wie dies von MPE zu erwarten ist.
Die Anleihe bietet vor allem Anlegern eine Chance, die ein Hochzins-Investment jenseits der Erneuerbaren Energien anstreben und ein einfach durchschaubares Produkt vorziehen. Wenn die Amerika-Show hinlänglich erfolgreich verläuft und Apassionata in Europa weiter angenommen wird, sollten sich Anleger hinsichtlich der Tilgung wenig Sorgen machen müssen. Das muss allerdings nicht der Fall sein.
Da die Anleihebedingungen keine vorzeitiges Kündigungsrecht ohne Grund vorsehen, der Emissionserlös aber „zur weiteren Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Apassionata-
Gruppe“ verwendet wird, genügt es nicht unbedingt, dass die Amerika-Show erfolgreich verläuft. Tatsächlich muss das Geschäft bis zur Fälligkeit 2016 gut genug laufen, wobei dies auch nicht unbedingt eine Pferde-Show bleiben muss. Letztlich also setzten Anleihegläubiger darauf, dass der Unternehmer Peter Massine weiter erfolgreich bleibt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.843,87 | −0,93% |
| FAZ-INDEX | 1.524,59 | −0,88% |
| TecDAX | 777,52 | −1,00% |
| MDAX | 10.380,20 | −0,84% |
| SDAX | 5.072,21 | −0,82% |
| REX | 421,52 | +0,23% |
| Eurostoxx 50 | 2.519,00 | −0,89% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,41 | −0,89% |
| Dow Jones | 12.938,70 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.579,78 | −0,40% |
| S&P500 | 1.357,66 | −0,33% |
| Nikkei225 | 9.595,57 | +0,44% |
| EUR/USD | 1,3272 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 122,61 $ | −0,02% |
| Gold | 1.752,00 $ | +0,23% |
| Bund Future | 138,79 € | −0,05% |