In relativ ruhigen Fahrwassern bewegen sich in diesem Jahr die Kurse der peruanischen Staatsanleihen. Das ist auch angemessen, denn der volkswirtschaftliche Datenkranz, mit dem das Land aufwartet, kann sich durchaus sehen lassen.
Beobachter verteilen jedenfalls viel Lob für das, was in den vergangenen Jahren erreicht worden ist. Gelobt wird unter anderem die Robustheit gegenüber externen Einflüssen. Diese hat beispielsweise im Krisenjahr 2009 dazu beigetragen, dass Peru zu den wenigen Schwellenländern weltweit zählte, das mit plus 0,9 Prozent ein Wirtschaftswachstum verzeichnen konnte. Dazu beigetragen haben laut dem Länderdienst Germany Trade and Invest eine vorbildliche Fiskalpolitik sowie der geschickte Einsatz eines Stimulationspaketes. Ergänzend heißt es, das Investitionsklima zähle zu den besten auf dem Subkontinent.
Wirtschaft wieder auf einem strammen Wachstumskurs
Dank dieser positiven Rahmendaten hat die auch vom vorhandenen Rohstoffreichtum begünstigte Wirtschaft inzwischen schon wieder kräftig Fahrt aufgenommen. Schon im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 6 Prozent und im zweiten Quartal ist es noch besser gelaufen. Für April wurde ein Plus von 9,3 Prozent gemeldet und für Mai von 9,2 Prozent. Im gesamten 2. Quartal dürfte die Wirtschaft damit nach Einschätzung von Heinz Mewes von LatAmConsult um 8 Prozent gewachsen sein. Angesichts dieser Zahlen scheint es nicht ausgeschlossen, dass die von der Zentralbank zuletzt für 2010 auf 6,6 Prozent angehobene Wachstumsprognose vielleicht sogar noch übertroffen wird. Zumal das Inkrafttreten eines Freihandelsabkommens mit China weiterhin positive Wirkungen auf den Handels- und Exportbereich zeigen dürfte.
Vor diesem Hintergrund erscheint das Vorgehen der Notenbank vernünftig zu sein, einen wieder restriktiveren Kurs in der Geldpolitik zu fahren. Im Kampf gegen die Krise waren die Leitzinsen um 525 Basispunkte auf 1,25 Prozent gesenkt worden, doch nach dem am 05. August beschlossenen jüngsten Zinserhöhungsschritt belaufen sich die Leitzinsen nun wieder auf 2,5 Prozent. Außerdem wurden auch die Mindestreservesätze für die Kreditvergabe der Banken sowie die Depotpflicht für Fremdwährungskredite angehoben. Die Analysten bei der WGZ Bank gehen bis Jahresende von weiteren geldpolitischen Verschärfungen aus, obwohl sich die Inflationsrate in 2010 in dem vorgegebenen mittelfristigen Zielbereich von 1 bis 3 Prozent bewegen dürfte. Die Volkswirte bei Roubini Global Economics taxieren den Leitzins Ende 2010 auf 3,5 bis 4,0 Prozent und Ende 2011 auf 4,5 bis 5,0 Prozent.
In solider Verfassung präsentieren sich auch die Staatsfinanzen. Für 2011 wird die öffentliche Verschuldung aus 22,3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt taxiert und laut Moody.s wird sich das Budgetdefizit im nächsten Jahr auf 0,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt belaufen.
WGZ Bank sieht Potenzial für Spreadeinengungen
Bei der Leistungsbilanz dürfte nach einem kleinem Plus im Vorjahr in diesem Jahr zwar ein kleines Minus anfallen, das kann aber locker durch den erwarteten Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen gedeckt werden. Weil zudem fast wieder auf Vor-Krisen-Niveau gestiegene internationalen Währungsreserven von über 35 Milliarden Dollar hinzukommen, überrascht es nicht, dass Peru inzwischen längst von allen drei großen Ratingagenturen vom spekulativen in den Investmentbereich aufgewertet worden ist.
Für die WGZ Bank ist alles das Anlass genug, um die bis zum 14. Oktober 2014 laufende Peru-Staatsanleihe (Isin XS0203281182) mit einem Anteil von 6,5 Prozent in das hauseigene Musterportfolio einfließen zu lassen. Der zuständige Analyst Tobias Gruber sieht angesichts der guten wirtschaftlichen Gesamtsituation weiterhin Potential für Spreadeinengungen (aktuell beträgt die Rendite hier 3,555 Prozent).
Einzig die Unsicherheiten in Verbindung mit der im nächsten Jahr stattfindenden Präsidentschaftswahl bereiten ihm ein wenig Sorgen, weil deren Ausgang angesichts des Fehlens eines klaren Favoriten für die Nachfolge von Alan Garcia vollkommen unklar ist. Aktuell ist es laut Grube aber noch zu früh, etwas Definitives über den Wahlausgang zu sagen.
Auch wenn sich Peru qualifizieren sollte
Christian Roigk (Dubai1)
- 10.08.2010, 09:53 Uhr