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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Anleiherenditen EZB verschafft Italien und Spanien schon etwas Luft

 ·  Nach der Ankündigung neuer Anleihekäufe durch die Notenbank sind die zweijährigen Renditen der Krisenländer deutlich gesunken. Analysten der Commerzbank ziehen ein ernüchterndes Fazit zur Nullzinspolitik der EZB.

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© Getty Images Hoffnungsträger Tourismus: Spanien braucht mehr Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit, um seine Sorgen loszuwerden.

Bislang hat es Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), nur bei Ankündigungen belassen. Aber diese machen sich schon in den Renditen Italiens und Spaniens bemerkbar. Vor allem die Zinsen für zweijährige Staatsanleihen sind deutlich zurückgegangen. Nach der EZB-Ratssitzung am vergangenen Donnerstag hatte Draghi angekündigt, dass sich künftige Kaufprogramme von Staatsanleihen auf das kurze Ende der Zinskurve konzentrieren würden. Kurzfristige Zinsen seien der klassischen Geldpolitik zuzuordnen, weil sie eine Nähe zum Geldmarkt aufwiesen, so Draghi.

Auch wenn am Dienstag die Investoren zweijährige Staatsanleihen Italiens und Spaniens wieder verkauft haben und leichte Kursverluste deren Renditen steigen ließen, ist der „Draghi-Effekt“ noch immer vorhanden. Die zweijährige Staatsanleihe Spaniens rentierte am Dienstag mit 3,5 Prozent. Vor der EZB-Ratssitzung am vergangenen Donnerstag waren es noch 4,9 Prozent. Das ist ein Rückgang von 1,4 Prozentpunkten. Nicht ganz so deutlich fällt der Effekt bei den zweijährigen Anleihen Italiens aus. Am Dienstag lag die Rendite mit 3,1 Prozent um 0,6 Prozentpunkte unter dem Niveau vor der EZB-Sitzung.

Über Fiskalreformen langfristige Finanzierungskosten senken

Die Äußerung Draghis hat auch die Zinskurven der beiden Euro-Krisenländer steiler werden lassen. Denn am langen Ende, also bei den zehnjährigen Laufzeiten, sanken die Renditen weniger stark. So lag die zehnjährige Rendite Spaniens am Dienstag bei 6,68 Prozent. Mitte der vergangenen Woche waren es mit 7,1 Prozent noch gut 0,4 Prozentpunkte mehr. In diesem Zeitraum ist die zehnjährige Rendite Italiens um ebenfalls rund 0,4 Prozentpunkte auf 5,88 Prozent gesunken.

Vergleicht man die aktuellen Zinsniveaus mit den Niveaus Ende Juli, fällt der Rückgang noch deutlicher aus. Am 26. Juli hatte Draghi auf einer Investorenkonferenz in London die berühmte Aussage gemacht, dass die EZB alles unternehmen werde, um den Euro zu retten. Seitdem sind die zweijährigen Renditen Spaniens um 3 Prozentpunkte und die Italiens um 2 Prozentpunkte gesunken. In der zehnjährigen Laufzeit ist die spanische Rendite in diesem Zeitraum um 0,9 Prozentpunkte zurückgegangen, während die italienische Rendite um 0,7 Prozentpunkte gefallen ist.

Die Analysten der französischen Großbank Société Générale (SG) erwarten aus möglichen EZB-Käufen von kurzfristigen Staatsanleihen, dass die Risiken für die EZB begrenzt seien, weil die Anleihebestände schneller fällig würden. Zudem werde für die Regierungen der betroffenen Länder ein Anreiz geschaffen, über Fiskalreformen die langfristigen Finanzierungskosten zu senken. Nach Ansicht der SG-Analysten könnten die von den EZB-Käufen unbeeinflussten langfristigen Zinsen anzeigen, ob der Markt den Sparmaßnahmen vertraut.

Die künftigen Anleihekäufe der EZB sollen laut Draghi an die Bedingung geknüpft sein, dass die in Frage kommenden Länder ein Hilfsprogramm des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in Anspruch nehmen. Dann würde es der EZB am kurzen eher als am langen Ende leichter fallen, die Käufe einzustellen oder zu unterbrechen, wenn die Bedingungen des Programms nicht erfüllt würden, so die Analysten der britischen Bank Barclays.

Volumen der Einlagenfazilität auf 321 Milliarden Euro verringert

Auch sie gehen davon aus, dass die Kreditrisiken aus den Markteingriffen am kurzen Ende leichter zu schultern seien. Zudem erwarten die Barclays-Analysten daraus einen direkten Effekt auf die Finanzierungskosten der Länder. Eine dauerhafte Reduzierung der kurzfristigen Zinsen um einen Prozentpunkt senke die jährlichen Zinskosten Italiens um 3 Milliarden Euro und jene Spaniens um 1 Milliarde Euro.

Ein eher ernüchterndes Fazit der Nullzinspolitik der EZB ziehen die Analysten der Commerzbank. Gleichwohl weisen sie darauf hin, dass es für ein abschließendes Urteil noch zu früh sei. Am 5. Juli hatte der EZB-Rat neben der Leitzinssenkung von 1,00 auf 0,75 Prozent auch den Zinssatz für die Einlagenfazilität von 0,25 auf 0 Prozent gesenkt. In der Einlagenfazilität parken Geschäftsbanken ihre überschüssigen Mittel. Seitdem sie dafür gar keine Zinsen mehr erhalten, ist das Volumen der Einlagenfazilität von 800 Milliarden auf nun 312 Milliarden Euro zurückgegangen.

Allerdings lässt sich nach Ansicht der Commerzbank-Analysten anhand der Marktindikatoren noch keine Übertragung des geldpolitischen Impulses der Nullzinspolitik in die Realwirtschaft beobachten. So seien die Renditen der Krisenländer bis zur ersten Intervention Draghis sogar gestiegen. Den Ausverkauf habe der EZB-Präsident dann am 26. Juli in seiner Londoner Rede aufgehalten.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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