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Anleihenmarkt Verkauf macht Spekulation auf AHBR-Anleihen möglich

08.12.2005 ·  350 Mitarbeiter der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden können hoffen: Durch den Verkauf der Bank an den Finanzinvestor Lone Star ist der Konkurs erst einmal abgewendet. Auch Anleihen-Anleger dürfen wieder neugierig werden.

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Dank der Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank ist der Anleihenmarkt wieder ein wenig aufregender geworden - zumindest optisch. Lagen die Renditen Mitte des Jahres noch in Höhen, daß man am liebsten gefragt hätte, ob es nicht ein bißchen mehr sein darf, so sieht jetzt alles ein wenig netter aus.

Fraglich ist natürlich, ob dies nicht nur rein optisch ist. Da paßt auch ins Bild, daß auf dem vormals scheintoten Emissionsmarkt plötzlich ein unvermutet viel Leben herrscht. Die letzte Novemberwoche war mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro eine der lebhaftesten des Jahres. Daraus könnte man schließen, daß die Emittenten schnell noch ein paar Anleihen zu günstigeren Konditionen unterbringen wollten, weil sie einen Anstieg des Zinsniveaus befürchten.

Hohe Renditen aufgrund der Schieflage

Insofern ist momentan nicht gerade die rechte Zeit sich längerlaufende Festverzinsliche ins Depot zu legen. Wer dagegen sich bei kürzeren Laufzeiten umtut, entdeckt noch das ein oder andere Papier. Dabei dominiert ein Emittent, der auch in den vergangenen Monaten für viel Aufsehen sorgt. 18 Schuldverschreibungen der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) bieten zur Zeit Renditen zwischen sieben und 10 Prozent. Natürlich nicht ohne Grund.

Die Nöte des Institutes sind groß. Einst gehörte die AHBR zum umfangreichen Unternehmensbesitz der deutschen Gewerkschaften. Dann aber geriet das Institut aufgrund verfehlter Zinsspekulationen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Schieflage und mußte mehrfach von vom Eigentümer, der Gewerkschaftsholding BGAG finanziell gestützt werden.

Das Problem war, daß sich kein Käufer fand. Ursprünglich sollte die AHBR zusammen mit der BHW verkauft werden, doch die Postbank nahm letztere nur unter der Bedingung, von allen AHBR-Risiken befreit zu werden. Zuletzt wurde die Hypothekenbank unter Einbindung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) treuhänderisch verwaltet, um den Verkauf zu beschleunigen. Mehrere Großbanken und die BaFin hatten kürzlich 2,5 Milliarden Euro der BGAG für den Erhalt der AHBR zur Verfügung gestellt.Denn ohne Verkauf wäre eine Pleite der Bank die größte Branchenpleite seit dem Konkurs der Herstatt-Bank im Jahr 1974 gewesen.

Durch Verkauf gerettet - zumindest vorerst

Am Donnerstag erfolgte nun endlich der Verkauf. Käufer ist der amerikanische Finanzinvestor Lone Star. Über den Kaufpreis wurde zwar Stillschweigen vereinbart, indes erhielten die Amerikaner eine „Mitgift“, die sich nach unbestätigten Berichten auf 400 bis 600 Millionen Euro belaufen soll. „Wir bieten der Bank mit dem Verkauf eine Zukunftsperspektive“, betonte BGAG-Chef Norbert Massfeller. Das neue Geschäftsmodell bedeute auch eine „größtmögliche Absicherung“ der 350 Arbeitsplätze.

Lone Star ist Spezialist für den Kauf und die Verwertung von Problemkrediten. Der Investor hatte in der Vergangenheit bereits Kreditpakete von mehreren großen deutschen Banken erworben. Die AHBR hat derzeit Pfandbriefe im Umfang von mehr als 40 Milliarden Euro im Umlauf und ist damit einer der größten Emittenten dieser Papiere. Die BaFin hatte ein großes Interesse gezeigt, daß mit der Lösung der Probleme bei der Bank das Ansehen des Produkts Pfandbrief in Deutschland nicht beschädigt wird.

Nach Angaben der BGAG gab es mehrere Interessenten für die AHBR, zu denen auch die Investmentbank Merrill Lynch gehört haben soll. Lone Star habe aber das attraktivste Angebot vorgelegt, berichtete Massfeller. „Wir haben die Chance beim Schopf ergriffen.“

Vorsicht vor Prolongationen

Das klingt für Anleiheninhaber und Interessenten zunächst einmal positiv. Denn offenbar soll die AHBR in irgendeiner Form erhalten bleiben und geht nicht in die Insolvenz. Dann steht auch zu hoffen, daß die laufenden Schuldverschreibungen bedient werden.

Doch das Spiel ist nicht ohne Risiko. Viele Papiere wurden bereits einmal prolongiert und angesichts niedriger Kupons von zum Teil drei Prozent und eines schwachen Ratings könnte dies abermals bevorstehen. Dafür aber besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, daß die Zinsen weiter bezahlt werden.

Wer unter diesen Umständen spekulativ zu AHBR-Papieren greifen will, dem die 12004 emittierte und bis 2007 laufende Schuldverschreibung mit einem Kupon von 5,25 Prozent empfohlen. Bei ihr besteht nicht nur die größte Chance auf termingerechte Ablösung, sondern sie bietet bei verlängerter Laufzeit zur Not auch die höchste Rendite. Indes weiß niemand genau, was Lone Star aus der AHBR macht und was aus den Anleihen wird - spekulativ ist die Investition also allemal.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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