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Anleihenmarkt Investoren warnen vor Risiken der Gläubigerhaftung

27.10.2010 ·  Bevor der Steuerzahler für die Rettung einer Bank aufkommt, sollen die Anleihegläubiger ran. Die Investoren sehen ein hohes Risiko: Strauchelnde Geldinstitute würden so schneller vom Kapitalmarkt ausgeschlossen.

Von Bettina Schulz
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Institutionelle Investoren warnen vor gefährlichen Turbulenzen, wenn sie als Anleihegläubiger während der Schieflage einer Bank haften sollten. Während immer mehr Regierungen und Notenbanken genau das erwägen - also Anleihegläubiger von Banken in die Haftung einzubeziehen („bail-in“), bevor der Steuerzahler für die Rettung einer Bank aufkommt - verweisen Investoren auf Risiken: Anleger würden dann höhere Risikoprämien auf Bankanleihen fordern, diese Risikoprämien stark abhängig von der Kreditwürdigkeit einzelner Institute berechnen, weniger in Bankanleihen investieren und sich in einer Krise mit der Zeichnung von Anleiheemissionen extrem zurückhalten.

„Diese Aussagen zeigen, dass die Haftungsrisiken die Branche anfälliger für zyklische Krisen machen würde“, betont Finanzanalyst Roberto Henriques von der amerikanischen Bank J.P. Morgan, der die Reaktionen von fast 200 institutionellen Investoren zu diesem Thema ausgewertet hat. „Die drohende Haftung von Anleihegläubigern würde strauchelnde Banken schneller vom Kapitalmarkt ausschließen. Die Investoren wären nämlich im Krisenfall nicht mehr gewillt, mit Liquidität auszuhelfen.“ Fast ein Drittel der Fondsmanager würde selbst in vorrangige Bankanleihen nicht mehr investieren.

„Freiwilliger“ Kapitalverlust

Irland hat jüngst Gläubiger vorrangiger Anleihen noch einmal von der Haftung für die Verluste der Anglo Irish Bank ausgenommen. Vergangene Woche machte die Bank ihren Gläubigern nachrangiger Anleihen ein Angebot, die Papiere in Höhe von 1,575 Milliarden Euro zu einem Kurs von 20 Prozent, also zu 315 Millionen Euro, in neue Anleihen umzutauschen. Gleichzeitig wird den Inhabern anderer, ebenfalls nachrangiger Anleihen für eine Gebühr von 5 Prozent eine Tilgungsklausel verkauft. Wenn die Gläubiger das Angebot annehmen, beläuft sich ihr „freiwilliger“ Kapitalverlust nach einer Berechnung von Barclays Capital auf 1,6 Milliarden Euro. Werden die Konditionen nicht akzeptiert, droht eine Gesetzesvorlage, welche die Gläubiger noch schlechter stellte. Bisher hat es während der Finanzkrise zahlreiche dieser „freiwilligen“ Schuldentausch-Aktionen für Nachranganleihen gegeben. Nun geht es aber darum, dass - wie in Deutschland mit dem Restrukturierungsgesetz - die mögliche Haftung von Gläubigern durch eine zwangsweise Umwandlung ihrer Forderungen in Aktien der entsprechenden Banken festgelegt werden soll.

In Großbritannien spricht sich Notenbankchef Mervyn King dafür und für ein insgesamt wesentlich schärferes Vorgehen gegen Bankenrisiken aus. Die Baseler Eigenkapitalregeln seien „nur ein kleiner Schritt“ und würden eine neue Krise allein nicht verhindern. King schlägt mehrere Instrumente vor, mit denen die extremen Risiken der Fristentransformation für die Gesellschaft tragbar gemacht werden sollen: So soll die Branche über eine dauerhafte Bankensteuer für die potentiellen, künftigen Lasten einer staatlichen Bankenrettung zahlen. Der britische Finanzminister George Osborne verkündete vergangene Woche bereits, dass die bisher einmalige Sonderbankensteuer von 2,5 Milliarden Pfund nun dauerhaft erhoben werde.

Aktionäre und Gläubiger müssen Verluste schultern

King befürwortet zudem, dass über die jetzigen Baseler Eigenkapitalanforderungen für internationale große Banken eine Extrakategorie von Haftungskapital aus Aktien oder umzuwandelndem Gläubigerkapital vorgeschrieben wird, denn Verluste müssten von Aktionären und auch Gläubigern geschultert werden.

Die von J.P. Morgan befragten Investoren meinen, für Anleihen von Instituten mit der Kreditwürdigkeitsnote „A“ müsse für die Haftung als Gläubiger im Durchschnitt eine zusätzliche Risikoprämie von etwa 87 Basispunkten, also 0,87 Prozent, gezahlt werden. Diese Prämie würde jedoch je nach Bank variieren. Weil diese höheren Refinanzierungskosten schwache Banken stark belasteten, könne die Gläubigerhaftung zu einer Konsolidierung in der Bankenbranche und einer Welle von Übernahmen führen, äußerte Analyst Henriques.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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