27.03.2008 · Bei der Hypo Real Estate kommt alles nicht so schlimm, wie es hätte sein können. Das triebt den Aktienkurs. Risikofreudigere Anleihenanleger haben schon vorher zugegriffen - doch noch ist es nicht in jedem Fall zu spät.
Es herrscht große Erleichterung an den Finanzmärkten, denn bei der Hypo Real Estate (HRE) ist alles nicht so schlimm gekommen, wie man es befürchtet hat. Indes ist es vielleicht auch eine Frage der Wahrnehmung, bewegte die Gewinnwarnung der Deutschen Bank am Vortag die Märkte doch wesentlich weniger als man dies nach dem Desaster um Bear Stearns in der Vorwoche hätte vermuten wollen.
Denn begeistern kann die Lage der Münchner Immobilienbank nun niemanden wirklich. Im vergangenen Jahr zwang die Finanzkrise die Bank zu Abschreibungen von 390 Millionen Euro und drückte ihr Pro-forma-Vorsteuerergebnis einschließlich der im Oktober 2007 übernommenen Depfa-Bank gegenüber dem Vorjahr um 18,5 Prozent auf 862 Millionen Euro. Positiv ist lediglich, dass gegenüber dem Mitte Januar angekündigten Rückgang nichts mehr hinzugekommen ist.
Unsichere Zukunft
Und das laufende Jahr wird keineswegs neue Rekorde hervorbringen - zumindest nicht in positiver Hinsicht. Die Finanzmarktkrise könnte das Institut zu weiteren Abschreibungen zwingen. „Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für die Hypo Real Estate Group seit Jahresanfang 2008 schwieriger geworden. Deshalb kann nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die Planung für das Geschäftsjahr 2008 nicht ganz erreicht werden kann“, erklärte die Bank am Donnerstag.
Positiv hebt der Vorstandsvorsitzende Georg Funke indes hervor, dass das Kerngeschäft schon im vergangenen Jahr gut, teilweise sogar exzellent gelaufen sei. Dies werde auch im laufenden Jahr und auf mittlere Frist so bleiben. Dennoch sei es insgesamt nicht möglich, eine verlässliche Prognose abzugeben. „Die Märkte sind in einem Maße unberechenbar, wie ich es in meiner mehr als 30jährigen Berufszeit noch nie erlebt habe.“ Auch Konkurrent Eurohypo hatte in der vergangenen Woche keine Prognose gewagt.
Bankensektor scheint derzeit politisch gut unterstützt
Angesichts der Unsicherheiten ist auch nicht wirklich eine Aussage möglich, ob die Aktie unterbewertet ist. Das liegt zwar angesichts einer Marktkapitalisierung von nur 3,4 Milliarden Euro intuitiv nahe, aber wenn selbst der Vorstand vor Unwägbarkeiten steht, so ist die Kaufentscheidung ebenso intuitiv und risikobehaftet.
Als Alternative bieten sich daher die mit „A1“ bzw. „A+“ oder „A2“ bzw. „A“ bewerteten Anleihen der Bank an. Diese bieten immerhin auch dann eine Rendite, wenn die Kursentwicklung nicht so verläuft, wie man sich das am Anfang des Investments vorgestellt hat.
Voraussetzung ist, dass die Bank nicht insolvent wird. Das aber steht angesichts des bisher deutlich gewordenen Standpunktes der Politik in Deutschland und anderswo auf der Welt kaum zu befürchten.
Arbeiten an der Kapitalbasis
Und auch die bilanzielle Situation der Hypo Real Estate gibt dazu keinen aktuellen Anlass. Zwar müssen sich die Aktionäre für 2007 mit einer um zwei Drittel auf 50 Cent verringerten Dividende abfinden. Dies diene der Stärkung der Kapitalbasis, sagte Funke. Es gelte aber weiterhin: „Die Hypo Real Estate Group ist derzeit ausreichend kapitalisiert“, betonte er.
Auch ein Übernahmekandidat sei man nicht. „Spekulationen über Bankübernahmen sind aktuell nicht realistisch“, sagt Funke. Die entscheidende Frage sei in Zeiten einer Finanzkrise, welches Institut sich den Kauf einer Bank überhaupt leisten könne. „Ich glaube, dass es im Moment sehr schwierig ist, eine Bank zu übernehmen“, betonte er.
Nichtsdestoweniger bemüht man sich um „treue Investoren“ und will sich von der Hauptversammlung einen Vorratsbeschluss für eine neuerliche Kapitalerhöhung holen. Es gehe dabei lediglich darum, diese Handlungsoption zu haben, sagte Funke. Die bisher genehmigten Kapitalerhöhungen seien beim Kauf der Depfa im vergangenen Jahr aufgebraucht worden.
Schwierige Vergleichbarkeit
Insofern erscheint eine Anleihe der Hypo Real Estate, zumindest sofern sie eine überschaubare Restlaufzeit hat, derzeit nicht als Risiko-Investment. Das scheinen allerdings noch mehr Marktteilnehmer so zu sehen.
Denn die Papiere sind nicht in jedem Fall billig. Zwar handeln die „A1“-Renten in der Regel mit zum Teil deutlichen Renditeaufschlägen gegenüber den Papieren des Konkurrenten Eurohypo. Doch Commerzbank-Papiere mit vergleichbarer Laufzeit bieten häufig höherer Renditen.
Indes hinken die Vergleiche häufig. Die im Juli 2010 fällige HRE-Anleihe ist mit lediglich 2,75 Prozent verzinst, vorrangig und unbesichert und rentiert mit 5,1 Prozent. Das Eurohypo-Papier mit gleicher Fälligkeit ist mit 3,375 Prozent verzinst und eine Inhaberschuldverschreibung, während die mit 6,125 Prozent verzinste Commerzbank-Rente nachrangig ist.
Günstigster Einstiegszeitpunkt scheint vorbei zu sein
Es ist insofern stets eine Frage, was genau man bekommt und was genau man bereit ist dafür zu bezahlen. So bergen nachrangige Bankanleihen die Gefahr, dass sie, wenn es doch knüppeldick für den Bankensektor kommt, die ersten Papiere sein werden, die nicht mehr bedient werden. Dafür rentieren sie höher und so wird das Risiko bezahlt. Wer auf Nummer Sicher gehen will, greift daher am besten zu kurzen Restlaufzeiten und vorrangigen Schuldverschreibungen.
Nicht alle Anleihen der HRE bieten sich zudem für den kleinern Geldbeutel an. Just die 2010 fällige A1-Anleihe gibt es nur in einer Stückelung zu 50.000 Euro. Wer indes mit der Rating-Klasse „A2“ gut leben kann, dem bieten sich Chancen. So rentiert die im Februar 2011 fällige HRE-Anleihe gut 38 Basispunkte über einer vergleichbaren polnischen Staatsanleihe.
Auf Kursgewinne in dieser Zeit sollte man indes nicht unbedingt bauen. Zum einen gibt der Anleihenmarkt derzeit wenig her, weil Anleihen derzeit eher fair als unterbewertet sind. Zum anderen waren HRE-Anleihen Anfang des Jahres schon bedeutend preiswerter zu haben und haben ein Gutteil ihrer Aufschläge wieder hereingeholt.
Wenn sich das Unternehmen stabil entwickeln sollte, und nach den Kommunikationsfehlern der Vergangenheit wieder Vertrauen zurückkehrt, könnten weitere Aufschläge möglich sein. Aber ob es so kommt, kann derzeit niemand wirklich zuverlässig prognostizieren - noch nicht einmal der HRE-Vorstand selbst.
Wieso jemanden in der Insolvenz Geld schenken?!
Marko Hrbat (Hrbat)
- 28.03.2008, 21:55 Uhr