11.05.2006 · Die geldpolitischen Karten werden frisch gemischt. Die Fed hat angesichts verzögerter „Zinswirkungen“ Manövrierspielraum, in Europa und Japan sind geldpolitische „Bremsmanöver“ nötig. Das dürfte den Rentenmärkten kaum bekommen.
Nach Jahren mit tiefen Leitzinsen und hohem Geldmengenwachstum wurden und werden die geldpolitischen Karten immer wieder frisch gemischt.
Auf der einen Seite hat die amerikanische Zentralbank (Fed) den Leitzins in den vergangenen Monaten deutlich von einem auf zuletzt fünf Prozent erhöht, auf der anderen befindet sich auch die europäische Zentralbank im Kontraktionsmodus. Beide wollen sich künftig von der Entwicklung konjunktureller Daten leiten lassen.
Fed hat angesichts verzögerter „Zinswirkungen“ Manövrierspielraum
Angesichts der verzögerten Wirkung von Zinsveränderungen dürfte die Fed aufgrund des sich sehr wahrscheinlich bald abschwächenden nominellen Wachstums einen gewissen Manövrierspielraum haben, während die europäische Zentralbank zu Zinserhöhungen gezwungen sein dürfte. Denn erstens ist das Geldmengenwachstum zu stark, zweitens schlagen die hohen Rohstoff- und Energiepreise immer mehr auf das Preisniveau in Euroland durch und drittens wird die Konjunktur durch die Exportaktivitäten beflügelt.
Auf Basis dieser Erwartungen dürfte der Dollar gegen den Euro auch mit Blick auf die im Hintergrund bestehenden strukturellen Probleme der amerikanischen Wirtschaft - Leistungsbilanzdefizit, hohe Verschuldung, extrem geringe Ersparnisbildung - gegen den Euro einen schweren Stand haben. Der Euro liegt bei 1,2795 Dollar. Das ist jedoch nicht alles. Denn angesichts der amerikanischen Defizite, die sich insbesondere in entsprechenden Überschüssen in Asien im Außenhandel und bei den Devisenreserven widerspiegeln, kommt den asiatischen Zentralbanken und damit den Währungen eine übergeordnete Bedeutung zu.
Um die Lage nicht noch weiter aus dem Ruder laufen lassen zu können, müssen sie ihre Währungen flexibler machen. In vielen Fällen bedeutet das eine Aufwertung. Sie ließ sich in den vergangenen Monaten am Beispiel des Won, des Singapur-Dollars oder auch des malaysischen Ringgit ablesen. Selbst der Yuan zeigt sich langsam etwas stärker. Eine Schlüsselrolle kommt jedoch der japanischen Geldpolitik zu.
In Europa und Japan sind geldpolitische „Bremsmanöver“ nötig
Denn das Land hat in den vergangenen Jahren die Geldpresse auf Hochtouren laufen lassen und in Verbindung mit der Nullzinspolitik und der Manipulation des Wechselkurses für eine risikolose Finanzierung spekulativer Aktivitäten weltweit gesorgt. Das dürfte dazu beigetragen haben, daß sich die Renditen der Anleihen weltweit lange Zeit auf einem erstaunlich tiefen Niveau hielten und gleichzeitig die Börsen und auch die Preise vieler Rohstoffe nach oben liefen. Angesichts der jüngsten Konjunkturdaten aus Japan - starke Expansion der Kredittätigkeit - dürfte auch hier eine Kontraktion überfällig sein. Der Markt spekuliert sogar schon auf bald steigende Leitzinsen.
Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die asiatischen Staaten versuchen, die Wirtschaft von der bisherigen Exportlastigkeit auf die Binnenmärkte umzupolen, dürften einerseits die Währungen der Region weiter nach oben laufen. Gleichzeitig dürften aber auch die internationalen Rentenmärkte, die bisher von der asiatischen Ersparnis- und Geldschwemme profitierten, einen schweren Stand haben.
Das zeigt sich am Donnerstag wieder einmal am Bund-Future in Deutschland. Mit einem Minus von 48 Stellen auf inzwischen 114,87 Prozent hat der die Marke von 115 Prozent und den gleitenden 200-Tagesdurchschnitt inzwischen deutlich unterbrochen und knabbert kräftig am mittelfristigen Aufwärtstrend. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt inzwischen bei 4,056 Prozent. Der Future auf die 30jährige Staatsanleihe gibt sogar um 80 Stellen nach.
Kaum etwas dürfte die veränderten geldpolitischen Koordinaten deutlicher machen. Sollte das Weltwirtschaftswachstum nicht ausgehend von einem nachlassenden amerikanischen Konsum deutlich abflauen, dürften die Rentenmärkte abgesehen von technischen Zwischenerholungen in der Defensive bleiben.