21.03.2006 · Mit viel Kreativität versuchen die Banken derzeit, von der Fußballbegeisterung der Deutschen zu profitieren. Doch den meisten Angeboten geben Anleger- und Verbraucherschützer die gelbe oder sogar die rote Karte.
Mit viel Kreativität versuchen die Banken derzeit, von der Fußballbegeisterung der Deutschen zu profitieren. Doch den meisten der angebotenen WM-Fonds, Weltmeister-Zertifikate oder Bonus-Zinsen geben Anleger- und Verbraucherschützer die gelbe oder sogar die rote Karte.
Nur mit einer von vier untersuchten Geldanlagen, deren Erfolg eng an die WM gekoppelt sein soll, war die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Heft „Finanztest“ zufrieden. Grundsätzlich raten Experten, die Emotionen der Fußball-WM und das Thema Geldanlage nicht zu vermischen.
Bester Anbieter ist eine schwäbische Volksbank
Lob gibt es für ein Festgeldangebot der Volksbank Böblingen-Sindelfingen. Diese habe das Zeug für eine lohnende Anlage und „den Sonderpreis für die originellste Idee allemal verdient“, urteilten die Tester. Bei einer Mindestanlage von 5.000 Euro wird der Betrag bis zum 1. Februar 2008 mit 2,85 Prozent p.a. fest verzinst. Dazu kann ein Bonus kommen, je nachdem, wie weit das Team kommt, auf das der Anleger setzt.
Dabei gibt es für Außenseiter wie Costa Rica oder Togo mehr Prozente als für die Favoriten wie Brasilien. Realistisch seien dabei höchstens 3,5 Prozent, errechnete die Stiftung Warentest, wenngleich das Maximum laut der Volksbank bei 5,85 Prozent liegt.
Die Dresdner Bank verspricht Neukunden für maximal 20.000 Euro bis zum 31. August drei Prozent Zinsen auf ein Geldmarktkonto. Sollte Deutschland Weltmeister werden, gibt es einen Extrabonus von 0,75 Prozent - allerdings auch nur bis Ende August. Danach gibt es nur noch die mageren Standardzinsen von 0,5 bis 1,1 Prozent. „Für Kurzpaßspieler, die Zinsschnäppchen hinterherjagen, ist das Angebot attraktiv“, urteilten die Tester. Wegen der kurzen Laufzeit sei Euphorie jedoch fehl am Platz.
Schlechte Noten für Postbank und JP Morgan
Das Weltmeister-Zertifikat der Postbank (siehe auch Wenig zu gewinnen mit dem „Weltmeister- Zertifikat“) mit sechs Prozent Zinsen im ersten Jahr klingt verlockend, zumal sich der Bonus auf sieben Prozent erhöht, sollte das deutsche Team ins Finale kommen. Doch nach der WM hängt die Verzinsung bis Mai 2012 von der Entwicklung eines Korbs mit 25 Aktien wie der Deutschen Telekom oder Yahoo ab.
Sind die Papiere zum Stichtag im Plus oder haben nur wenig verloren, gibt es weitere sechs Prozent. Verlieren mehr Aktien an Wert, sinkt die Verzinsung auf zwei Prozent oder gar auf Null. Zudem drücken drei Prozent Ausgabeaufschlag auf die Rendite. Fazit der Tester: Das Zertifikat nützt nur in guten Börsenzeiten - und dann ist ein guter Aktienfonds weitaus lohnender.
Wenig überzeugte die Tester auch die Go-Getter-Anleihe von JP Morgan (siehe auch Kein Fair-Play bei der Go-Getter-Anleihe). Bis zum 17. März 2008 orientiert sich die Verzinsung an den Kursen der Aktien von acht WM-Sponsoren im Vergleich zu deren Konkurrenten. Abgesehen davon, daß mögliche positive Effekte durch die Fußball-WM bereits in den Aktienkursen enthalten sind, bewertete die Stiftung Warentest das Angebot als zu schwer durchschaubar.