23.08.2005 · Wer bei Anleihen höhere Renditen will, muß schon höhere Risiken eingehen. Dabei kann man sich durchaus die Finger verbrennen. Das Anleihen-Flamm-O-Meter von FAZ.NET gibt Aufschluß.
Der Anleihenmarkt wird immer schwieriger. Zumindest wird es immer mühsamer, noch Papiere zu finden, bei denen sich ein Einstieg lohnt - oder lohnen könnte. Neue Papiere kommen meist mit niedrigen Kupons und langen Laufzeiten. Oder kurzen Laufzeiten und noch kleineren Kupons.
Den Vogel schießt die Deutsche Schiffsbank ab, die für ihre neueste Mini-Anleihe (ISIN: DE000A0E88L4, 150 Millionen Euro Volumen) mit zweijähriger Laufzeit gerade einmal den Drei-Monats-Euribor (aktuell: 2,13 Prozent) locker macht. Da will noch nicht einmal Zinserhöhungsphantasie aufkommen. Wer sich im hochrentierlichen Bereich umtut, der darf die Asbest-Handschuhe nicht vergessen. Denn die Papier mit hohen Renditen sind heiß. FAZ.NET hat einige Papiere auf der Hitzeskala des Anleihen-Flamm-O-Meters geordnet.
Stufe 1 auf dem Flamm-O-Meter: die bis 2012 laufende Anleihe der SGL Carbon (ISIN: XS0184985538). Sie rentiert derzeit mit 6,77 Prozent, läuft noch bis zum 1. Februar 2012 und hat einen Kupon von 8,5 Prozent. Der Hersteller von Graphitelektroden geriet in den vergangenen Jahren in eine teilweise hausgemachte Krise. Margendruck, geharnischte Kartellstrafen machten dem Unternehmen zu schaffen. Derzeit drückt die Wiesbadener immer noch rund eine Nettoverschuldung von 300 Millionen Euro. Das Rating ist B3/B-.
Für das Unternehmen sprechen dagegen deutliche Fortschritte bei der Sanierung. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 516 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) nahm um 29 Prozent auf 53,8 Millionen Euro zu, während der Halbjahresüberschuß sogar auf 14,5 (7) Millionen Euro mehr als verdoppelt wurde. Damit schnitt SGL besser ab, als von Beobachtern erwartet wurde. Mittlerweile stellt der Vorstand eine Rückkehr zu einem Jahresüberschuß in Aussicht. Die Besserung der Lage hängt eng mit der derzeit guten Stahlkonjunktur zusammen. Allerdings kann in sechseinhalb Jahren noch viel geschehen.
Stufe 2 auf dem Flamm-O-Meter: brasilianische Staatsanleihen. Derzeit sind vier Anleihen mit einer Rendite von sechs Prozent und mehr relevant. Dabei gilt: Je mehr Rendite, desto länger die Laufzeit. Und gerade bei südamerikanischen Ländern sind elf Jahre eine halbe Ewigkeit.
Derzeit sind immer noch die Sorgen nicht vom Tisch, daß der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva in eine laufende Untersuchung über angebliche Korruption in der Regierung hineingezogen wird, nach der Lulas Arbeiterpartei und die Regierung Stimmen im Kongreß gekauft haben sollen. Das weckt Befürchtungen hinsichtlich einer Destabilisierung des Landes. Vor allem aber erschreckt es die Investoren, die nun festgestellt haben, daß sie sich über die vermeintliche Stabilität des Landes unter Lula Illusionen gemacht haben.
Andererseits hat sich die wirtschaftliche Lage des Landes in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, ohne daß dies ein Verdienst der Regierung gewesen wäre. Vielmehr waren günstige außenwirtschaftliche Umstände der Auslöser. Die Regierung unter Lula scheint vielmehr nicht in der Lage oder Willens zu sein, die Strukturprobleme des Landes anzugehen. Andererseits läßt sich auch auf ein schlechtes Gedächtnis der Börse spekulieren und daß Lula den Hals aus der Schlinge ziehen kann.
Drei Brasilien-Bonds mit Renditen zwischen sechs und 6,71 Prozent, einer Restlaufzeit zwischen fünf- und neuneinhalb Jahren und einem Rating von B1 sind interessant (ISIN: XS0123149733, XS0201110037 und XS0211229637).
Stufe 3 auf dem Flamm-O-Meter: philippinische Staatsanleihen. Nachdem sich der asiatische Inselstaat über Jahre mühevoll aus dem Rating-Tief herausgearbeitet hatte, geriet das Land vor wenigen Wochen wieder in die Krise, als die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von stabil auf negativ senkten. Begründet wird die Maßnahme mit politischen Bedenken und einer Verzögerung bei der Umsetzung einer geplanten Steuererhöhung.
Als Konsequenz sackten die Anleihen des Landes ab. Fitch bewertet die Verbindlichkeiten des Landes mit „BB“, zwei Stufen unter Investmentgrade. S&P stuft die Bonität mit „BB-“ ein, drei Stufen unter Investmentstufe. Bereits jetzt verschlingen Zinszahlungen ein Drittel des Haushalts, erklärte Theresa Marcial Javier, Fondsmanagerin bei Bank of the Philippine Islands, dem zweitgrößten Kreditinstitut des Landes. Nach sieben Jahren mit Haushaltsdefiziten hat sich mittlerweile ein Schuldenberg von 69 Milliarden Dollar aufgetürmt.
Am erstem Juli stoppte der Oberste Gerichtshof der Philippinen ein neues Steuergesetz, das erst wenige Stunden zuvor in Kraft getreten war. Das Gesetz hätte Ausnahmen bei der Umsatzsteuerpflicht abgeschafft und den Steuersatz ab nächstem Januar von zehn auf zwölf Prozent erhöht. Die mit einem Kupon von 9,125 Prozent ausgestattete Anleihe (ISIN: XS0163410961) rentiert derzeit mit 6,09 Prozent und hat noch eine Restlaufzeit von viereinhalb Jahren.
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