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Anleihenmarkt „Abbau der Renditeaufschläge dürfte erst Ende 2013 enden“

25.11.2009 ·  An den Märkten wird eifrig über den Zeitpunkt der Zinswende diskutiert. Doch wenn es nach Bob Michele geht, dann dauert das noch etwas länger als allgemein angenommen. Und auch den Trend hin zu sinkenden Renditespreads sieht der J.P.Morgan Fondsmanager anhalten.

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Unter den Akteuren an den Finanzmärkten wird seit geraumer Zeit intensiv darüber diskutiert, wann die großen Notenbanken ihre sehr expansive Geldpolitik beenden und die Zinszügel wieder anziehen werden. Bob Michele, zuständig für den Zins- und Währungsbereich bei J.P. Morgan Asset Management, zählt dabei zu jenen Vertretern, für die die Zinswende noch nicht unmittelbar bevorsteht.

Sein Argument: Auf Sicht von zwölf Monaten gibt es kaum Wirtschaftswachstum und auch keine hohen Inflationsraten. „Deshalb haben die Zentralbanken keine Eile damit, die Leitzinsen anzuheben“, lautet sein Fazit. Er sieht die Renditen zunächst weiterhin auf den aktuell niedrigen Niveaus verharren und die Zinskurve flacher werden.

Zinswende erst 6 bis 12 Monate nach veränderte Rhetorik

Zumal es zur Zinswende nach seinen Erfahrungen in der Regel erst 6 bis 12 Monate später kommt, nachdem die Notenbanken ihre offizielle Rhetorik zur Geldpolitik geändert haben. Auch habe der amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke jüngst klar gesagt, dass er dann zufrieden sei, wenn der heimische Arbeitsmarkt jeden Monat wieder mindestens 100000 neue Arbeitsplätze schaffe. Doch davon sei man in Amerika derzeit noch ein Stück weit entfernt.

Derzeit seien die Notenbanken noch damit beschäftigt, das System zu reflationieren. Noch komme es aber nicht zu steigenden Preisen, weil davor die Produktionskapazitäten noch zu unausgelastet seien. „Das aktuell vorherrschende Konstrukt mit Leitzinsen von praktisch 0 Prozent produziert zwar zwangsläufig Blasen, doch noch kann ich diese nicht identifizieren.“

Durch die allgemein wieder gestiegene Risikobereitschaft unter den Marktteilnehmern haben sich in den vergangenen Monten bekanntlich auch die Renditeaufschläge am Anleihemarkt wieder zurückgebildet. Die Spreads bewegen sich laut Michele inzwischen wieder auf den normalen Niveaus für Rezessionszeiten. Und anders als viele andere Experten geht er davon aus, dass der Trend hin zu abnehmenden Renditeaufschläge noch eine Weile anhalten wird.

Zyklen mit fallenden Spreads dauern typischerweise fünf Jahre

Seine Prognosen, die er jüngst in London vor einem Pulk europäischer Journalisten vortrug, basiert dabei auch auf historischen Erfahrungen. Denn in den seit 1986 aufgetretenen drei vergleichbaren Fällen dauerte die Phase mit zusammenlaufenden Spreads im Schnitt rund fünf Jahre. Wiederholt sich die Geschichte, dann würde der jetzige Zyklus erst im Dezember 2013 enden.

Wegen dieser Grundannahmen hält Michele ausgewählte Unternehmensanleihen („Corporate Bonds dürften besser abschneiden als andere Anleiheklassen“, so seine Prognose) nach wie vor für ebenso interessant wie Schwellenländeranleihen in lokaler Währung, besonders in brasilianischen Real, indonesischen Rupiah, koreanischen Won oder mexikanischen Peso.

Weniger hält er dagegen von Dollar- und Pfund-Anleihen sowie von Staatsanleihen, was sich nicht zuletzt mit den wachsenden Staatsschulden erklärt. „Präsident Obama will seinen Landsleuten eine mehr oder weniger kostenlose Gesundheitsvorsorge anbieten. Das wird zwischen 1,5 und 2,0 Billionen Dollar kosten. Und als Folge davon wird Amerika weitere Anleihen emittieren“, prognostiziert Michele.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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