26.02.2003 · Wer am Rentenmarkt auf steigende Kurse setzt und sich mit Futures auskennt, für den könnte sich der Juni-Kontrakt anbieten. Die Psychologie spricht dafür, dass die Kursdifferenz zum März-Kontrakt ausgeglichen wird.
Der Rentenmarkt befindet sich zwar schon auf einem hohen Niveau, allerdings immer noch im Aufwärtstrend. Der ist nicht nur technisch deutlich ausgeprägt, sondern er wird auch vom fundamentalen Hintergrund her deutlich unterstützt. Von den anhaltenden geopolitischen Spannungen, den erschütterten Börsen, dem angeknacksten Vertrauen der Anleger, aber auch der kümmerlich bis schwachen Entwicklung der Konjunktur, hoher Arbeitslosigkeit und der geringen Aussicht auf die schon Jahre überfälligen strukturellen Reformen in Europa.
Diese Gründe dürften die Europäische Zentralbank dazu bringen, die Zinsen zu senken. Und das gibt den Rentenmärkten neben der Verunsicherung der Anleger weitere Fantasie. Wer die teilt und jetzt noch mit dem Gedanken spielt, bei deutschen Staatsanleihen zuzugreifen, für den haben die Analysten von Commerzbank Securities ein interessantes Phänomen ausgegraben, das die Chance auf zusätzliche Kursgewinne eröffnen könnte. Nämlich einen Kursanstieg nach einem Kontraktwechsel.
Psychologischer Effekt nach Kontraktumstellung
Sie empfehlen deswegen mittelfristig orientierten Anlegern, über den Juni-Kontrakt des Bund-Futures in den Markt einzusteigen. Der Bund-Future ist nichts anderes, als ein standardisierter Terminkontrakt, der dem Käufer und Inhaber das Recht und gleichzeitig die Plicht gibt, deutsche Bundesanleihen beim Verfall des Kontraktes zu übernehmen. Er verfällt alle drei Monate, nämlich im März, Juni, September und Dezember. Die Instrumente sind hoch liquide, wobei allerdings das größte Volumen immer im „zeitnahen“ Kontrakt auftritt. Kurz bevor es ausläuft, rollt sich die Hauptaktivität des Marktes gewissermaßen in das nächste Zeitfenster in Form des nachfolgenden Terminkontraktes hinüber.
Kontrakte mit längerer Restlaufzeit notieren allein auf Grund der Berechnungsweise unter den „Kürzeren“. Der März-Kontrakt lag beispielsweise am Mittwochvormittag bei 116,50 Prozent, während der Juni-Kontrakt gleichzeitig mit 115,60 Prozent gehandelt wurde. Das führt dann bei Übergang vom verfallenden Kontrakt zum Nachfolgenden zu einer Art von „Preisschock“ und dem Phänomen, dass sich der Markt rasch wieder an die alten Notierungen „heranpirscht“. Sprich: nach oben läuft, wenn sich zwischenzeitlich nicht gerade der Trend ändert. Die Folge ist, dass der neue Kontrakt zügig auf die vom alten Kontrakt erreichten Kursniveaus ansteigt. Damit kann die Kursdifferenz als zusätzlicher Kursgewinn vereinnahmt werden.
Phänomen in „trendigen“ Märkten zu beobachten
„In einem Markt in einem eindeutigen Trend ist das regelmäßig zu beobachten“, bestätigt ein Rentenhändler von der DZ-Bank dieses Phänomen. Allerdings ergänzt er „wenn das Rad am höchsten dreht, ist es oft schnell vorbei“ und deutet auf die Risiken der mittlerweile erreichten hohen Niveaus hin. Diese Strategie sollte also nur der nutzen, der sich mit Futures auskennt und wirklich auf weiter steigende Kurse am Rentenmarkt setzt. In diesem Fall böte sich nach Ansicht der Experten von Commerzbank Securities eher der Juni-Kontrakt als der März-Kontrakt zum Einstieg an.