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Zertifikate und ETFs

Anleihen Trotz Niedrigzinsen der Renner

Anleger kaufen vor allem Rentenfonds und ziehen Geld aus Aktien ab. Das ist nicht nur in Deutschland so - der Trend gilt in ganz Europa.

© dpa Vergrößern

Anleihen top, Aktien Flop - so lässt sich aus Sicht der Fondsbranche das Jahr 2012 zusammenfassen. 166 Milliarden Euro haben die europäischen Anleger in diesem Jahr per Ende Oktober in Rentenfonds mehr angelegt, als sie gleichzeitig abgezogen haben. Dies geht aus den jüngsten Zahlen des europäischen Fondsverbands Efama per Ende Oktober hervor (siehe Grafik). Damit sind Rentenfonds der einzige große Lichtblick in der Fondsbranche. Das ist nicht selbstverständlich, da die meisten Anlageexperten angesichts dauerhaft niedriger Renditen in Europa und den Vereinigten Staaten den Anlegern raten, ihre Investments in Aktien zu erhöhen. Doch schon im Sommer hatte die Union Investment hervorgehoben, wie sehr die Suche nach Sicherheit das Anlageverhalten derzeit prägt.

Verlierer sind Geldmarktfonds

Insgesamt belaufen sich die Mittelzuflüsse in europäische Publikumsfonds auf rund 159 Milliarden Euro netto. Lediglich Mischfonds, die in Anleihen wie auch in Aktien und häufig auch in andere Anlageinstrumente investieren dürfen, hellen die Bilanz mit Mittelzuflüssen von netto gut 15 Milliarden Euro auf. Verlierer sind Geldmarktfonds, die unter den extrem niedrigen Leitzinsen in den entwickelten Ländern leiden, wie auch Aktien, aus denen die Anleger bis Ende Oktober unter dem Strich knapp 25 Milliarden Euro abgezogen haben. Allerdings bleiben jene Aktienprodukte noch relativ gut gefragt, die auf Werte mit einer hohen Dividendenrendite setzen.

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In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild: Gut 24 Milliarden Euro flossen im Publikumsgeschäft den Rentenfonds in diesem Jahr bis Ende Oktober netto zu, zeigen die jüngsten Zahlen des Fondsverbands BVI. Aus Aktienfonds zogen die Anleger netto mehr als 6 Milliarden Euro ab. Neben Geldmarktprodukten verzeichneten Fonds mit Wertsicherung netto Mittelrückflüsse von 4,5 Milliarden Euro. Dabei sind Strategien, die auf eine Reduktion von Kapitalmarktrisiken setzen, durchaus weiterhin gefragt. Hier hat sich das Interesse allerdings von harten Garantien in Richtung Multi-Asset-Strategien verlagert, die unter die Mischfonds fallen.

Institutionelle Anleger gewinnen an Bedeutung

In diesen Zahlen spiegelt sich eine andere Besonderheit des Fondsjahres 2012: Institutionelle Anleger - dies sind vor allem Banken, Versicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen - gewinnen an Bedeutung. Private Anleger spielen eine immer geringere Rolle. Dies führt dazu, dass Fondsgesellschaften, bei denen das Geschäft mit Privatkunden eine große Rolle spielt, geschwächt aus diesem Jahr gehen. So verzeichnet die Deka, die Publikumsfonds für den Sparkassensektor anbietet, in diesem Jahr bis Ende Oktober Mittelrückflüsse von rund 4,7 Milliarden Euro.

Infografik / Mittelaufkommen der europäischen Fondsbranche © F.A.Z. Vergrößern Mittelzuflüsse und -abflüsse sowie in Deutschland und weltweit verwaltetes Vermögen

Die Deutsche Bank, die im Publikumsgeschäft vor allem mit der DWS aktiv ist, verwaltet unter dem Strich rund 2,8 Milliarden Euro weniger. Allerdings hat bei der Deutschen Bank vor allem DB Platinum das Geschäft belastet. Aus diesen regelbasierten Fonds, einem Produkt aus dem Investmentbanking der Bank, flossen netto 1,3 Milliarden Euro ab. Hier ist das verwaltete Vermögen auf weniger als 4,6 Milliarden Euro geschrumpft, so dass schon darüber spekuliert werden darf, wie lange die Bank die DB-Platinum-Produkte überhaupt noch betreiben will.

Auch wenn wenige Fondsgesellschaften im laufenden Jahr gut abgeschnitten haben, darf sich der Versicherungskonzern Allianz in diesem Jahr als Sieger fühlen. Der auf Rentenfonds spezialisierten Fondsgesellschaft Pimco flossen netto mehr als 17 Milliarden Euro in Deutschland zu und Allianz Global Investors rund 4 Milliarden Euro. Beiden Anbietern kommt auch zugute, dass sie ihre Stärke im institutionellen Geschäft haben.

Lage der Fondsbranche schwierig

“Im Durchschnitt beobachten wir einen positiven Zusammenhang zwischen der Leistung eines Fonds und den anschließenden Mittelzuflüssen in den Fonds“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der Bank BNP Paribas zur Fondsbranche. Den Zusammenhang, den die Ökonomen hier herstellen, mag dem unvoreingenommenen Beobachter trivial erscheinen. Doch hat die Vergangenheit gezeigt, dass in Marktphasen, in denen die Privatanleger dominieren, der Zusammenhang zwischen Anlageerfolg und Absatz eines Fonds relativ locker ist.

Viele Marktbeobachter beurteilen die Lage der Fondsbranche als schwierig. Doch die Zahlen relativieren das Bild. So verwalteten die deutschen Fondsgesellschaften per Ende Oktober ein Vermögen von knapp 2000 Milliarden Euro. Das sind rund 12 Prozent mehr als Ende Oktober 2011, als sich das verwaltete Vermögen auf 1772 Milliarden Euro belief. Auch steigt die Zahl der Investmentfonds, die in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind, weiter: Ende Oktober 2012 waren es 7505 Fonds, ein Jahr zuvor 6815. Wenigstens in diesem Punkt ist der Wachstumstrend ungebrochen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.12.2012, 11:20 Uhr

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