03.07.2006 · Der Tankan-Bericht der japanischen Notenbank zeigt das wachsende Vertrauen in die japanische Wirtschaft und die Investitionsfreudigkeit der Firmen. Es gibt keinen Grund mehr für eine „ultralockere“ Geldpolitik - schlecht für Anleihen.
Mit leichten Kursgewinnen reagieren die japanischen Börsen und der Yen auf den jüngsten Tankan-Bericht der Zentralbank. Er zeigt, daß das Vertrauen in die japanische Wirtschaft in den drei Monaten bis Juni leicht gewachsen ist. Dagegen geben die Rentenpapiere des Landes deutlich nach. Der JGB-Future liegt im späten japanischen Handel mit einem Minus von 61 Stellen bei 131,04 Prozent.
Das dürfte kaum verwundern. Denn vor allem ein starker Ausblick nährt an den Finanzmärkten am Montag die Vermutung, die japanische Notenbank könnte schon bald nicht nur das Geldmengenwachstum reduzieren, sondern auch noch an der Zinsschraube drehen und auf diese Weise die Geldpolitik straffen. Es wäre die erste Zinsanhebung seit sechs Jahren.
Unternehmen sind investitionsfreudig
Der Diffusionsindex für die Stimmung von Großunternehmen des Verarbeitenden Gewerbes stieg im zweiten Quartal auf 21 nach 20 Punkten im März. Der Markt hatte mit einem Anstieg auf 22 Stellen gerechnet. Für September wurde ein Stand bei 22 Punkten prognostiziert. Der Diffusionsindex bildet den Saldo von Einschätzungen eines günstigen und eines ungünstigen Geschäftsumfeldes ab. Bei Werten über Null hat sich die Mehrzahl der befragten Firmen zuversichtlich gezeigt.
Die Zahlen dazu seien keine Überraschung gewesen, sagte Stratege Tetsuro Sawano von Mitsubishi UFJ Securities nun nach der Vorlage der Daten der Nachrichtenagentur Reuters. Viel interessanter seien dieses Mal die Angaben der Firmen zu den geplanten Investitionen. Denn die Großunternehmen des Landes hatten angegeben, ihre Kapitalausgaben bis zum Ende des Geschäftsjahres im März voraussichtlich um 11,6 Prozent zu erhöhen; Analysten hatten hier im Schnitt mit lediglich 8,8 Prozent mehr gerechnet.
Auch die Notenbank werde diese Angaben als stark einstufen, fügte Sawano hinzu. „Das sollte sie eigentlich nur darin bestärken, die Zinsen anzuheben.“ Die Währungshüter kommen am 13. und 14. Juli zusammen. Sie dürften sich auch von der Entwicklung auf der Preisseite bestärkt sehen, die Geldpolitik künftig restriktiver zu gestalten. Immerhin hatte ein Bericht in der vergangenen Woche gezeigt, daß die Preise in Japan so schnell steigen wie seit über acht Jahren nicht mehr. Diese Entwicklung deutet darauf hin, daß das Land der lange anhaltenden deflationären Phase entkommen sein dürfte.
Kein Grund mehr für „ultralockere“ Geldpolitik
Damit gäbe es keinen Grund mehr, an der „ultralockeren“ Geldpolitik der jüngeren Vergangenheit festzuhalten. Gerade in den vergangenen drei, vier Jahren hatte die Zentralbank des Landes die Geldmenge gewaltig expandieren lassen, bevor sie das Geldmengenwachstum in allerjüngster Zeit reduziert hat. Eine rasche wachsende Geldmenge hatte in Verbindung mit der bisherigen Nullzinspolitik und einem durch Interventionen manipulierten Wechselkurs die Welt mit billigem Geld überschwemmt und die so genannten „Carry Trades“ in großem Stile möglich gemacht.
Spekulative Anleger konnten sich praktisch in Japan kostenlos und ohne Risiko refinanzieren und die Gelder in hoch rentierliche, aber zum Teil ebenso spekulative Anlagen stecken. Damit dürfte es vorbei sein, sobald die japanische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter normalisieren sollte. Die Normalisierung ist überfällig, da sonst das Entstehen einer ähnlich Kursblase wie in den siebziger und achtziger Jahren wahrscheinlich wäre - mit den entsprechend verheerenden Folgen in der Korrektur. Immerhin warnen jetzt schon einige Ökonomen vor einer Überhitzung der japanischen Wirtschaft.
Auf dieser Basis dürfte man die Rentenpapiere des Landes mit einer gewissen Vorsicht betrachten müssen, während Aktien zumindest selektiv und die Währung generell von der Entwicklung profitieren sollten. Der Yen ist gegen den Dollar, insbesondere jedoch gegen den Euro deutlich unterbewertet. Das Problem dabei ist, daß der Euro-Yen-Trend entgegen der Fundamentaldaten nach oben läuft. Dagegen sollte man sich erst stellen, wenn er gebrochen wird.