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Anleihen Südamerikas Anleihemärkte führen Schwellenländer-Rally an

 ·  Lateinamerikanische Anleihen erleben eine beeindruckende Hausse. Die Sorgen vor einem Zahlungsausfall in Brasilien haben sich zunächst verflüchtigt. Noch ist allerdings keine angekündigte Reform umgesetzt.

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Lateinamerikanische Anleihen erleben eine beeindruckende Hausse. Die Sorgen vor einem Zahlungsausfall in Brasilien, der größten Volkswirtschaft Südamerikas, haben sich verflüchtigt, nachdem der im Oktober 2002 gewählte Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva einen entschiedenen Stabilitätskurs in der Geld- und Fiskalpolitik eingeschlagen hat.

Der Kurs von Brasiliens richtungweisendem C-Bond stieg zum Wochenbeginn auf den höchsten Stand seit 13 Monaten und ist nicht mehr weit von einem Fünf-Jahres-Hoch entfernt. Die Angst vor einem Wahlsieg des früher stark linksgerichteten Lula hatte die durchschnittlichen Risikoaufschläge (Spreads) der Renditen brasilianischer Anleihen gegenüber amerikanischen Treasuries im September 2002 bis auf fast 25 Prozentpunkte explodieren lassen. Zum Wochenanfang sanken die Spreads zeitweise unter 9 Prozentpunkte.

Renditeorientierte Anleger werden in die Schwellenländer gezogen ...

Die Entwarnung in Brasilien - neben Mexiko und Rußland das Schwergewicht im Anleihemarkt der Schwellenländer - hat Anleger ermutigt, sich auch in anderen Emerging Markets zu engagieren. Denn trotz der Zahlungseinstellung in Argentinien und zahlreicher anderer Krisen haben Schwellenländer-Anleihen in den letzten vier Jahren im Schnitt zweistellige Jahresrenditen erbracht. Besitzer von amerikanischen oder europäischen Aktien müssen da vor Neid erblassen. Gleichzeitig dümpeln die Renditen von sicheren Anlagen in amerikanischen Staatspapieren auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Das treibt renditeorientierte Anleger in die Schwellenländer. Allein im ersten Quartal sind mehr Mittel in Schwellenländer-Anleihefonds geflossen als im gesamten Jahr 2002, berichtet EmergingPortfolio.com Fund Research.

Auch die jüngsten Ankündigungen von "marktfreundlichen" Umschuldungsinitiativen in Uruguay und Venezuela haben die Anleger kaum erschrecken können. "Uruguays Umschuldung wird ein großer Erfolg", glaubt Walter Molano von BCP Securities. Die überwiegend lokalen Gläubiger würden kleine Barwert-Verluste wahrscheinlich in Kauf nehmen. Für Venezuela ist Molano dagegen skeptisch. Die Anleihekurse des fünftgrößten Erdölexporteurs steigen zwar, seit die Ölquellen nach den monatelangen Streiks gegen Präsident Hugo Chávez wieder weitgehend normal sprudeln. Doch Fachleute warnen vor den langfristig verheerenden Folgen der Streiks für Venezuelas Gesamtwirtschaft.

... dabei sind in Brasilien noch keine Reformen ratifiziert

"Die Reorientierung der internationalen Fondsanlagen auf Lateinamerika, speziell auf Brasilien, hat gerade erst angefangen", sagt Arturo Porzekanski, ABN Amro. Die gestiegene Nachfrage trifft auf ein dünnes Angebot an Neuemissionen. Länder wie Chile, Mexiko, Kolumbien und Peru, die eine relativ gute Bonitätseinstufung genießen, haben ihren Kreditbedarf bereits früh im Jahr gedeckt. Das Hochrisikoland Brasilien könnte sich aufgrund der hohen Kreditzusagen des Internationalen Währungsfonds leisten, das ganze Jahr über weitgehend auf Neuemissionen zu verzichten. Im Markt kursieren indes Gerüchte, wonach die Regierung die erste Emission einer Globalanleihe seit mehr als einem Jahr vorbereitet. Analysten der brasilianischen Bank União de Bancos Brasileiros SA (Unibanco) sind angesichts des erreichten Kursniveaus allerdings besorgt: "Wir wundern uns, daß der C-Bond die Höchstkurse aus 2002 erreicht hat, ohne daß irgendeine bedeutende Reform im Kongreß auf den Weg gebracht worden wäre." Ökonomen betonen, daß Lula Reformen der Renten- und Steuersysteme erreichen muß, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Bisher ist nicht klar, ob der Staatschef dafür im Parlament Mehrheiten finden wird.

Die größten Anleihegewinne verzeichnet im laufenden Jahr Ecuador (plus 34 Prozent). Auch dort hat der vermeintlich linkspopulistische Präsident Lucio Gutiérrez in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit die Anleger positiv überrascht. Der rasche Abschluß eines IWF-Abkommens löst die akuten Cash-flow-Probleme der Regierung, kommentiert Goldman Sachs. Doch könne es Gutiérrez schwerfallen, die geplanten Reformen im Kongreß durchzusetzen. Kurzfristig würden sich die Anleihekurse des Erdölexportlandes voraussichtlich mit den Rohölpreisen bewegen. Trotz sinkender Ölpreise stiegen die Kurse jedoch zuletzt weiter, nachdem verschiedene Banken eine Höhergewichtung ecuadorianischer Anleihen empfohlen hatten.

Selbst argentinische Anleihen sind gefragt

Selbst Papiere des seit Ende 2001 zahlungsunfähigen Argentinien waren zuletzt wieder stärker gefragt. Professionelle Anleger, die sich auf Problemschuldner spezialisieren, würden sich eindecken, da sie den Sieg eines marktfreundlichen Kandidaten bei den argentinischen Präsidentenwahlen am 27. April erwarten, beobachtet die Dresdner Bank Lateinamerika. Die Weltbank hält indes einen Kredit von 500 Millionen Dollar zurück. Argentinien müsse erst noch einige wirtschaftspolitische Maßnahmen vornehmen, sagte Weltbank-Präsident James Wolfensohn.

Quelle: mos./ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2003, Nr. 84 / Seite 23
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