28.05.2009 · Trotz aller Bemühungen der Zentralbanken, die Zinsen tief zu halten, haben in den vergangenen Wochen die Renditen an den Rentenmärkten zum Teil deutlich angezogen. Eine Entwicklung dieser Art stelle einen Test für sie dar, heißt es.
Trotz aller Bemühungen der Zentralbanken, die Zinsen mittels tiefer Leitzinsen und Kredit finanzierter Wertpapierkäufe tief zu halten, haben in den vergangenen Wochen die Renditen an den Rentenmärkten zumindest bei Papieren mit längeren Laufzeiten deutlich angezogen.
Bei den amerikanischen Staatsanleihen erreichen sie inzwischen mit knapp 4,7 Prozent beinahe wieder das Niveau, auf dem sie sich vor Ankündigung der so genannten „quantitativen Maßnahmen“ befunden hatten. In Deutschland liegt die Rendite des Bund-Futures mit 3,7 Prozent deutlich über dem Tief von 2,94 Prozent, welches sie Mitte Januar markiert hatte.
Stark zunehmendes Angebot an Anleihen aller Art
Für einen Teil dieser Entwicklung ist sicherlich der allgemeine Wirtschafts- und Aktienoptimismus verantwortlich, der in den vergangenen Wochen an den Finanzmärkten überhand nahm. Er verleitet Anleger zur Umschichtung von Geldern aus Renten- in Aktienpapiere. Auf der anderen Seite verweisen kritische Analysten jedoch auf das stark zunehmende Angebot an Anleihen aller Art. Sowohl Unternehmen als auch Staaten versuchen die Gunst der Stunde möglichst umfangreich zu nutzen, um sich bei steigendem Liquiditätsbedarf günstig refinanzieren zu können.
Das hat dazu geführt, dass die amerikanische Zinskurve gemessen an den Differenzen zwischen den Renditen 30-jähriger, 10-jähriger und 2-jähriger Papiere sehr steil geworden ist. Die Spreads haben das höchste Niveau seit Jahren erreicht. Gleichzeitig haben sie in den Vereinigten Staaten die Renditen von Hypotheken nach oben getrieben. Das ist nicht besonders positiv für den amerikanischen Häusermarkt. Denn der ist auf tiefe Zinsen angewiesen, sollte er aufgrund massiver Überbestände an unverkäuflichen Häusern und großer Beträgen, deren Zinsen in den kommenden Monaten angepasst werden müssen, seinen Boden finden. Genau das jedoch wäre eine der Voraussetzungen dafür, dass die wirtschaftliche und finanztechnische Malaise, die von diesem Markt ausgegangen ist und die die Banken beinahe weltweit in Bedrängnis gebracht hat, ein Ende finden kann.
Bis jetzt fallen nicht nur die amerikanischen Hauspreise immer tiefer, sondern gleichzeitig nehmen auch die Kreditausfälle immer stärker zu. Der Zahlungsverzug bei Hypotheken ist im ersten Quartal auf 9,12 Prozent aller ausstehenden Kontrakte dieser Art gestiegen. Das ist der höchste Stand seit mehr als 20 Jahren. Auch bei Gewerbeimmobilien nehmen die Zahlungsschwierigkeiten markant zu. Beides kann zusammen mit zunehmenden Ausfällen bei Konsumentenkrediten zu weiterem Abschreibungsbedarf bei Banken führen.
Test für die Zentralbank
Eine Renditeentwicklung dieser Art stellt einen Test dar für die amerikanische Zentralbank. Sollte sie tatsächlich davon ausgehen, dass sich die amerikanische Wirtschaft in den kommenden Quartalen erholen wird, so sollte sie die steil gewordene Zinskurve begrüßen. Denn erstens hätte sie in einem extrem lockeren geldpolitischen Umfeld eine bremsende Wirkung. Zweitens versetzt sie die Banken in die Lage, gutes Geld zu verdienen und den enormen Kapitalbedarf auf diese Weise wenigstens teilweise auf natürliche Art zu decken.
Tatsächlich kann die Zentralbank die Renditeentwicklung am langen Ende über längere Zeit kaum kontrollieren oder beeinflussen. Dieser Markt ist viel zu groß, als dass man ihn über Käufe auf die Dauer manipulieren könnte. Sollten die Anleger an diesem Markt zur Überzeugung gelangen, die amerikanische Zentralbank wolle die Schulden des amerikanischen Staates monetarisieren, würden die Renditen unweigerlich weiter steigen und den herbeigesehnten Aufschwung rasch abwürgen können.
Genau in diesem Fall würden die Staatsanleihen für Anleger wieder interessant werden. So wandelt die amerikanische Zentralbank nach Ansicht vieler Experten auf extrem schmalem Grad. Die Risiken lassen sich längst an inflationären Entwicklungen an den Energie- und Rohstoffmärkten ablesen. Denn dort laufen die Preise schon seit Monaten wieder deutlich nach oben.