Anleihen-Terminkontrakte zählen zu den Gewinnern des Freitags. Im Verlauf des Tages haben sie zugelegt, nachdem mehrere Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten schlechter als erwartet ausgefallen sind. So gab es weniger Baubeginne als erwartet, und die Realeinkommen der Amerikaner sind gesunken. Auf Talfahrt gegangen ist auch die Inflation.
Zwar wurden in Amerika mehr Baugenehmigungen erteilt. Auch ist das Verbrauchervertrauen dem Index der Universität Michigan zufolge besser als erwartet. Diese Daten konnten jedoch dem Höhenflug der Renten-Futures nicht anhaben, die sich zuvor nach unten orientiert hatten.
Bund-Future und Bobl-Future auf neuem Jahreshoch
Der Bund-Future, ein Termin-Kontrakt auf eine idealtypische zehnjährige deutsche Staatsanleihe mit einem Nominalzinssatz von sechs Prozent, legte um 36 Basispunkte oder 0,31 Prozent auf 117,02 Prozent zu. Als Tageshoch hatte er sogar 117,09 gesehen. Er hat damit das bisherige Jahreshoch von 116,78 Prozent, das vom 10. März datiert, hinter sich gelassen. Die Rendite ist folglich gesunken. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen rentieren damit mit 3,88 Prozent, das Jahrestief vom 10. März lag bei 3,80 Prozent.
Auch der auf Bundesobligationen gemünzte Terminkontrakt Bobl-Future erreichte mit 113,15 Prozent ein Jahreshoch. Er stieg um 20 Basispunkte oder 0,18 Prozent. Der bisherige Spitzenwert von 113,0 Prozent war ebenfalls in der zweiten Märzwoche verzeichnet worden.
Anzeichen für konjunkturdämpfende Inflation
In den Vereinigten Staaten mehren sich Anzeichen für eine konjunkturdämpfende Deflation, weil außer den Erzeugerpreisen auch die Verbraucherpreise unerwartet stark gesunken sind. Diese Daten drängten den starken Anstieg des Verbrauchervertrauens, das von 86 auf 93,2 Punkte stieg, in den Hintergrund, obwohl von der Agentur Reuters befragte Volkswirte nur 86,9 Zähler erwartet hatten. Zudem wurde dieser Wert als Zeichen für einen sich im Jahresverlauf abschwächenden Konsum gedeutet. Beobachtern ist sie offenbar noch nicht hoch genug, um als wirklich positiv zu gelten.
An den Finanzmärkten wird das Konjunkturbarometer stark beachtet, weil es die Stimmung und das Kaufverhalten der Verbraucher im voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung Amerikas aus.
Gefragt als „sicherer Hafen“
Vor diesem Hintergrund dürften Renten-Futures weiter gefragt bleiben. Angesichts durchwachsener Konjunkturdaten und Deflationsängsten scheint der Anleihenmarkt vielen Anlegern als „sicherer Hafen“ weiter attraktiv zu sein. Zupaß kommen dürfte den Renten auch die Phantasie einer Leitzinssenkung in Europa.