Der Ölpreis ist hoch. Den Rentenmarkt scheint sich davon allerdings nicht großartig beeinflussen zu lassen. Der Bund-Future zumindest zeigt sich robust und hat in den vergangenen Wochen - ausgehend von seinem jüngsten Zwischentief bei 111,81 Prozent - wieder knapp 2,7 Prozent auf zuletzt 114,80 Prozent zugelegt. Der kurzfristige Trend zeigt weiterhin nach oben.
Die Verflechtungen zwischen Ölpreis und Rentenmarkt sind denn auch eine verzwickte Angelegenheit. Besonders zwei widerstreitende Effekte lassen sich identifizieren. Einerseits führen steigende Ölnotierungen zu erhöhten Inflationserwartungen. Die wirken normalerweise zinssteigernd, belasten also die Anleihekurse. Davon ist allerdings aktuell nichts zu sehen. Im Gegenteil, die kurzfristige Korrelation zwischen Ölpreis und Rendite ist negativ: steigt der Ölpreis, dann fällt die Rendite (siehe Graphik).
Rentenmarkt entwickelt sich gut, wenn der Ölpreis fällt ...
Andererseits kann ein steigender oder hoher Ölpreis die Konjunktur belasten, womit die Wachstumserwartungen geringer werden. Das wiederum wirkt zinsdämpfend. Und auf dieser Erwartungsschiene scheinen zumindest die Rentenmärkte aktuell zu fahren. Was jedoch der Erfahrung der Vergangenheit widerspricht.
Denn ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen zehn Jahr zeigt eindrucksvoll, daß sich der Rentenmarkt immer dann besonders gut entwickelt hat, wenn der Ölpreis gefallen ist und tief war. Das dürfte unter anderem mit dem damaligen Umfeld zusammenhängen. Denn noch bis vor wenigen Monaten sind die Zinsen weltweit im Trend gefallen. Umso „tödlicher“ müßte eigentlich die aktuelle Kombination zwischen hohem Ölpreis und in der Tendenz eher steigenden Zinsen sein: die Rentenmärkte müßten deutlich fallen.
... aber im Moment nicht umgekehrt
Die „unübliche“ Entwicklung läßt sich eigentlich nur damit erklären, daß die Marktteilnehmer nicht mit einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung rechnen und offensichtlich den Ölpreisanstieg nur für vorübergehend ansehen. Ein weiterer Grund dürfte die verhaltene Kursentwicklung an den Aktienmärkten zu sein, die mit zum Teil enttäuschenden Konjunkturdaten einhergehen. Auch die Erwartung, die Gewinndynamik der Unternehmen könnte sich abschwächen, dürfte den zweiten Effekt des Ölpreises auf den Rentenmarkt in den Vordergrund treten lassen.
Insgesamt gibt es wohl zwei Möglichkeiten. Entweder der Rentenmarkt hat recht und die Wirtschaftsentwicklung schwächt sich weltweit ab. Dann dürften allerdings die Börsen einen schwierigen Stand haben. Oder aber die Konjunkturoptimisten haben recht und die Weltwirtschaft zeigt sich robust und dynamisch. Dann dürfte allerdings die Lage auf Grund der rasch zunehmenden Nachfrage an den Rohstoffmärkten gespannt bleiben, für anhaltend hohe oder gar weiter steigende Preise sorgen und zu inflationären Impulsen führen. Da die wiederum mit höheren Zinsen gekontert werden müßten, käme der Rentenmarkt massiv unter Druck.
Insgesamt scheint es damit ratsam zu sein, die weitere Entwicklung an den Rentenmärkten genau zu beobachten und auf entsprechende Impulse zu achten. Denn trotz der kurzfristigen Robustheit scheinen sie im langfristigen Rückblick massiv überbewertet zu sein.