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Anleihen "Nichts wie weg aus Dodge City"

13.04.2004 ·  "Bauen Sie ein ABT-Portfolio,“ rät Rentenguru Bill Gross den Anlegern. Damit meint er „Anything But Treasuries“ oder auf Deutsch: Alles außer Staatsanleihen. Amerika sei am Ende des Zinssenkungszyklus angekommen.

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Der bekannteste und einflußreichste amerikanische Rentenfondsmanager, Bill Gross von der Allianz-Tochtergesellschaft Pimco, rät seinen Kunden, amerikanische Staatsanleihen zu verkaufen und statt dessen in Staatspapiere in der Euro-Zone und Großbritannien zu investieren.

Die Rendite der ausländischen Papiere sei höher und eine Reflationierung in diesen Regionen noch nicht so weit fortgeschritten wie in den Vereinigten Staaten. Unter Reflationierung versteht man eine expansive Zinspolitik, mit der die Notenbanken der Gefahr sinkender Preise (Deflation) entgegentreten wollen. "Kurz gesagt, ich empfehle, um Himmels willen aus Dodge City, USA, zu verschwinden und das Geld statt dessen in London und Frankfurt neu zu investieren", schreibt Gross in seinem vielbeachteten monatlichen Investmentausblick.

Amerika am Ende des Zinssenkungszyklus

Das amerikanische Arbeitsministerium hatte eine überraschend stark gestiegene Beschäftigung im März gemeldet. Dieser Indikator für Konjunkturwachstum hatte umgehend für steigende Renditen bei amerikanischen Staatspapieren gesorgt, die jedoch immer noch unter denjenigen der Eurozone liegen. Der Grund für den Renditeanstieg war die nun zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung. Die Arbeitsmarktlage, die in den Monaten davor angespannt war, gilt als der wichtigste Aspekt für die Zinspolitik der Notenbank Fed. Die Spekulation auf einen steigenden Leitzins wurde zudem durch Hinweise auf eine Beschleunigung der Inflation angefacht, die sich in den vergangenen Wochen mehrten. So sind etwa Rohstoff- und Edelmetallpreise gestiegen.

Gross ist der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten am Ende des Zinssenkungszyklus angekommen seien. Der Zielzinssatz für Tagesgeld beträgt derzeit nur ein Prozent. In den vergangenen Jahren hatten Anleger mit amerikanischen Staatsanleihen gute Renditen erzielt. Seit die Fed die Zinsen von 6,5 Prozent Anfang 2001 stetig zurückgenommen hatte, habe der Rentenmarkt eine Rendite von insgesamt 26 Prozent erbracht, schreibt Gross. Die Gesamtrendite setzt sich aus Zinserträgen und Kursgewinnen zusammen. Kursgewinne seien für 6 Prozent der Rendite verantwortlich gewesen, rechnet Gross vor. Die Kurse von festverzinslichen Wertpapieren steigen, wenn die Zinsen fallen, und umgekehrt.

„Schlechteste aller Welten" für Anleihenbesitzer

Am Ende des Zinssenkungszyklus befänden sich Besitzer von Anleihen aber in der "schlechtesten aller Welten", konstatiert Gross. Anleger bekämen nicht nur einen niedrigen Realzins, sondern sähen auch dem unausweichlichen Tag entgegen, an dem die Zinsen wieder steigen und die Kurse fallen würden. Die Investoren seien daher gestraft, wenn sie kurzfristige Geldmarktpapiere mit einem Kupon von einem Prozent kauften. Und sie seien ebenso gestraft, wenn sie in dreißigjährige Staatspapiere mit einem Kupon von 4,8 Prozent investierten, die "fast unausweichlich" Kursverluste produzieren würden. Gross schätzt, daß Investoren in amerikanischen Staatsanleihen in den kommenden vier bis fünf Jahren mit einer Gesamtrendite von lediglich rund 2 Prozent rechnen können. Für deutsche Anleger gebe es zudem Währungsrisiken.

In Regionen, wo die Inflation noch nicht wiederauflebe, könnten Investoren dagegen von steigenden Anleihekursen profitieren, wenn die Zinsen weiter zurückgingen. Die Europäische Zentralbank beispielsweise hat noch Raum, den Leitzins von derzeit 2 Prozent weiter zu senken.

"Bauen Sie ein ABT-Portfolio: Anything But Treasuries (alles außer Staatsanleihen)", rät Gross, der daneben auch inflationsgeschützte Staatsanleihen (TIPS) empfiehlt. Amerikanische Staatspapiere sollte man dagegen an die Japaner und Chinesen weiterreichen, deren Sorge um das Inlandswachstum ihre Anlagepolitik bestimme, meint Gross. Japan und China sind die größten nichtamerikanischen Besitzer von amerikanischen Staatsanleihen. Die beiden Nationen haben im vergangenen Jahr diese Anleihen massiv gekauft, um den Dollar zu stützen. Ein schwacher Dollar bedroht deren Exporte nach Amerika, weil die Güter aus amerikanischer Sicht teurer werden.

Quelle: nks., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2004, Nr. 87 / Seite 21
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