25.10.2004 · Trotz aller zwischenzeitlicher Unkenrufe fallen an den Rentenmärkte die Rendite im Trend. Kurzfristig ist dafür die Verunsicherung der Anleger und die Wirtschaftsskepis verantwortlich. Langfristig ist aber die Korrektur unvermeidlich.
Im Vergleich zu Jahresbeginn hat sich die Stimmung an den Rentenmärkten deutlich gewandelt. Damals ging alle Welt vor dem Hintergrund der im vergangenen Jahr stark gestiegenen Börsen und des anhaltenden Wirtschaftsoptimismus davon, daß die Weltkonjunktur weiter stark bleiben würde.
Aus diesem Grund würden die Unternehmen gute Geschäfte machen und Umsätze und Erträge deutliche steigern können. Das würde auch dazu führen, daß die Unternehmen wieder mehr Leute einstellen und damit indirekt den Konsum ankurbeln würden. Folglich wären die massiven staatlichen Wirtschaftsanreize in Form massiver Staatsausgaben, tiefer Steuern und vor allem auch extrem tiefer Zinsen nicht mehr nötig.
Börsenbullen und Rentenbären sehen sich getäuscht...
Im Gegenteil. Denn bei einer anhaltend boomenden Wirtschaft und einem sich entspannenden Arbeitsmarkt würden früher oder später die Löhne steigen und die Unternehmen zwingen, auf Grund steigender Kosten die Preise zu erhöhen. Auf steigende Preise wiederum müßte die Zentralbank mit deutlich und möglichst vorbeugend erhöhten Zinsen reagieren und damit die Anleihen unter Druck setzen, so die Logik. Sie machte zu Jahresbeginn viele Anleger pessimistisch für die Rentenmärkte.
Von März bis Mitte Juni schien diese Rechnung auch aufzugehen. Der Bund-Future mußte deutliche Kurseinbußen hinnehmen. Viele Marktteilnehmer dachten, das sei erst der Anfang einer längerfristigen Baissephase am Rentenmarkt. Dann kam allerdings alles ganz anders.
Denn erstens entwickelt sich der amerikanische Arbeitsmarkt bei weitem nicht so positiv, wie vielfach erwartet worden war. Nicht nur die in den vergangenen Jahren abgebauten Arbeitsplätze können nicht wettgemacht werden, sondern auch die neu an den Markt kommenden Personen stoßen auf Schwierigkeiten, adäquate Arbeitsplätze zu finden. Gleichzeitig entwickeln sich auch die Unternehmensgewinne weniger robust als vielfach prognostiziert worden war. Dazu kommen die steigenden Rohstoffpreise, insbesondere das immer teurer werdende Öl. Sie lassen die Vermutung aufkommen, das impulsinduzierte amerikanische Wirtschaftswachstum könne sich langsam im Sande verlaufen. Denn den Unternehmen und den Konsumenten wird auf diese Weise Geld entzogen.
Anpassung der globalen Ungleichgewichte läßt sich nicht ewig verschieben
Aus diesem Grund kommen die Börsen im laufenden Jahr nicht mehr vor Fleck. Im Gegenteil: Auf Grund der sich immer mehr verdichtenden Wirtschaftsskepsis drohen sie sogar nach unten durchzubrechen. Dafür ist dürfte auch der Blick auf die strukturellen Defizite des Landes - starke Verschuldung, geringe Sparquote, starke Abhängigkeit vom immer mehr gefährdeten Import günstigen Kapitals - verantwortlich sein. Das noch im Überfluß vorhandene Geld fließt vor allem in den überhitzten Immobilienmarkt, statt die Inflationsrate bisher stärker nach oben zu bewegen. Da sich die amerikanische Zentralbank für die Preisblasen aber nicht verantwortlich fühlt, wird vermutet, sie könnte den begonnenen Zinserhöhungszyklus aussetzen oder wenigstens verlangsamen.
Die Sorge über die schwachen Börsen und die Erwartung, der amerikanische Leitzins werde nur zögerlich - wenn überhaupt - weitersteigen, läßt die Anleger trotz der rekordtiefen Renditen derzeit wieder an die Rentenmärkte strömen. Nicht zuletzt, weil Garantiefonds und andere rein mechanisch dazu gezwungen werden. Mit einem Plus von 35 Stellen auf 117,25 Prozent erreicht der Bund-Future am Montag den höchsten Stand seit Juli des Jahres 2003. Die Trends der Anleihepreise zeigen nach oben, die der Renditen nach unten. Sie dürften sich auf Grund der Stimmung vorerst weiter fortsetzen.
Allerdings dürfte es ratsam sein, die weitere Entwicklung sorgfältig zu beobachten. Denn die große Ungekannte liegt in den globalen Ungleichgewichten. Sie kamen zustande, weil die Zentralbanken einerseits Preisblasen in den verschiedenen Märkten nicht rechtzeitig bekämpften. Zweitens durch die Manipulation der Wechselkurse in Asien. Sie führten dazu, daß die asiatischen Staaten einerseits internationale Wettbewerbsvorteile haben und halten. Andererseits bleiben die Zinsen in China, Japan und Amerika unnatürlich tief. Eine Anpassung in allen Punkten wird früher oder später unvermeidlich sein. Dann dürfen Anleger auf keinen Fall den Trendwechsel verpassen.