"Was ist der Unterschied zwischen Japan und Argentinien?" Antwort: "Zwei Jahre." Dieser derzeit bei Dinner-Parties in Tokio herumgereichte Witz klingt zwar etwas übertrieben, er signalisiert aber, wie ernst die Lage im deflationären Japan ist.
Die Wirtschaft lahmt, der Yen und der Aktienmarkt schwächelt und die Bankenkrise schwelt ungelöst vor sich hin. Und nun droht auch noch Ungemach vom Rentenmarkt. Denn dort steigen die Renditen, was angesichts der Konjunkturschwäche zunächst unverständlich anmutet.
Renditen auf Viermonatshoch
Trotzdem notieren die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen bei 1,425 Prozent, und damit auf einem Viermonatshoch. Der JGB-Future notiert mit 137,10 Prozent so niedrig wie seit dem 9. Februar 2001 nicht mehr. Dies ist rein charttechnisch betrachtet deshalb gefährlich, weil bei einem Rutsch unter 137 Prozent auch schnell ein Absacken bis auf rund 134 Prozent denkbar erscheint. Das explosive fundamentale Gemisch, dass sich im Hintergrund zusammen braut, lässt durchaus weiter steigende Renditen erwarten.
Als Treibsatz für diese Entwicklung könnten sich die Probleme im Bankensektor entpuppen. Hier schlummert eine unvorstellbar hohe Zahl notleidender Kredite. Getrost darf man die auf 1,3 Billionen Euro taxieren.
Eine überzeugende Lösung, wie diese faulen Kredite "entsorgt" werden, gibt es bisher nicht. Neuerdings spekulieren Marktteilnehmer wieder vermehrt auf staatliche Finanzspritzen. Doch von den Beobachtern, wie den Ratingagenturen, würde ein solcher Schritt angesichts der bereits hohen Staatsverschuldung von rund 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bestimmt sehr negativ aufgenommen. Als Reaktion darauf könnten sogar weitere Abstufungen bei der Kreditwürdigkeit drohen. In Japan wird man dies zwar zu verhindern versuchen, dennoch kann es sein, dass Ministerpräsident Koizumi zu diesem Schritt gezwungen wird. Nämlich dann, wenn im Zuge der zum 1. April deutlich gesenkten staatlichen Einlagensicherung die japanischen Sparer mit Angst und der Abhebung von Spargeldern reagieren.
Bankenkrise als größter Gefahrenherd
In diesem Falle würde die Stunde der Skeptiker wie Valentin Hofstätter schlagen. Der Rentenanalyst der Raiffeisen Zentralbank in Österreich blickt mit Unbehagen auf den Finanzplatz Tokio. Er befürchtet eine Zuspitzung der Lage und kann sich zum Ende des dritten Quartals einen Renditeanstieg bis auf 1,70 Prozent und eine zum Dollar auf 140 Yen abrutschende Währung vorstellen. Sollte es allerdings tatsächlich so kommen, könnte dies die Negativ-Spirale sogar noch weiter verschärfen. Denn es sind gerade die hoch verschuldeten Banken die am Rentenmarkt positioniert sind. Drohen in der ohnehin schon prekären Ausgangslage weitere Verluste bei den Anleihen am Rentenmarkt, dann droht die Bankenkrise endgültig zu eskalieren.
Vor diesem Hintergrund blickt Hofstätter den kommenden Wochen mit großer Spannung entgegen: Für ihn stellt sich die Lage wie folgt dar. "Wenn alles gut geht, kann es schon sein, dass eine Eskalation noch einmal verhindert werden kann. Aber wenn nur ein Pfeiler wegbricht, dann kann sich die Krise sehr schnell zuspitzen." Anlass genug also, wie schon des öfteren in den vergangenen Jahren, mit bangen Erwartungen dem Ende März zu Ende gehenden Fiskaljahres in Japan entgegen zu blicken.