15.01.2003 · Mit den stärksten Kursgewinnen seit dreieinhalb Monaten reagieren die Rentenmarktfutures in Japan auf einen steigenden Yen.
Die Rentenmarktfutures in Japan verzeichneten am Mittwoch die stärksten Kursgewinne seit dreieinhalb Monaten. Der Märzkontrakt des JGB-Futures, der sich auf eine Anleihe mit zehnjähriger Restlaufzeit und einem Kupon von sechs Prozent bezieht, ist um 54 Stellen auf 142,25 Prozent gestiegen.
Da der Yen entgegen der Erwartungen vieler Marktteilnehmer in jüngster Zeit eher zur Stärke als zur Schwäche neigt, verstärken sich die Ängste vor einer anhaltenden Deflation und führen zu einer verstärkten Nachfrage nach Anleihen. Am Mittwoch sind nur noch 118 Yen nötig, um einen Dollar zu erwerben, nachdem sich der Konsum in den USA unerwartet schwach gezeigt hat. Anfang Dezember des vergangenen Jahres waren dafür noch knapp 125 Yen notwendig gewesen.
Deflation macht Rentenpapiere interessant
„Der steigende Yen stellt einen großen Anreiz dafür dar, Anleihen zu erwerben“, sagt Fondsmanager Masahiro Kami von Daiwa Investments. „Die deflationären Tendenzen dürften für weitere drei Jahre anhalten, manche reden sogar schon von fünf Jahren“, ergänzt er. Die Preise für Konsumgüter - abgesehen von Lebensmitteln - sind zuletzt im April des Jahres 1998 gestiegen. Fallende Preise jedoch machen selbst die japanischen Anleihen noch interessant, obwohl sie nominal eine Verzinsung von weniger als einem Prozent haben. Die Anleihe mit der Nummer 245, mit einem Kupon von 0,9 Prozent und einer Laufzeit bis ins Jahr 2.012 rentiert bei einem Preis von 100,5 Prozent mit gerade einmal 0,845 Prozent.
Kami fährt in seinem Anleiheportfolio eine überdurchschnittlich hohe Duration. Das heißt, es ist überdurchschnittlich empfindlich für Zinsänderungen. Er geht davon aus, dass die Rendite in den kommenden Monaten sogar auf 0,75 Prozent fallen könnte. Grund dafür ist die schwache Wirtschaftsentwicklung. Die Regierung prognostiziert für das am ersten April beginnende neue Jahr ein Wachstum von gerade einmal 0,6 Prozent. Die Auftragseingänge sind im November überraschend um 0,2 Prozent gefallen. Experten hatten dagegen einen Anstieg um 1,8 Prozent erwartet.
Bei steigendem Yen sind inländische Anleihen gefragt
Die „heimischen“ Anleihen sind für japanische Anleger auch deswegen interessant, weil sie bei einem steigenden Yen den Appetit für amerikanische Rentenpapiere dämpfen. „Man kann denn Kauf der Treasuries kaum rechtfertigen, wenn der Yen zulegt“, sagt beispielsweise Fondsmanager Osamu Koizumi von Yasuda Capital Management. Denn die dort erzielbare höhere Rendite würde durch die Währungsveränderung unter Umständen sogar überkompensiert werden. Gerade vor dem Ende des Fiskaljahres in Japan kommt es immer wieder zu Geldzuflüssen, die den Yen nach oben treiben.
Insgesamt mag sich der eine oder andere Anleger fragen, wieso man sich überhaupt noch mit einem Markt mit so geringen Renditen beschäftigt. Aber erstens sind die Realrenditen auf Grund der negativen Inflationsraten höher. Und zweitens zeigt es deutlich, wohin die europäischen oder die US-Rentemärkte noch laufen könnten, wenn es dort zu einer deflationären Entwicklung kommen sollte.