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Anleihen Inflationsindexierte Staatsanleihen werden zur "Modewelle"

22.09.2003 ·  Nach Amerika, wo inflationsgeschützte Anleihen schon länger auf dem Markt sind, kommen sie nun auch in Europa in Mode. Zumindest die jüngste Emission Italiens war stark gefragt.

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Anleihen, vor allem Staatsanleihen haben den Ruf, relativ sichere Anlagen zu sein. Zumindest für den, der sie erwirbt und bis zum Ende der Laufzeit behält. Denn im fließt jährlich über die Kuponzahlungen Geld zu und zum guten Schluß erhält er das am Anfang eingesetzte Nominalkapital in voller Höhe zurück. Das ergibt zusammen mit dem ursprünglich für das Papier bezahlten Preis die Rendite des Investments.

Zumindest nominal. Und das ist der Knackpunkt. Denn die Renditerechnung geht für den Anleger natürlich nur dann wirklich auf, wenn er nicht mit einer hohen Inflationsrate rechnen muß. Die „frißt“ ihm einen großen Teil der nominal erzielten Einkünfte auf. Aus diesem Grund werden Anleihen in einem Umfeld hoher Preissteigerungsraten relativ uninteressant und sinken in ihrem Wert. Denn wenn das Preisniveau ständig und unter Umständen gar schnell steigt, dann wird das nominal erhaltene Geld entsprechend weniger wert. Und dieser Effekt wird bei der Bewertung von Anleihen einkalkuliert.

In Europa kommen immer mehr indexierte Anleihen auf den Markt

Dazu gibt es Alternativen: die inflationsgeschützten Anleihen. In Amerika und Großbritannien sind sie schon länger auf dem Markt und auch in Kontinentaleuropa scheinen sie immer mehr in Mode zu geraten. Vor wenigen Jahren hat der französische Staat schon mehrere Tranchen emittiert und nun hat Italien nachgezogen und stieß damit auf eine starke Nachfrage. Das Angebot wurde deswegen sogar von ursprünglich geplanten zwei bis drei Milliarden Euro auf sieben Milliarden erhöht.

Was ist der „Witz“ an der Geschichte? Ganz einfach, sowohl die Kupons als auch der Rückzahlungsbetrag erhalten eine variable Komponente, die von der Inflationsentwicklung abhängt. Steigt das Preisniveau - bei den neu emittierten italienischen Festverzinslichen ist der harmonisierte Konsumentenpreisindex der Eurozone entscheidend -, so muß der italienische Staat sowohl entsprechend höhere halbjährliche Kupons und einen höheren Endbetrag auszahlen. Mit diesem Mechanismus wird gewährleistet, daß der Käufer der Anleihe nicht nur nominal, sondern auch real auf seine Rechnung kommt.

Die „kritische Inflationsrate“ für diese fünfjährige Anleihe liegt bei 1,8 Prozent. Das ist das, was der Markt momentan erwartet. Liegt die Preisentwicklung während der Laufzeit darüber, so hat der Käufer einer inflationsgeschützten Anleihe im Vergleich mit dem Kauf einer normalen Anleihe einen Vorteil. Liegt sie allerdings darunter - sollte es also beispielsweise zu einer massiven deflationären Entwicklung kommen -, so schneidet der Anleger im Vergleich mit normalen Anleihen entsprechend schlechter ab.

Instrumente können sich nicht von Marktbewegung abkoppeln

„Normale Anleihen“ sind also der entscheidende Vergleichsmaßstab. Denn abgesehen von der auf die Entwicklung der Inflationsrate bezogenen variablen Komponente verhalten sich die inflationsgeschützten Anleihen „normal“ und reagieren auf Veränderungen in der Kreditwürdigkeit der Schuldner und auf Bewegung in der Zinslandschaft. Sollte also beispielsweise wider allem aktuellen Erwarten die Inflationsrate auf Grund der international hohen Geldmengen schnell und deutlich anspringen, dann würden die Notenbanken mit einer Reduktion der Geldmengen und oder der Anhebung der Leitzinsen reagieren. In diesem Fall würden auch die inflationsindizierten Papiere mit deutlichen Kursverlusten reagieren. Allerdings würden die nicht so stark ausfallen wie bei den „normalen“ Papieren, da sich ja Kupons und Rückzahlungsbeträge erhöhten.

Damit lohnen sich inflationsgeschützte Anleihen vor allem dann, wenn die Preise schneller steigen als erwartet. Und das ist zumindest auf Sicht von fünf Jahren - der Laufzeit der italienischen Anleihen - auf der Grund der anhaltenden deflationären Phänomene - günstige Importe, steigender Euro - momentan noch nicht so richtig absehbar. In Deutschland wird auch die steuerliche Frage übergenau und gründlich genommen. Kursgewinne, die auf den variablen Bestandteilen beruhen, werden als Innovation betrachtet und sind damit steuerpflichtig.

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