Norwegen galt noch bis vor Kurzem als europäische Wachstumsinsel. Das Land konnte nicht nur gut von seinen Öleinnahmen leben, sondern auch der Export florierte die längste Zeit. Das machte sich in hohen Lohnabschlüssen bemerkbar, was die Notenbank dazu zwang, die Zinszügel straff zu halten.
Hohe Zinsen wiederum machten die Anleihen des Landes vor allem für ausländische Anleger interessant und zogen - bei beinahe weltweit sinkenden Zinsen - entsprechend das internationale Kapital an. Das machte sich vor allem beim Wechselkurs bemerkbar, denn die Krone wertete immer weiter auf. Waren Anfang des Jahres 2002 noch mehr als neun norwegische Kronen notwendig, um einen Dollar zu erwerben, so sind es aktuell gerade noch etwas mehr als sieben Kronen. Gegen den Euro sah die Entwicklung ähnlich aus.
Notenbank stemmt sich mit Zinssenkungen gegen starke Währung
Die starke Währung beeinträchtigte jedoch immer mehr die Exporte, sodass sich auf diesem Umweg auch in Norwegen immer mehr die flaue Weltkonjunktur bemerkbar macht. Die Notenbank interveniert verbal und hat nun nicht nur die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr von zwei auf ein Prozent reduziert, sondern die sich verlangsamende Inflationsentwicklung zu einer Leitzinssenkung um 50 Basispunkte auf 5,5 Prozent genutzt. Das ist der tiefste Stand seit drei Jahren - nach der dritten Zinssenkung seit Dezember.
Die zehnjährige Staatsanleihe mit einem Kupon von 6,5 Prozent reagierte darauf mit einem Kursanstieg um 13 Basispunkte auf 110,08 Prozent. Das ist relativ verhalten, allerdings hat der Markt schon eine prächtige Entwicklung hinter sich und mit einem Kursgewinn von 4,5 Prozent allein im laufenden Jahr schon eine entsprechende Entwicklung vorgenommen. Die Rendite liegt mit 5,2 Prozent nahe an ihrem Tief von 5,14 Prozent Ende Februar. Der Markt scheint damit eine weitere Leitzinssenkung zu erwarten.
In Norwegen Währungsentwicklung berücksichtigen
Angesichts der verhaltenen Weltkonjunktur wird sie nur eine Frage der Zeit sein. Denn sowohl die Industrie als auch die Gewerkschaften stellen entsprechende Forderungen. Allerdings dürfte sich die Notenbank vorsichtig verhalten. Sollte sie zu aggressiv vorgehen, könnte das die Währung weiter unter Druck setzen. Und eine kontinuierliche Abwertung dürfte nicht ihr Ziel sein, da sonst die internationalen Anleger ihre Gelder abrupt abziehen könnten. Denn bei einer stark schwächelnden Währung wären Kursgewinne bei Anleihen relativ uninteressant.
Auch in Schweden gibt es Zinssenkungsfantasie. Der Markt geht davon aus, dass die Riksbank spätestens bis zum Mai den Reposatz von 3,75 auf 3,6 Prozent senken wird. Eine sinkende Inflation und verhaltenes Wachstum machen es wahrscheinlich. Dabei könnten zwar steigende Energiepreise bedenklich stimmen, allerdings betrachtet die Notenbank diesen Effekt als temporäres Phänomen. Notenbankchefin Irma Rosenberg geht sowohl von langsamer steigenden Preisen als auch von einem schwächer werdenden Wachstum aus. Beides deutet auf eine Leitzinssenkung hin.
In Dänemark dürfte die weitere Entwicklung von der Europäischen Zentralbank abhängen, da das Land seine Währung an den Euro angebunden hat. „Die EZB wird die Leitzinsen sehr wahrscheinlich senken und Dänemark hat keinen andere Wahl als zu folgen“, erklärt Jonas Andersson von der Nordea Bank.
„Nordische“ Papiere bieten noch einen Zinsvorteil
Insgesamt dürften die Rentenpapiere dieser Länder nicht nur von den anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten profitieren, sondern auch von der anhaltenden Zinssenkungsfantasie. Dabei haben sowohl norwegische Papiere mit einer Rendite von 5,19 Prozent bei zehnjährigen Papieren, als auch Schwedische mit einer Rendite von 4,4 Prozent als auch Dänische mit 4,1 Prozent noch einen leichten Zinsvorteil zu denen der Länder der europäischen Währungsunion. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 3,87 Prozent.
Während sich die schwedische Krone zum Euro relativ stabil zeigt, sollte bei Anlagen in Norwegen der Blick auf die Währungsentwicklung nicht vergessen werden. Denn der starke Aufwertungstrend der vergangenen Jahre - der für ausländische Anleger attraktive Zinsen mit Währungsgewinnen verband - dürfte sich in dieser Form nicht so schnell wiederholen lassen.