16.09.2006 · Zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit kaum mehr ab als zweijährige Papiere. Viele Privatanleger parken ihr Geld deshalb erst einmal auf einem Festgeldkonto. Manche Fachleute halten allerdings auch Langläufer für durchaus attraktiv.
Schwierige Zeiten für Kuponjäger: Zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit nur rund 3,8 Prozent ab - kaum mehr als zweijährige Bundesanleihen mit 3,67 Prozent. So gering war der Zinsvorsprung der Langläufer schon seit sechs Jahren nicht mehr. Viele private Anleger neigen deshalb dazu, Kurzläufer zu bevorzugen oder das anzulegende Geld erst einmal auf einem Festgeldkonto zu parken, bis die Renditen wieder höher sind. Manche Fachleute halten allerdings auch Langläufer für durchaus attraktiv.
Hinter dem geringen Renditeabstand zwischen Kurz- und Langläufern steht, daß sich das gesamte Zinsniveau seit Jahresbeginn nach oben verschoben hat, allerdings am kurzen Ende des Marktes stärker als am langen. Damit haben die Renditen auf die Erhöhung des Euro-Leitzinses reagiert, den die Europäische Zentralbank (EZB) seit Dezember 2005 in vier Schritten von 2 auf 3 Prozent angehoben hat. Zwei weitere Zinsschritte im Oktober und Dezember auf dann 3,5 Prozent gelten als wahrscheinlich. „In den aktuellen Renditen hat der Markt dies bereits weitgehend vorweggenommen“, sagt Martin Hartmann, der bei der Dresdner Bank die Anleihemarktstrategie leitet. Wer jetzt zweijährige Bundesanleihen kaufe, bekomme die höhere Rendite also gewissermaßen schon im vorhinein.
„Das Umfeld ist bis Jahresende nicht freundlich“
Gregor Azar, Leiter „Portfoliomanagement Renten“ bei der Deutschen Bank, sieht das ähnlich. Er hält deswegen auch nichts von der Überlegung, zur Anlage verfügbare Gelder zunächst einmal auf einem Festgeldkonto zu „parken“, bis die EZB ihren Leitzins Anfang Dezember auf 3,5 Prozent angehoben haben dürfte. In der Zwischenzeit verschenke der Anleger möglichen Zinsertrag. Die Deutsche Bank beispielsweise verzinst privaten Anlegern derzeit für drei Monate angelegtes Geld nur mit 2,65 Prozent - etwa ein Prozentpunkt weniger, als zweijährige Papiere erbringen. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung Max Herbst zahlt die Citibank für Dreimonatsgeld aktuell 3,1 Prozent Zinsen und hat damit das beste Angebot. Im Durchschnitt würden rund 2,4 Prozent gezahlt. Auch bei täglich kündbarem Tagesgeld beträgt der Spitzenzins laut FMH 3,1 Prozent, der durchschnittliche Zins 2,4 Prozent.
Anders als Azar rät Miraji Othman, ein Anleihefachmann bei der BHF-Bank, Gelder bis auf weiteres als Tagesgeld anzulegen, auch wenn dies zunächst weniger Rendite einbringe. Sein Argument: An den Märkten herrsche derzeit übertriebener Konjunkturpessimismus. Deshalb sei das Zinsniveau generell gedrückt. Schon bald aber dürfte sich dieser Pessimismus durch neue Konjunkturdaten als überzogen erweisen, und die EZB könnte zudem eine Zinsanhebung auf 3,75 Prozent im kommenden Jahr andeuten. Das dürfte dann die Anleiherenditen steigen und die Anleihekurse fallen lassen - und den Anlegern damit Kurseinbußen bescheren. „Zweijährige Bundesanleihen werden am Jahresende mit 3,8 Prozent rentieren, zehnjährige mit 4,1 Prozent“, sagt Othman voraus. Seine Schlußfolgerung: „Das Umfeld für die Rentenmärkte ist bis Ende des Jahres nicht freundlich.“
Warnung vor Inflationsgefahren
Othman spielt damit darauf an, daß unlängst mehrere Mitglieder des EZB-Rats vor Inflationsgefahren gewarnt haben. Dahinter steht die Sorge, daß sich die Inflationserwartungen der Bürger auf einem Niveau oberhalb von knapp 2 Prozent verfestigen und damit oberhalb der Teuerungsrate, die die EZB mittelfristig ansteuert. Im August waren die Erwartungen für die durchschnittliche Inflation in den nächsten zehn Jahren auf 2,25 Prozent geklettert - was der EZB zu hoch ist.
Azar geht gleichwohl davon aus, daß die EZB den Leitzins nicht auf mehr als 3,5 Prozent anheben wird. Seine Begründung: Im Euro-Raum dürfte sich die Konjunktur in nächster Zeit abschwächen und damit die Inflationsgefahren eindämmen. Zur Begründung verweist er darauf, daß sich das Wirtschaftswachstum in Amerika bereits deutlich verlangsamt hat. Das werde über geringere Exporte auf den Euro-Raum abstrahlen. Belastungen für die hiesige Konjunktur sehen Fachleute zudem in der Anhebung der deutschen Mehrwertsteuer und den erhöhten Leitzinsen. Ferner zeichne sich ab, daß der Euro gegenüber dem Dollar aufwerte, da die Leitzinsen in Amerika im kommenden Jahr wohl wieder sinken dürften.
Gesamtrendite von etwas mehr als 4 Prozent
Wegen der von ihm unterstellten konjunkturellen Abkühlung hält Azar in den kommenden Monaten einen leichten Rückgang der Langläufer-Renditen für wahrscheinlich. Hartmann sieht das ähnlich. In zwölf Monaten dürften zehnjährige Bundesanleihen nur noch 3,6 bis 3,7 Prozent abwerfen, sagt er voraus. Wer diese Papiere jetzt kaufe, könne somit zusätzlich auf einen kleinen Kursgewinn hoffen. Beide Experten empfehlen deshalb, in einem Anleihedepot Kurz- und Langläufer überzugewichten.
Untergewichten sollten Anleger Papiere mit Laufzeiten von vier bis sieben Jahren. Denn in diesem Laufzeitenbereich seien die Renditen derzeit unattraktiv, sagt Azar. Eine solche Ausrichtung ergebe eine optimale Mischung aus Zinseinnahmen und Chancen auf leichte Kursgewinne und begrenze zugleich das Risiko, bei einem unerwarteten Anstieg der Renditen deftige Kurseinbußen zu erleiden. Mit dem von ihm empfohlenen Depot sei auf Sicht von einem Jahr eine Gesamtrendite von etwas mehr als 4 Prozent zu erwarten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,63 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |