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Veröffentlicht: 21.02.2016, 17:27 Uhr

Aktie oder Anleihe? 5 Prozent mit der Deutschen Bank

Das Desaster der Deutschen Bank hat auch sein Gutes: Ihre Anleihen lohnen sich – für alle, die glauben, dass die Bank morgen noch steht.

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© AP Ragt hoch in den Himmel: Das Hauptquartier der Deutschen Bank in Frankfurt

Das Elend der Deutschen Bank ist hinlänglich beschrieben, jetzt gilt es, Honig daraus zu saugen. Wer sich an die zum Zockerpapier verkommene Aktie nicht wagt, dem jagen plötzlich die Anleihen das Adrenalin ins Hirn: Fünf Prozent Rendite, das ist doch was in diesen trüben Tagen! Diesen Energiestoß nutzen wir für das Börsenspiel, mit dem wir die Leser der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung herausfordern.

Georg Meck Folgen:

20.000 echte Euro habe ich, der Redakteur dieser Zeitung, gesetzt – und zuletzt arg gelitten. Die Wende leitet jetzt die Deutsche Bank ein, ihre Anleihe haben wir diese Woche gekauft, wie so viele andere Privatanleger auch. „DB7XJJ“ ist der Hit, seit Tagen auf den vordersten Plätzen der meistgehandelten Anleihen. „Risikofreudige Anleger greifen jetzt zu“, berichtet die Frau von der Stuttgarter Börse.

Ein Geschenk des Himmels

Schelten Sie uns Hobby-Spekulanten deswegen nicht! Uns treibt nicht der Leichtsinn, wir betreiben auch keine Leichenfledderei. Wir sind in guter Absicht unterwegs, haben uns redlich informiert, haben Anleihehändler wie Vermögensverwalter befragt, uns in der Deutschen Bank selbst umgehört. Das Ergebnis: Wer unsere neue Lieblingsanleihe zu einem Kurs von 85 oder 86 Prozent nicht kauft, ist selbst schuld – oder glaubt fest daran, dass „Deutschlands einzige Bank von Weltrang“ demnächst untergeht.

So schwarz sehen wir die Welt nicht, haben aber leider nur 3000 Euro flüssig, sonst würden wir den Freunden in den Doppeltürmen noch mehr leihen. Denn wie sagt Georg von Wallwitz, angesehener Vermögensverwalter in München: „Es ist ein guter Zeitpunkt für Bankanleihen.“ Im Lärm um einstürzende Banken erinnert der Haudegen an eine alte Börsenregel: „Wenn die anderen gierig sind, soll man sich fürchten. Wenn die anderen sich fürchten, soll man gierig sein.“ Und im Moment ist sehr viel Angst im Markt, gerade was die Banken betrifft. „Panikartige Bewegungen“ hat Jan Seifert, oberster Anleihemanager der Deka, beobachtet.

Mit den Aktien sind die Anleihen nach unten gerauscht, die Risikoaufschläge sind hochgelaufen – plötzlich sind die Papiere weit attraktiver als noch vor Wochen, ein Geschenk des Himmels, gemessen an Bundesanleihen. Für unseren neuen Liebling, eine sogenannte Nachranganleihe, hat sich die Rendite seit Anfang Januar fast verdoppelt. Nachrangig heißt: Falls der Konzern kippen sollte, würden vorrangige Gläubiger zuerst bedient.

Der schüchterne Privatanleger bevorzugt Nachranganleihen

Wer noch einen Rest an Vertrauen in Banken hat, wer zwischendurch auch mal etwas Gerumpel aushalten kann, für den seien Nachranganleihen durchaus eine Alternative, rät Anleihemanager Seifert. Die Profis der ganz mutigen Art greifen zu Cocos, „Convertible Bonds“, einer waghalsigen Konstruktion nahe am Eigenkapital und meist erst ab 100.000 Euro zu haben, da sehr komplex und im Zweifel gefährlich. Der schüchterne Privatanleger bevorzugt die solidere Form nachrangiger Anleihen wie eben unsere von der Deutschen Bank, die gibt es auch in 1000-Euro-Portionen gestückelt. Wer ein bisschen mehr Geld hat, verstreut es sicherheitshalber über mehrere Bankhäuser (oder steckt es gleich in einen entsprechenden Fonds).

 
Investieren in die Deutsche Bank? @MeckGeorg macht’s
 
Warum eine Anleihe der Deutschen Bank interessanter sein könnte als die Aktie

Für die Nachranganleihe der Rabobank, mit unbegrenzter Laufzeit, kalkuliert Vermögensverwalter Georg von Wallwitz mit sechs Prozent Rendite, die der Royal Bank of Scotland, wo der britische Staat als Haupteigentümer Stabilität verspricht, liegt in derselben Marge, ebenso die der Ersten Bank der österreichischen Sparkassen. Auch mit einer Credit-Suisse-Anleihe sind immer noch fünf Prozent drin. All diese Wertpapiere legt Georg von Wallwitz für seine vermögende Klientel ins Depot. Nur von der Deutschen Bank hat er nichts Entsprechendes im Portfolio: „Das Haus ist stabil, aber wir fühlen uns wohler mit Anleihen von Banken, die ein klares Geschäftsmodell haben. Damit tut sich die Deutsche Bank gerade schwer.“

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Exakt dies ist der Grund, warum wir vor der Aktie des Konzerns zurückschrecken, selbst zu Ausverkaufspreisen von 15 Euro. Für die Anleihe sticht das Argument weniger: Die Deutsche Bank muss nicht an die Weltspitze turnen, um uns als Gläubiger zu beglücken. Es reicht, dass sie ausreichend flüssig bleibt, um jedes Jahr die Kupons (2,75 Prozent) zu bedienen – und zum Ende der Laufzeit, im Jahr 2025, den Nennwert zurückzuzahlen. Mit anderen Worten: Die Deutsche Bank darf nicht kippen, zumindest nicht vor dem Jahr 2025. Alles andere ist egal, und schon geht unsere Fünf-Prozent-Wette auf. Das Risiko also ist überschaubar.

„Das Szenario, dass eine systemrelevante Bank insolvent werden könnte, ist unwahrscheinlich“, sagt Jan Seifert von der Deka. Ja, Banken haben mit allem Möglichen zu kämpfen in Zeiten von Negativzinsen. Mangelnde Liquidität aber ist nicht das Problem. Fünf Milliarden Euro hat die Deutsche Bank vor zehn Tagen ausgelobt, um Anleihen zurückzukaufen. Die muss Alexander von zur Mühlen, der „Treasurer“ und damit Schatzmeister der Bank, rausrücken, wenn alle angeschriebenen Investoren dieses Angebot annehmen. Allein dieses Signal hat gewirkt, ausgesandt, als es am lautesten krachte an der Börse: Die Kurse der Anleihen haben sich seither erholt, und so ist fraglich, wer sich überhaupt von seinem Papier trennen wird. Nach allem, was man hört, waren es bis zum Wochenende nicht überragend viele Leute. Die Frist für Anleger in Europa endet am morgigen Montag. Wir bekennen schon heute: Deutsche Bank, wir bleiben drin!

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