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Anleihen Dem Meister der Anleihemärkte gefallen Zinspapiere wieder

25.06.2004 ·  Bill Gross hat seine Meinung geändert: Nach dem jüngsten Renditeanstieg gibt der Manager des weltgrößten Anleihefonds seine Reserviertheit auf. Inzwischen ist Gross wieder im größeren Stil bei Anleihen in Amerika investiert.

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Bill Gross, der bei der Allianz- Tochter Pacific Investment Management Co. den weltgrößten Anleihefonds verwaltet, hält amerikanische Staatsanleihen wieder für attraktiv. Noch am 1. April hatte Gross den Anlegern geraten, „alles andere, nur keine amerikanische Staatsanleihen" zu kaufen.

Nach dem Renditeanstieg der vergangenen drei Monate sind amerikanische Treasuries „der Markt, wo unser Geld steckt", sagt nun der Investmentguru. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen ist 1,13 Prozentpunkte geklettert, im Zehnjahresbereich hat die Rendite 0,77 Prozent zugelegt. Schubkraft kam von Spekulationen, die amerikanische Notenbank werde am 30. Juni eine Runde von Zinserhöhungen einläuten.

Gross bevorzugt kürzere Laufzeiten

„Wir sind an einem Punkt angelangt, wo der amerikanische Markt mehr Wert bietet," sagte Gross in einem Interview gegenüber Bloomberg News in seinem Büro bei Pimco in Newport Beach in Kalifornien. Die Fondsgesellschaft verwaltet knapp 400 Milliarden Dollar. „Das bedeutet nicht, daß die Baisse vorbei ist, aber es impliziert," daß Investoren für die Anleihen Kurse zahlen, "die ein allmähliches Anziehen der Zinsen, oder sogar mehr widerspiegeln." Papiere mit kürzeren Laufzeiten „bieten mehr Wert", weil sie am sensibelsten auf die veränderten Zinserwartungen reagieren, erläutert Gross. Die Zinsterminkontrakte haben „korrekt antizipiert", daß die Fed den Zielzinssatz in den nächsten zwölf Monaten auf 2,5 oder drei Prozent anheben wird, erklärt der Fondsmanager.

Die amerikanischen Staatspapiere steuern auf ihr schlechtestes Quartal seit 24 Jahren zu. Bis Donnerstag hat der US. Treasury Master Index von Merrill Lynch & Co. in dem Dreimonatszeitraum 3,3 Prozent eingebüßt. Das ist die schlechteste Performance seit dem 3. Quartal 1980.

Die Zinserhöhungen werden jedoch nicht so weit gehen wie frühere Zinsrunden von Notenbankchef Alan Greenspan, die sich im Schnitt auf drei Prozentpunkte beliefen, erwartet Gross. Eine derartige Verteuerung der Fremdkapitalkosten bei der gegenwärtigen Verschuldung der amerikanischen Wirtschaft könnte zu einer langen deflationären Phase wie in Japan führen.

Umfeld läßt maßvolle Zinserhöhungen erwarten

Eine „Mini-Blase" an den Wohnungsbaumärkten in Amerika, Großbritannien und Australien, die durch die billige Finanzierung in den letzten Jahren entstand, wird die amerikanischen Zinserhöhungen mäßigen, prognostiziert Groos. Die Blase im Wohnungsbaumarkt ist die größte innerhalb der vergangenen zwei oder drei Jahrzehnte, aber nicht so groß wie die Blase an der Technologiebörse Nasdaq im Jahr 2000. „Greenspan muß die Reißleine sehr vorsichtig ziehen," sagt er. „Die Hypothekenzinsen sind ein sensibler Punkt."

Pimco hält an seinen Engagements bei ausländischen Anleihen fest wie beispielsweise Papieren aus Großbritannien und Australien. Dort haben die Währungshüter bereits die Zinsschraube angezogen, fügt Kollege Paul Mc,Culley, Geschäftsführer bei Pimco, hinzu. „Zinserhöhungen sind für die Anleihegläubiger kein Vergnügen, aber die Auswirkungen höherer Zinsen sind positiv, dadurch werden Konjunktur und Inflation abgebremst," erklärte McCulley in dem gemeinsamen Interview mit Gross.

Unternehmensanleihen noch nicht attraktiv genug

Pimco hat in den letzten sechs Monaten keine amerikanischen Unternehmensanleihen gekauft, weil ihr Kurs nicht attraktiv ist, berichtet Gross. Pimco bevorzugt statt dessen Terminkontrakte auf Treasuries oder Hypothekenanleihen, welche die gleiche oder eine höhere Rendite bieten. Die Renditeaufschlag von Unternehmensanleihen der Investment-Grade Kategorie ist von 120 Basispunkten vor einem Jahr auf 95 Basispunkte gesunken, zeigen Daten von Merrill Lynch & Co.

Der Pimco Total Return Fund von Gross, der 73,4 Milliarden Dollar verwaltet, hat in diesem Jahr bisher 0,56 Prozent eingebüßt. Damit liegt er innerhalb der oberen 51 Prozent von Fonds der gleichen Kategorie. Der Pimco Short-Term Fund von McCulley hat seit Jahresbeginn 0,52 Prozent gewonnen und rangiert unter den Top 89 Prozent seiner Kategorie.

Die Erwartungen, die Fed werde die Zinsschraube anziehen, haben die Renditen zweijähriger Treasuries so hoch getrieben, wie sie maximal im Verhältnis zu zehnjährigen Renditen gehen werden, sagt McCully. Durch den stärkeren Anstieg im zweijährigen Bereich hat sich der Renditeabstand zum Zehnjahresbereich auf 1,89 Prozentpunkte verringert, den geringsten Wert seit Oktober 2002. Im August lag er noch bei 2,74 Punkten.

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