25.07.2005 · Befand sich Brasilien noch vor wenigen Jahren in einer „Schuldenkrise“, so hat sich das Bild inzwischen gewandelt. Das Land ist in der Lage, nach und nach „Brady-Bonds“ gegen niedriger verzinsliche Anleihen auszutauschen.
Brasilien hat von den sogenannten C-Bonds, die das Land vor zehn Jahren im Rahmen des Brady-Plans begab, Papiere im Volumen von 4,4 Milliarden Dollar getauscht. Damit tritt Südamerikas größte Volkswirtschaft weiter aus dem Schatten des Zahlungsausfalls der 90er Jahre heraus.
Rund 79 Prozent der mit acht Prozent verzinsten C-Bonds mit Laufzeit bis 2014 wurden gegen Papiere mit gleichem Kupon und einer vier Jahre längeren Laufzeit getauscht, berichten die mit der Transaktion befaßten Credit Suisse Group und JPMorgan Chase & Co. Im Oktober dürften die restlichen Papiere im Volumen von 1,2 Milliarden Dollar gekündigt werden, erwartet Luiz Forbes, Direktor Emerging Markets bei Lopez Leon Brokers SA.
Umtausch führt zu sinkenden Finanzierungskosten
Die Regierung von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva bemüht sich mit Maßnahmen wie dem Anleihetausch, ihre Finanzierungskosten zu senken. Der aktuelle Swap wird dem Land rund 400 Millionen Dollar an jährlichen Zinszahlungen sparen, sagte Forbes in einem Interview mit Bloomberg News. „Das ist eine gute Transaktion für den Staat“, betonte Roger M. Scher, geschäftsführender Direktor bei Fitch Ratings in New York. „Die Regierung hat gezeigt, daß sie ein ziemlich gutes Schuldenmanagement drauf hat.“
Die C- oder „Capitalization-Bonds“ wurden 1994 im Rahmen einer Umschuldung nach dem Brady-Plan ausgegeben. Die Anleihe im Volumen von 7,4 Milliarden Dollar war mit einem halbjährlichen Kündigungsrecht des Emittenten ausgestattet, ab dem 15. April 2004 mußte Brasilien mit der Rückzahlung des Kapitals beginnen.
In drei bis fünf Jahren zum „Investmentgrade“?
In den zehn Jahren bis Ende 2003 entfielen rund zehn Prozent des Handels in Schwellenmarktanleihen auf den C-Bond, berichtet die Emerging Market Traders Association. In den vergangenen Jahren war der Handel zurückgegangen und die mit elf Prozent verzinste brasilianische Anleihe mit Fälligkeit 2040 nahm den Platz als Benchmark für Schwellenländerpapiere ein.
Am 13. Juli hatte Brasilien angekündigt, dem Internationalen Währungsfonds 5,1 Milliarden Dollar vorzeitig zurückzuzahlen. Damit spart das Land 82 Millionen Dollar. In den nächsten drei bis fünf Jahren dürfte Brasilien nach Chile und Mexiko in Lateinamerika ein Schuldner mit Bonität auf der Stufe „Investmentgrade“ werden, erwartet Mohamed El-Erian, Manager des größten Schwellenländeranleihen-Fonds weltweit. Der Anleihetausch „ist sowohl für Brasilien als auch die Investoren eine gute Nachricht“, kommentierte El-Erian von Pimco. „Brasilien kann damit seinen Rückzahlungsplan ein bißchen glätten und die Schuldendynamik verbessern. Außerdem ist es ein wichtiges Signal für einen entscheidenden Bruch mit der Vergangenheit.“
Mit Verbindlichkeiten von mehr als 400 Milliarden Dollar ist Brasilien der größte Schuldner unter den Entwicklungsländern. Die Bonität leidet immer noch unter dem hohen Schuldenstand, der sich auf etwa 73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beläuft, verglichen mit 40 Prozent in Mexiko. Moody's Investors Service bewertet Brasiliens Fremdwährungsanleihen mit „B1“, vier Stufen unter Investmentgrade, während Standard & Poor's und Fitch Ratings die Note „BB-“ vergeben haben, eine Stufe höher.