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Anleihen Bei polnischen Anleihen wird die Luft immer dünner

30.06.2005 ·  Die polnischen Anleihen verbuchten in den vergangenen Jahren deutliche Kursgewinne. Auf eine überraschend starke Zinssenkung reagieren sie jedoch verhalten, denn die relative Attraktivität hat deutlich abgenommen.

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Mit leichten Kursverlusten reagiert der polnische Zloty am Donnerstag auf die unerwartet starke Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt auf fünf Prozent im östlichen Nachbarland Deutschlands. Nach 4,0380 am Vortag sind nun 4,0444 Zloty nötig, um einen Euro erwerben zu können.

Dieser leichte Kursverlust ändert jedoch wenig daran, daß die polnische Währung in den vergangenen Wochen nach einer Zwischenkorrektur im März und April wieder einen kurzfristigen Aufwertungstrend gegen den Euro etabliert hat. Die polnischen Anleihen reagieren praktisch überhaupt nicht auf die Zinsänderung. Das bis ins Jahr 2015 laufende Zloty-Papier mit einem Kupon von 6,25 Prozent liegt praktisch unverändert bei 112,65 Prozent und rentiert mit 4,66 Prozent. Das macht deutlich, daß der Markt die Zinssenkung zumindest für den Moment schon vorweggenommen hatte.

Abschwächendes Wachstum, fallende Inflation - sinkende Zinsen

Die Währungshüter reagierten mit der Zinssenkung auf das schwächere Wirtschaftswachstum des Landes und die nachlassende Inflation. Der geldpolitische Ausschuß der Zentralbank kündigte noch weitere Zinsschritte an. "Der Ausschuß ist wegen des Wachstums sehr besorgt und würde es gerne ankurbeln, indem die Zinsen in größeren Schritten gesenkt werden", sagte Ryszard Petru, Chef-Volkswirt der Bank BPH in Warschau der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er war einer der beiden Ökonomen, die die Zinssenkung um 50 Basispunkte richtig vorausgesehen hatten.

Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft Polens nur noch um 2,1 Prozent, so schwach wie seit September des Jahres 2001 nicht mehr. Verbraucher halten sich angesichts einer Arbeitslosenquote von 18,3 Prozent, der höchsten innerhalb der Europäischen Union, beim Konsum zurück. Da gleichzeitig das Wachstum in Westeuropa zurückgeht, haben Unternehmen ihre Investitionen zurückgefahren. Drei Viertel der in Polen hergestellten Güter werden nach Westeuropa geliefert.

Relative Attraktivität der polnischen Anleihen wird immer geringer

Die polnische Zentralbank hatte die Leitzinsen bereits im März und April um insgesamt einen Prozentpunkt gesenkt, nachdem der Inflationsdruck nachließ. Als die Inflation im Mai auf die anvisierten 2,5 Prozent sank, erhielt die Zentralbank Spielraum für weitere Zinssenkungen. Am 14. Juni senkte die Regierung ihre Inflationsprognose für das gesamte Jahr von fünf Prozent auf 3,7 Prozent.

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürften die Spekulationen auf weitere Zinssenkungen anhalten, die auch bisher schon die Währung des Landes und den Rentenmarkt beflügelt haben. Zumindest in einem anhaltend freundlichen und normalen weltwirtschaftlichen Umfeld. Allerdings wird die Luft immer dünner. Denn während der Zinsvorsprung polnischer Staatsanleihen im Verhältnis zu deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren noch rund 1,5 Prozentpunkte beträgt, liegt er im Vergleich mit amerikanischen Papieren nur etwa bei der Hälfte. Das heißt, die relative Attraktivität der polnischen Anleihen wird immer geringer.

Gleichzeitig gibt es auch andere attraktive Märkte wie Neuseeland oder auch Australien, in denen die Renditen über jenen Polens liegen. Auf dieser Basis eine leichte Skepsis nicht unbegründet sein. Denn sobald die Risikoneigung der Anleger abnehmen sollte - aus welchem Grund auch immer -, dürfte das bei der polnischen Währung und möglicherweise auch bei den Anleihen überproportional zu spüren sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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