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Anleihen Analysten setzen auf steigende Renditen

Kurze oder lange Laufzeiten bei Anleihen? Dollar oder Euro? Die Bankenanalysten erwarten in diesem Jahr Kursverluste bei Staatsanleihen und ein "schwaches Rentenjahr".

Für Investoren auf dem europäischen Anleihemarkt könnte 2004 ein schlechtes Jahr werden. Zumindest warnen Bankenanalysten vor einer negativen Kursentwicklung der Staatsanleihen. Die meisten der in der F.A.Z.-Umfrage vertretenen 17 Banken erwarten einen deutlichen Anstieg der langfristigen Zinsen. Im Durchschnitt prognostizieren sie für zehnjährige Bundesanleihen bis zum Jahresende einen Renditeanstieg von derzeit 4,3 auf 4,8 Prozent. Für die langfristigen Dollar-Renditen sieht die durchschnittliche Prognose sogar einen Anstieg von derzeit 4,3 auf 5,1 Prozent vor.

Das wäre für Anleger, die Staatsanleihen jetzt kaufen oder sie schon besitzen, mit deutlichen Kursverlusten verbunden. Behielten die größten Renten-Pessimisten recht, die einen Anstieg der Bund-Rendite auf 5,25 Prozent erwarten, wären die Kurseinbußen so groß, daß die Kuponzahlungen aufgezehrt würden. Die Investoren würden auf dem Anleihemarkt im Jahr 2004 Vermögen verlieren.

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So niedrig wie noch nie

Doch dazu muß es nicht kommen. Auch im Vorjahr hatten die meisten Analysten einen scharfen Renditeanstieg vorhergesagt. Damals hatten sie für das Jahresende 2003 - ähnlich den jüngsten Prognosen - eine Rendite zehnjähriger Renten von 4,8 Prozent prognostiziert. Tatsächlich ging der Markt aber bis zur Jahresmitte in die genau entgegengesetzte Richtung. Wegen der Angst vor Deflation und der Erwartung, daß die amerikanische Notenbank ihren Leitzins für eine lange Zeit auf dem Rekordtief bei 1,0 Prozent beläßt, fiel die Bund-Rendite zeitweise auf weniger als 3,5 Prozent.

So niedrig waren die langfristigen Zinsen noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. In Amerika sackte die Zehnjahresrendite sogar auf 3,1 Prozent ab. Auch das war der niedrigste Stand seit Jahrzehnten.

Wirtschaft in Übersee geht weiter voran

Später stellte sich zwar heraus, daß dies eine Übertreibung war; die Furcht der Anleger vor einer wirtschaftlichen Misere schwand. Aber die Renditen stiegen lediglich auf das Niveau, das sie schon am Beginn des Jahres 2003 erreicht hatten. Nur die Konjunkturskeptiker unter den Analysten hatten dies erwartet. Dazu zählten unter anderem die Zinsexperten von UBS Warburg und HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch die Analysten von M. M. Warburg, Merrill Lynch und Julius Bär sagten die Entwicklung der Rentenmärkte im Jahr 2003 relativ gut voraus, wobei sie allerdings den Renditeanstieg etwas überschätzten.

Für 2004 erwarten einige Banken nun einen besonders scharfen Renditeanstieg. Ein Grund dafür ist die Hoffnung, daß der seit mehr als zwei Jahren beschworene Aufschwung der Wirtschaft in diesem Jahr endlich Wirklichkeit wird. In Amerika ist die Wahrscheinlichkeit dafür inzwischen sehr hoch. Die hohen Wachstumsraten der zweiten Jahreshälfte 2003 dürften zwar im neuen Jahr wohl nicht ganz beibehalten werden, aber es scheint sicher: Mit der Wirtschaft geht es in Übersee weiter voran.

Mit kürzeren Laufzeiten besser bedient

Allerdings sei noch nicht absehbar, daß der Wachstumstrend auf die Eurozone übergreife, argumentieren die Konjunkturpessimisten, die mit niedrigen Renditen rechnen. "Das ist auch gar nicht notwendig für einen kräftigen Renditeanstieg", entgegnet Jan Holthusen, Rentenanalyst der DZ-Bank. Er zählt zu den Anleihe-Experten, die steigende Renditen und damit deutliche Kursverluste der Zinstitel befürchten. Die DZ-Bank erwartet die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Ende 2004 bei 5,2 Prozent.

Treibender Faktor sei nicht eine Konjunkturbelebung in Europa - da sei nicht viel zu erwarten. Vielmehr werde der amerikanische Rentenmarkt den Takt bestimmen. Die Notenbank der Vereinigten Staaten werde die Leitzinsen kräftig erhöhen, innerhalb von zwölf Monaten um 150 Basispunkte. Das werde die Rendite der amerikanischen Staatsanleihen in die Höhe schießen lassen, wovon sich der europäische Rentenmarkt nicht abkoppeln könne, glaubt Holthusen. Liegt er mit seiner Prognose richtig, wären Anleihekäufer mit kürzeren Laufzeiten am besten bedient.

Stagnierende Wechselkurse

In der Einschätzung der Konjunktur ganz ähnlich, aber mit völlig anderen Schlußfolgerungen für die Entwicklung der Leitzinsen argumentieren die Rentenoptimisten. Die amerikanische Fed habe zwar die Deflationsgefahren relativiert, sagt Gregor Beckmann, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Aber dennoch werde sie an ihrer Ankündigung, den Leitzins lange auf dem niedrigen Niveau zu lassen, festhalten. Die Furcht vieler Marktteilnehmer vor einer raschen Zinswende sei übertrieben.

Im Jahr 2004 werde weder die amerikanische Fed noch die Europäische Zentralbank etwas an den Leitzinsen ändern. Folglich sei auch die Gefahr von Kursrückgängen auf dem Rentenmarkt gering. HSBC rechnet mit einem leichten Rückgang der zehnjährigen Bund-Rendite auf 4,1 Prozent und stagnierenden Renditen in Amerika. Anleger, die dieser Prognose trauen, müßten sich derzeit eher für längere Laufzeiten entscheiden, weil diese höhere Renditen aufweisen als die Kurzläufer.

Noch wichtiger als die Wahl der Laufzeit könnte im neuen Jahr die Entscheidung über die Währung sein. Die starke Aufwertung des Euro verhagelte im vergangenen Jahr die meisten Investitionen in Fremdwährungsanleihen. Besonders Dollar-Titel führten nach Verkauf und Umtausch in Euro zu hohen Verlusten. Für das Jahr 2004 rechnen die befragten Analysten im Durchschnitt mit stagnierenden Wechselkursen zwischen Dollar und Euro. Allerdings liegen die einzelnen Prognosen weit auseinander. So erwartet zum Beispiel die amerikanische Investmentbank den Euro am Jahresende bei 1,30 Dollar. Die Citigroup rechnet dagegen mit einer Abwertung des Euro von derzeit 1,25 auf 1,15 Dollar am Jahresende.

Quelle: ruh., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 19

 
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Veröffentlicht: 01.01.2004, 19:49 Uhr

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