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Anleihemarkt Zypern wird längst als nächster EU-Wackelkandidat gehandelt

 ·  Die deutliche gestiegenen Renditen bei den Staatsanleihen machen es unmissverständlich klar: Auch die Finanzlage Zyperns ist nicht mehr über alle Zweifel erhaben.

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Zusätzlich verstärkt wird dieser Eindruck zur Wochemitte auch durch die Entscheidung der amerikanischen Ratingagentur Moody's die Kreditbewertung für Zypern auch wegen der Zerstörung des Elektrizitätswerks durch eine Explosions-Katastrophe um zwei Noten zu senken. Die Kreditwürdigkeit des Eurolandes werde von bisher „A2“ auf „Baa1“ reduziert, hieß es in einer zur Wochenmitte veröffentlichen Mitteilung.

Doch damit nicht genug: Der Ausblick für die Kreditbewertung wurde auf „negativ“ gesetzt. Damit droht Moody's Zypern weitere Abstufungen an. Aktuell befindet sich das Land noch drei Noten über dem Ramschniveau.

Renditen in der Spitze bei mehr als 10 Prozent

Wie stark die Zweifel an der Bonität inzwischen sind, lässt sich wie Eingangs bereits erwähnt an den deutlich gefallenen Kursen der Staatsanleihen dieses Landes ablesen. Unter den drei in Stuttgart gehandelten Papieren kommt der noch bis zum 01. November 2015 laufenden Titel inzwischen auf eine Rendite von 10,58 Prozent. Etwas weniger wirft dagegen mit 8,83 Prozent erstaunlicherweise die bis zum 03. Februar 2020 und damit länger laufende Anleihe ab.

Unter Druck standen die Anleihenkurse jüngst vor allem wegen einer großen Explosion auf einem Marinestützpunkt. Denn dabei wurde auch das Elektrizitätswerk zerstört, das über die Hälfte des Stroms der Insel produzierte. Angesichts der zuletzt häufigen Stromausfälle hat die Ratingagentur die Prognose für das Wirtschaftswachstum in Zypern gesenkt. Moody's erwartet jetzt im laufenden Jahr eine Stagnation der Wirtschaft und im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von lediglich 1,0 Prozent.

Kritisiert wurde neben einem angespannten politischen Klima zudem die Lage der Staatsfinanzen. Diese habe sich durch die Zerstörung des Elektrizitätswerks noch verschärft. Auch bestehe die Gefahr, dass die Banken des Landes Hilfe durch den Staat benötigen könnten. Die Banken Zyperns sind stark im angeschlagenen Nachbarland Griechenland engagiert (bei den drei größten zypriotischen Banken liegt der Anteil der Kredite, die an Kunden in Griechenland ausgereicht wurden, bei 40 Prozent). Auch die Wirtschaft ist stark mit Griechenland verflochten.

Notenbank sieht das Land in einem Ausnahmezustand

Die Regierung habe zwar einige strukturelle Maßnahmen ergriffen um die Haushalte zu konsolidieren. Die positiven Wirkungen der Maßnahmen würden jedoch durch die Zerstörung des größten Elektrizitätswerks überkompensiert, hieß es weiter bei Moody's. Die Ratingagentur würde das Rating jedoch überprüfen, falls die Regierung Reformen durchführen würde.

Wie ernst die Lage ist, machte auch jüngst die Notenbank unmissverständlich deutlich. Die Wirtschaft in Zypern befinde sich im „Ausnahmezustand“ und es bedürfe zu ihrer Rettung umgehend „drakonischer Maßnahmen,“ hieß es in einem Schreiben vom 18. Juli von Zentralbankchef Athanasios Orphanides an Staatspräsident Demetris Christofias. Um das Schlimmste zu verhindern - insbesondere Finanzhilfen von außen - müssten sofort neue, strengere Maßnahmen ergriffen werden.

Ergänzend sei erwähnt, dass die Credit Suisse vor wenigen Tagen die Folgekosten der Explosion auf 2,4 Milliarden Euro oder umgerechnet 14 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beziffert hat. Das ist natürlich ein schwerer Brocken, der nicht so einfach zu verdauen ist. Allerdings könnten Kritiker natürlich auch einwenden, eine vorausblickende Politik habe die Finanzen eines Landes so zu steuern, dass auch eine Reserve für Krisenfälle existiert.

Zypern geriet schon vor der Explosion in den Strudel der griechischen Schulden

Außerdem wäre es sicherlich ein Fehler alle Probleme, mit denen sich Zypern herumschlagen muss, jetzt nur auf die Explosion zurückzuführen. Diese Sichtweise lässt sich auch dadurch widerlegen, dass die Renditen für Zyperns Staatsanleihen schon zuvor deutlich angezogen haben. Denn nicht zuletzt wegen der engen Verbindungen zum hochverschuldeten Griechenland stand Zypern an den Finanzmärkten bereits vor diesem Unglück unter Druck. Wegen einer bereits zuvor angespannten Haushaltslage gab es außerdem in diesem Jahr bereits zuvor Rückstufungen durch Ratingagenturen.

Allerdings sahen die absoluten Verschuldungskennzahlen bisher absolut betrachtet nicht einmal so schlecht aus. Zumindest wenn man das im internationalen Kontext tut. Die Ende 2010 gültige öffentliche Verschuldung von 62,7 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt war jedenfalls nicht außergewöhnlich hoch. Die Prognose der EU-Kommission die für 2011 eine Stabilisierung bei 62,3 Prozent vorhergesagt hat und nach den jüngsten Ereignissen jedoch Makulatur.

Bittgesuch um Finanzhilfen zeichnet sich ab

Und natürlich muss bei der Betrachtung auch in Rechnung gestellt werden, dass ein kleines Land wie Zypern in einem schwierigen Umfeld möglicherweise nicht ganz so einfach an frisches Kapital kommt. Und zu den aktuell bei den eigenen Staatsanleihen gültigen Renditen werden die Verantwortlichen vermutlich sowieso kein Geld aufnehmen wollen. Folglich ist Zypern wirklich zu einem weiteren Kandidaten für EU-Hilfsgelder geworden und die hohen Renditen spiegeln diese Tatsache bereits wieder.

Weitere Schwierigkeiten sieht auch Analyst David Schnautz von der Commerzbank auf das Land zukommen: „Wir sehen ein hohes und zunehmendes Risiko, dass Zypern als nächster Dominostein in der Schuldenkrise kippen könnte. Wir gehen davon aus, dass das Land in den kommenden Quartalen um Finanzhilfen bitten muss. Problematisch ist aus Sicht des Rentenmarkts vor allem das hohe Engagement des zypriotischen Finanzsektors in griechischen Wertpapieren sowie die Tatsache, dass mehr als 50 Prozent seiner Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 8,7 Milliarden Euro bis Ende 2013 fällig werden.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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