19.08.2011 · Am Freitag kann der deutsche Anleihemarkt zwar nicht erneut von der Schwäche am Aktienmarkt profitieren. In nächster Zeit können sich Beobachter aber noch einen Fall der Renditen bei den zehnjährigen Bundesanleihen auf unter 2 Prozent vorstellen.
Zum Wochenausklang hat sich die zuletzt zu beobachtende Korrelation aus steigenden Renten-Futures und fallenden Aktien-Futures allerdings erst einmal aufgelöst. Während der Dax-Future im Verlauf nochmals ein neues Zwischentief ausgebildet hat, verliert der Bund-Future gegen 16.53 Uhr MESZ 31 Basispunkte auf 135,20 Prozent.
Allerdings erscheint eine Verschnaufpause nach der jüngsten Entwicklung auch völlig normal zu sein. Schließlich hat der Bund-Future allein seit Wochenbeginn um fast 2,5 Prozentpunkte zugelegt und dabei bei 136,26 Prozent ein neues Allzeithoch markiert. Händler sprachen vor diesem Hintergrund auch nur von einer Gegenbewegung nach dem jüngsten Höhenflug. Eine generelle Trendwende sei angesichts der anhaltenden Verunsicherung aber nicht wahrscheinlich. „Wir sehen die europäische Schuldenkrise zunehmend als politische Krise und rechnen nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht damit, dass es zu schnellen Lösungen kommt“, kommentieren etwa die Analysten der HSH Nordbank die aktuelle Situation.
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erhöhte sich auf 2,12 Prozent. Aber auch hier darf nicht vergessen werden, welche massive Bewegung nach unten zuletzt zu beobachten gewesen ist. Am 11. April warfen zehnjährige Bundesanleihen jedenfalls noch deutlich höhere 3,51 Prozent ab. Wobei schon das im historischen Vergleich ein sehr niedriger Wert gewesen ist.
Es brennt an vielen Ecken
Ausschlaggebend für die Flucht in Bundesanleihen als „sichere Häfen“ und den kräftigen Renditeverfall der vergangenen Wochen waren nach Lesart der HSH Nordbank neben der Schuldenkrise in der Eurozone und den Sorgen um die Bonität Amerikas auch zunehmende Konjunkturängste. So signalisierten die jüngst veröffentlichten Daten zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal für die Eurozone eine deutliche Wachstumsverlangsamung.
Verschärft wurden die Sorgen vor einer Rezession zudem durch den Absturz des Philadelphia Fed Index auf ein Niveau, das zuletzt auf dem Höhepunkt der jüngsten Rezession erreicht worden war. Konkret sackte der wichtige Indikator für das amerikanische Geschäftsklima von plus 3,2 Punkte im Vormonat unerwartet heftig auf minus 30,7 ab. Und die in den kommenden Tagen erwarteten Daten werden nach Ansicht der Analysten von Raiffeisen Research die Konjunktursorgen kaum schmälern. Bei den zahlreich anstehenden Frühindikatoren (ZEW-Index, PMI, ifo-Index, Konsumentenvertrauen) sind aus ihrer Sicht jedenfalls zum Teil erhebliche Rückgänge vorprogrammiert. „Problematisch an der derzeitigen Situation sind die größer werdenden Konjunktursorgen und das Dilemma zwischen der sich abzeichnenden Wachstumsabkühlung und der notwendigen Fiskaldisziplin“, kommentieren Ralf Umlauf und Ulrich Wortberg von der Helaba.
Dazu kommen Sorgen um einen erneuten Finanzierungsengpass bei Banken und damit einen Rückfall in die Krise von 2008. Beunruhigt zeigt sich deswegen auch der Chefökonom der Europäischen Zentralbank Jürgen Stark. Seinen Aussagen zufolge nimmt die Zentralbank den eingebrochenen Interbankenverkehr sehr ernst. Banken aus der Eurozone hatten zuletzt hohe Summen überschüssigen Geldes bei der EZB deponiert, anstatt es untereinander zu besseren Zinssätzen zu verleihen. Zwischen Donnerstag und Freitag lagerten sie 90,5 Milliarden Euro in Frankfurt ein.
Status als sicherer Hafen dürfte den Bundesanleihen zunächst weiter helfen
Die momentan am Markt vorherrschende Stimmung dürfte ganz gut in der Einschätzung von Rainer Guntermann zum Ausdruck kommen. Der Commerzbank-Analyst charakterisiert die momentane Ausgangslage in einer Einschätzung vom Freitag wie folgt:
„Im Dunstkreis der historischen Extremstände sind zwar zeitweilig höhere Renditen möglich. Die Risikoaversion spricht aber dafür, dass viele Investoren diese dann als Kaufgelegenheiten ansehen werden. Die ungelösten systemischen Risiken im Euroraum und die zunehmenden globalen Wachstumssorgen sprechen für eine ausgeprägte Risikoaversion und weiter fallende Renditen an den als sichere Häfen wahrgenommenen Rentenmärkten. Denn eine baldige Stimmungsverbesserung ist nicht in Sicht, zumal in der kommenden Woche eher schwächere Stimmungsindikatoren die Konjunktursorgen verstärken dürften. Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen könnten somit in den nächsten Tagen den am Donnerstag markierten historischen Tiefstand weiter unterbieten.“
Ganz ähnlich beurteilen das auch die Experten von HSBC Trinkaus. Mit Blick auf den Renditechart gehen sie davon aus, dass ein Fall unter die 2-Prozent-Marke bei 10-jährigen Bundesanleihen nochmals neue Käufer anziehen wird. Allerdings wird es aus charttechnischer Sicht auch wichtig sein, die Marke von 2 Prozent zu unterschreiten, weil sich sonst in diesem Bereich ein tragfähiger Boden ausbilden könnte. Denn nachdem es am Donnerstag mit einem Renditetief von zwischenzeitlich 2,027 Prozent ebenso wie beim bisherigen Schlusskurstief von 2,05 Prozent, das am 31. August 2010 aufgestellt worden war, noch gelungen war, die 2-Prozent-Marke zu unterschreiten, befindet sich hier auch psychologisch betrachtet eine massive Unterstützung.
Staatsanleihenblase und negative Rendite
Alex Merck (AlexM3)
- 21.08.2011, 17:15 Uhr
die lass ich links liegen
joachim tarasenko (truthful)
- 21.08.2011, 01:27 Uhr
Wer an 10jährigen Bundesanleihen zu 2% interessiert ist,...
Wolfgang Wüst (nicht_hilfreich)
- 20.08.2011, 09:33 Uhr