Home
http://www.faz.net/-gvt-uu0m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Anleihemarkt Türkei-Anleihen spiegeln Hoffnung auf günstigen Wahlausgang wider

20.07.2007 ·  Der türkische Anleihemarkt hat sich im Vorfeld der Parlamentswahlen ganz gut geschlagen. Doch die echte Nagelprobe steht erst an, wenn demnächst die Besetzung des Präsidentenstuhls ansteht. Das sollten Investoren beachten.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Am Sonntag stehenden in der Türkei Parlamentswahlen an. Diese waren notwendig gewesen, weil sich die Regierung und das Militär nicht auf einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten einigen konnten.

Nun wird also gewählt und gemessen an den noch vor wenigen Wochen zu spürenden erheblichen Spannungen ist der Wahlkampf relativ ruhig verlaufen. Den Umfragen zufolge zeichnet sich ein Wahlsieg der regierenden AKP ab. Und die Märkte scheinen mit diesem Szenario gut leben zu können. Zumindest legen die rekordhohe Aktienkurse und eine zuletzt gestiegene Lire nahe.

Auch der Anleihemarkt schlug sich in den vergangenen Wochen relativ gut. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass die Anleger allgemein wegen der Risiken auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt und einigen kriselnden Hedge Fonds risikosensitiver geworden sind.

Problem Präsidentschaftskandidat noch keineswegs behoben

Wegen der hohen Realzinsen, welche Lira-Anleihen angesichts eines Leitzinses von 17,5 Prozent und einer Inflationsrate von zuletzt 8,6 Prozent abwerfen, sind viele Marktteilnehmer derzeit bereit, sich in der Türkei im festverzinslichen Bereich zu engagieren. Auch auf Euro denominierte Türkei-Anleihen werfen in der Spitze immerhin eine Mehrrendite von 140 Basispunkten (Türkei-Anleihe ISIN XS0245387450), Laufzeit 01.03.2016, Rendite: 5,9 Prozent) verglichen mit entsprechenden Bundesanleihen ab. So lange alles gut geht, ist das durchaus lukrativ.

Gesetzt den Fall, dass nach den Wahlen alles ruhig bleibt und die politischen Probleme im Konsens gelöst werden, könnten sich die türkischen Anleihen auch weiterhin gut schlagen. Doch Investoren sollten auch die drohenden Gefahren beachten, die sich beim Eintreffen negativer Szenarien ergeben könnten. Das größte Problem, um das es nach wie vor geht, ist die ungelöste Besetzung des Präsidentschaftsamtes. Noch ist nicht klar, wie sich das Militär im Falle eines Sieges der AKP verhalten wird. Die Gefahr eines erneut offen ausgetragenen Konfliktes ist deshalb real.

Eine echte Bürde stellt zudem weiterhin das hohe Leistungsbilanzdefizit dar. Sollte sich demnächst das Sentiment für Schwellenländer wieder einmal eintrüben, würden sich die Marktakteure an diesen Schwachpunkt sicherlich sehr schnell erinnern. Und eine zwischenzeitliche Korrektur an den Finanzmärkten wäre sicherlich nichts ungewöhnliches, nachdem die Kurse zuletzt schon so gut gelaufen sind und die Stimmung so gut ist, dass es förmlich nach einer Zwischenkonsolidierung riecht.

Derartigen Kursturbulenzen könnte sich die Türkei selbst im Falle einer politischen Konsenslösung vermutlich nicht entziehen. Abgesehen von solchen temporären externen Einflüssen haben es die Verantwortlichen selbst in der Hand, über die weitere Richtung an den türkischen Finanzmärkten zu entscheiden.

Chancen und Risiken genau abwägen

Ringen sie sich zu tragfähigen Kompromissen durch, werden sich die Marktakteure mehr darauf und auf die in den vergangenen Jahren gemachten wirtschaftlichen Fortschritte konzentrieren. Im Falle einer eskalierenden Machtprobe wird das zuletzt günstige Sentiment aber schnell kippen und vor allem das Leistungsbilanzdefizit wieder thematisiert werden, auch wenn es derzeit praktisch über die ausländischen Direktinvestitionen finanziert werden kann. Weil die Marktakteure zuletzt wieder dazu neigten, die Risiken wieder etwas auszublenden, sollten vorsichtig agierende Türkei-Investoren sich ab und zu an die Risiken erinnern.

Ganz gut wird die derzeitige Konstellation mit Blick auf Türkei-Anleihen in der neuesten Ländereinschätzung der Experten der WGZ-Bank zusammengefasst. Darin heißt es: „Ein positiver Wahlausgang, der natürlich noch nicht sicher ist, scheint schon ein gutes Stück in den Daten vorweggenommen zu sein. Wir zögern deshalb, eine breite Kaufempfehlung so kurz vor den Wahlen auszusprechen. Von daher bleiben wir bei der Empfehlung, Posiitonen zu halten und abzuwarten, ob die kommenden Tage „günstige Einstiegsgelegenheiten“ bieten.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK