11.06.2010 · Die Ausrichtung der Fußball-WM rückt Südafrika in den Fokus. Punkten kann das Land dabei bei Zinssparern. Denn südafrikanische Staatsanleihen bringen bei einer überschaubaren Staatsverschuldung einen Renditeaufschlag.
Nun hat sie also endlich auch offiziell begonnen die lange erwartete Fußball-Weltmeisterschaft. Und wenn die ersten Eindrücke vom Eröffnungsspiel nicht trügen, dann dürfte Gastgeber Südafrika nicht allzu weit kommen. Gegen Mexiko hat man zwar ein Unentschieden errungen, das als 83. in der 202 Länder umfassenden FIFA-Weltrangliste dürfte man letztlich aber keine Bäume ausreißen können.
Punkten kann das Land aber möglicherweise bei den Investoren. Nämlich dann, wenn es gelingt, das Großereignis reibungslos und erfolgreich über die Bühne zu bringen. Denn nach Ansicht der Experten beim Immobilienspezialisten Aberdeen könnte dies das Vertrauen in den Standort stärken und die Ansiedlung neuer Unternehmen begünstigen. Auf den Geschmack könnten dann eventuell vor allem Anleihefans kommen, bieten doch Staatsanleihen aus Südafrika noch eine etwas höhere Rendite als etwa die derzeit sehr renditeschwachen deutschen Bundesanleihen.
Staatsverschuldung vergleichsweise moderat
Doch vor näheren Details zu deren aktuellen Konditionen zunächst einige Erläuterungen zum volkswirtschaftlichen Umfeld. Mit Blich auf die Konjunktur konstatieren die Volkswirte der Unicredit, dass das Wirtschaftswachstum 2008 trotz umfangreicher öffentlicher Infrastrukturinvestitionen im Volumen von rund 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes spürbar nachgab und das Land 2009 mit minus 1,8 Prozent sogar in die Rezession rutschte.
In diesem Jahr könnte es zwar wieder zu einem Wachstum im Bereich von 2,8 bis 3,3 Prozent kommen. Aber eine durchaus mögliche noch größere Dynamik wird verhindert durch eine schleppende Nachfrage im privaten Sektor und regelmäßig auftretenden Engpässen bei der Energieversorgung. Ein stärkeres Wachstum wird laut Unicredit zudem durch den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und einen streng regulierten Arbeitsmarkt erschwert. Auch die Fußball-WM bringt wirtschaftlich gesehen nach Einschätzung von Forschern dem Gastgeberland Südafrika kaum einen Nutzen.
Relativ entspannt sieht es derzeit immerhin an der Inflationsfront aus. Seit Jahresbeginn bewegt sich die Inflation wieder in der angestrebten Spanne von 3 bis 6 Prozent (die Absa Group schätzt die Inflation 2010 im Schnitt auf 5,3 Prozent). Das hat es der Zentralbank ermöglicht, ihre Geldpolitik zu lockern und die Zinsen auf 6,5 Prozent zu senken (minus 550 Basispunkte seit Ende 2008). Im vertretbaren Rahmen bewegt sich auch die Staatsverschuldung mit rund 32 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Ein Dauerproblem stellt jedoch die traditionell defizitäre Leistungsbilanz dar. Laut Absa könnte das Defizit 2010 bei 3,9 Prozent liegen nach 4,0 Prozent im Vorjahr und 2011 auf 5,1 Prozent anziehen. Für die Unicredit macht dies das Land finanziell abhängig von privaten und multilateralen Investitionen.
Renditeaufschläge locken
Trotz des niedrigsten Leitzinsniveaus seit fast 30 Jahren bieten südafrikanische Staatsanleihen natürlich noch immer einen Renditeaufschlag. So bringt die bis Mai 2013 laufende Euro-Anleihe mit der Isin XS0168670478 bei einem Kupon von 5,25 Prozent eine Rendite von 2,92 Prozent. Gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen stellt das einen Aufschlag von 229 Basispunkten dar. Ähnlich sieht es bei der bis April 2016 laufenden Anleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent und der Isin XS0250007498 aus. Hier beträgt die Rendite derzeit 4,01 Prozent und der Aufschlag 225 Basispunkte.
Noch etwas mehr werfen Anleihen ab, bei denen der südafrikanische Rand die Währung ist. So beläuft sich die Rendite bei der bis zum 21.12.2014 laufenden Anleihe (Kupon 8,75 Prozent) mit der Isin ZAG000019878 auf 7,9 Prozent. Allerdings hängt hier das Endergebnis davon ab, wie sich der Rand entwickelt. In dem vergangenen 18 Monaten wären Anleger aus dem Euro-Raum damit gut gefahren, weil die südafrikanische Landeswährung an Wert gewonnen hat. Doch es ist nicht garantiert, dass dies so bleiben wird. Wie es weitergehen wird, hängt letztlich von der Risikoneigung an den Finanzmärkten ab und deren Entwicklung ist nur schwer zu prognostizieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift deshalb zur Depotbeimischung besser zu den südafrikanischen Euro-Anleihen.