02.09.2011 · Schwache Arbeitsmarktdaten haben die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf neue Tiefs gedrückt. Charttechnisch gesehen spricht nun sogar vieles für einen Fall der Renditen auf unter 2 Prozent.
Am Freitagnachmittag werfen zehnjährige amerikanische Bundesanleihen nur noch eine Rendite von 2,04 Prozent ab. Im Tagesvergleich ist das ein Rückgang um neun Basispunkte. Das Tagestief wurde bisher bei 2,03 Prozent markiert. So niedrig waren die Renditen für diese Produkte seit 1946 nicht mehr, als die Renditen künstlich niedrig gehalten wurden. Im 30-jährigen Bereich fallen die Renditen zudem sogar von 3,50 Prozent auf 3,39 Prozent. Hier sind die Renditen aber noch weit entfernt von dem Ende 2008 markierten Tiefs um 2,50 Prozent.
Die Tatsache, dass der Beschäftigungsaufbau in Amerika zum Stillstand gekommen ist und für den Arbeitsmarkt die schwächste Entwicklung seit September 2010 ausgewiesen werden musste, nährt die Sorge vor einer erneuten Rezession in der weltweit größten Volkswirtschaft. Und das wiederum heizt Spekulationen auf neue geldpolitische Stützungsmaßnahmen durch die amerikanische Notenbank an.
Zahlen schüren Spekulationen auf weitere geldpolitische Stützungsmaßnahmen
„Die Unternehmen haben sich offenbar angesichts des Streits um die Schuldengrenze und den Finanzmarktturbulenzen mit Neueinstellungen zurückgehalten“, sagte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. „Die Zahlen sind nicht vertrauenerweckend.“ Ergänzend dazu sagt Ian Lyngen, Bondstratege bei CRT Capital Group LLC in Stamford, Connecticut: „Damit nehmen die Spekulationen am Markt zu, dass die Fed zum Handeln gezwungen ist. Das bietet der Fed sicherlich Argumente, wenn sie eine stärker akkommodierende Haltung einschlagen will.“
Auch andere Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Notenbank weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur ergreifen wird. Bereits auf der jüngsten hatte der geldpolitische Ausschuss heftig über weitere Stimulierungen diskutiert. Die Fed dürfte laut WestLB Mellon bereits auf ihrer nächsten Sitzung am 20./21. September reagieren. „Wer noch Zweifel hatte, dass die Fed noch mal nachlegt, dürfte jetzt nicht mehr zweifeln“, schreibt Chefvolkswirt Holger Sandte mit Blick auf den enttäuschenden Arbeitsmarktbericht. „Diese Zahlen verheißen nichts Gutes für das künftige Verbrauchervertrauen, das sich ohnehin bereits auf Rezessionsniveau befindet.“ Das die Verantwortlichen alles daran setzen, die Renditen tief zu halten, zeigte bereits die unlängst gemachte Ankündigung, den Leitzins mindestens bis Mitte 2013 auf dem extrem niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent zu belassen.
Intakter Abwärtstrend spricht für Renditen unter 2 Prozent
Im Gefolge der schlechten volkswirtschaftlichen Nachrichten flüchten die Anleger wieder einmal in die amerikanischen Staatsanleihen. Diese werden etwas überraschend nach wie vor als sicherer Hafen wahrgenommen, obwohl ein riesiger Schuldenberg im amerikanischen Staatshaushalt im Grunde genommen gegen diese Annahme spricht. Aber obwohl Staatsschulden von rund 15 Billionen Dollar eher für deutliche Risikoaufschläge bei den Renditen sprechen würden, ist die Wahrscheinlichkeit von weiter steigenden Anleihekursen kurzfristig als relativ hoch einzuschätzen.
Auch wenn sich durch den massenhaften Trieb zu Investments in vermeintlich sicheren Häfen bei amerikanischen Staatsanleihen die größte Finanzblase aller Zeiten auszubilden droht, sprechen charttechnische Überlegungen für noch tiefere Rendite. Durch durch die soeben markierten neuen Tiefs ist die Tür für Renditen von sogar nur noch unter 2 Prozent ganz weit aufgestoßen worden. Wegen der auch psychologisch wichtigen Hürden, welche dieses Niveau darstellt, dürfte es darum zwar noch einen heftigen Kampf zwischen Bullen und Bären geben, aber es würde schon überraschen, wenn Notierungen darunter zumindest nicht angetestet würden.
Erst wenn sich die Rezessionssorgen verflüchtigt haben, ist an einen Wiederanstieg der Renditen in Richtung 2,5 Prozent zu denken. Entsprechend ermutigende Konjunkturdaten waren zuletzt allerdings Mangelware. Derzeit sieht er so aus, als ob Amerika weiter auf den Spuren Japans wandeln sollte, wo viele ungelöste strukturelle volkswirtschaftliche Probleme die Renditen auf noch tieferen Niveaus als aktuell in Amerika halten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.818,69 | −0,37% |
| FAZ-INDEX | 1.517,88 | −0,44% |
| TecDAX | 774,06 | −0,45% |
| MDAX | 10.386,30 | +0,06% |
| SDAX | 5.047,66 | −0,48% |
| REX | 421,80 | +0,07% |
| Eurostoxx 50 | 2.508,77 | −0,41% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,83 | −0,71% |
| Dow Jones | 12.938,70 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.579,78 | −0,40% |
| S&P500 | 1.357,66 | −0,33% |
| Nikkei225 | 9.595,57 | +0,44% |
| EUR/USD | 1,3301 | +0,39% |
| Rohöl Brent Crude | 123,91 $ | +1,04% |
| Gold | 1.752,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,79 € | −0,05% |